Landgestüt: Anklage gegen ehemalige Leitung
Bild: Hartwig

Die Staatsanwaltschaft Münster erhebt Anklage gegen die ehemalige Führungsspitze des Landgestüts Warendorf.

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Die Anzahl der Anklagepunkte gegen die ehemalige Leiterin (52) des Landgestüts, ihren Stellvertreter (56) und den ehemaligen ersten Hauptberittmeister (53) ist größer als bisher vermutet, wie sich aus einer Erklärung ergibt, die Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Montagmorgen verbreitete.

Es geht um 135.000 Euro

Dem ehemaligen Spitzenpersonal des Landgestüts werden unsaubere Geschäfte unter anderem mit dem pferdesportbegeisterten Emirat Katar vorgeworfen. Insgesamt geht es um einbehaltene Preisgelder sowie geldwerten Vorteil durch Flugreisen und Aufenthalte in Luxushotels in Höhe von etwa 135.000 Euro. Die Höchststrafe beträgt beim Vorwurf der Vorteilsnahme nach Angaben Botzenhardts bei bis zu drei Jahren Haft. Die Anklage soll vor dem Amtsgericht Warendorf verhandelt werden.

Flüge und Hotelkosten im Wert von 50.000 Euro

In der Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft Münster der ehemaligen Leiterin des Landgestüts und dem früheren ersten Hauptberittmeister jeweils vier Fälle der gemeinschaftlichen Vorteilsannahme, dem damaligen stellvertretenden Gestütsleiter drei Taten der gemeinschaftlichen Vorteilsannahme sowie zwei Fälle der Untreue und dem früheren ersten Hauptberittmeister einen Betrug sowie Beihilfe zur Untreue vor. Alleine in den Jahren 2013 und 2014 geht es um Flug- und Hotelkosten sowie vereinnahmte Preisgelder in Höhe von knapp 50.000 Euro.

Reitturnier in Katar

Nach den durchgeführten Ermittlungen der Staatswanwaltschaft besteht der Verdacht, dass die Reitsporteinrichtung Al Shaqab in Doha/Katar die drei Beschuldigten mit ihren Ehepartnern im März 2013 und im März 2014 zu einem Reitturnier eingeladen hat. Zudem soll der damalige erste Hauptberittmeister in den beiden Jahren jeweils eine Wild-Card für das Reitturnier erhalten haben, bei dem selbst der letztplatzierte Teilnehmer noch ein Preisgeld bekommen hat. Die Reitsporteinrichtung Al Shaqab soll die Kosten für die jeweiligen Business-Class-Flüge und die Unterbringung in Luxushotels übernommen haben.

Die Einladung der Ehepartner im Jahr 2013 soll auf eine entsprechende Anfrage des früheren ersten Hauptberittmeisters zurückgehen. Diesen Reisen lag eine - nach Bewertung der Staatsanwaltschaft - seit dem Jahr 2012 bestehende offizielle Geschäftsbeziehung des Landgestüts mit der Reitsporteinrichtung Al Shaqab zugrunde. Diese Verbindung bestand im Wesentlichen in der Beratung und Unterstützung der Reitsporteinrichtung in Katar durch das Landgestüt. Die Hauptaufgabe der Angeschuldigten lag darin, die vereinbarten Tätigkeiten zu erbringen, den Aufbau dieser Reitsporteinrichtung zu fördern und dadurch auch die finanzielle Situation des Landgestüts positiv zu gestalten.

Flug-, Hotelkosten und Preisgelder vereinnahmt

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen sollen die Angeschuldigten für sich und ihre Ehepartner in den beiden Jahren unzulässige geldwerte Vorteile (Übernahme der Flug-und Hotelkosten) in Höhe von insgesamt 49.041,00 Euro erhalten haben (im Jahr 2013 die Angeschuldigte in Höhe von 7894 Euro und die beiden Mitangeschuldigten in Höhe von jeweils 7957 Euro und im Jahr 2014 der ehemalige erste Hauptberittmeister in Höhe von 8.569,00 EUR und die beiden anderen Angeschuldigten in Höhe von jeweils 8.332,00 Euro). Zudem soll der damalige erste Hauptberittmeister bei den Turnieren Preisgelder erhalten und privat vereinnahmt haben (in Höhe von 3550 EUR im Jahr 2013 und in Höhe von 1.660 Euro im Jahr 2014).

Eigene Gesellschaft gegründet

Im August 2013 gründeten die drei Beschuldigten eine Gesellschaft, um aus der Geschäftsbeziehung des Landgestüts mit der Reitsporteinrichtung Al Shaqab privat finanziell zu profitieren. Sie strichen jeder insgesamt 23.000 Euro ein - ohne Wissen ihres Arbeitgebers, des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums NRW.  Bei einem Hengstverkauf im Jahr 2011 kam es Botzenhardt zufolge zu Unregelmäßigkeiten. Die ehemalige Leiterin des Gestüts und der erste Hauptberittmeister behielten 8000 Euro für sich.

Bereits im Mai 2010 hatte der ehemalige stellvertretende Gestütsleiter eine Vereinbarung mit dem Hauptberittmeister eine Vereinbarung geschlossen, nach der er Preisgelder privat vereinnahmen konnte. Insgesamt erzielte er daraus Einnahmen in Höhe von exakt 9509 Euro.

Vorzeigeinstitut für die Nachzucht

Das Gestüt mit 190 Jahre alter Geschichte gilt weltweit als Vorzeigegestüt für die Nachzucht. Aufgabe seit seiner Gründung sei es, Pferdezüchtern hochwertige und genetisch interessante Deckhengste zur Verfügung zu stellen, heißt es auf der Internetseite des Zuchtbetriebs, der dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist.

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