Lehrschwimmbad erhitzt die Gemüter
Bild: Kleigrewe
Das Lehrschwimmbad Freckenhorst und seine Nutzung wurden am Dienstag im Bezirksausschuss kontrovers diskutiert. Im vorigen Jahr hatten mehrere Ausschüsse das Bad besichtigt und sich informiert. Damals wurde eine Entscheidung über seinen Erhalt auf den Sommer 2015 verschoben.
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Und das, obwohl das Thema nicht einmal ein normaler Tagesordnungspunkt war, sondern eine schlichte Mitteilung im Bericht der Verwaltung zum Abschluss der Sitzung. Allein das brachte einige Ausschussmitglieder und vor allem die Zuhörer aus den Reihen des Fördervereins „Pro Bad“ mächtig in Rage. „Dass so ein wichtiges Thema unter dem Punkt Bericht der Verwaltung behandelt wird, ist eine Farce“, ärgerte sich Heinz Hanewinkel. Außerdem sei man beim Förderverein davon ausgegangen, dass zunächst noch einmal interne Gespräche geführt würden, bevor die Zukunft des Lehrschwimmbads wieder öffentlich diskutiert würde, erklärte er.

Was war geschehen? Als Gast des Bezirksausschusses hatte Johannes Schwöppe, der Geschäftsführer der Stadtwerke Warendorf (WEV), die als Betreiber der Warendorfer Bäder fungieren, einen Zwischenbericht in Sachen Lehrschwimmbad vorgestellt. Dieser sei auch der Gesellschafterversammlung bei ihrer jüngsten Sitzung vorgelegt worden, erläuterte er. Inhalt des Berichts war eine von den WEV durchgeführte Abfrage zur möglichen künftigen Nutzung des Bads.

Derzeit gebe es sieben Nutzer, die an drei Tagen in der Woche insgesamt 37 Stunden das Lehrschwimmbad belegen, referierte Schwöppe. Die WEV habe nun mit 13 potentiellen weiteren Nutzern – Schulen und verschiedenen Vereinen – Gespräche geführt, ob bei ihnen Bedarf bestehe. Dabei habe sich herausgestellt, dass bei den Schulen aufgrund sinkender Schülerzahlen der Bedarf für eine Schwimmbadnutzung stagniere. Bei den Schulen außerhalb von Freckenhorst sei zudem der Transport problematisch. Auch bei den Vereinen sei die Resonanz eher verhalten gewesen, erläuterte Schwöppe. So sei beispielsweise für den Kneipp-Verein die Ferienpause zu lang, die Rheuma-Liga brauche einen speziellen Treppenabgang und die Sportvereine hätten vorwiegend erst ab 17 Uhr Bedarf.

Auf der Grundlage dieser Befragungsergebnisse würden bei einer Ausweitung des Betriebs von drei auf fünf Tage elf Wochenstunden vormittags und nachmittags nicht zu belegen sein. Dafür könnten die Stunden am Abend dreifach vergeben werden. Außerdem ergäben sich personelle Probleme bei der täglichen Reinigung und technischen Überprüfung.

Die WEV habe als Ergebnis ihrer Befragung ein sehr negatives Szenario gezeichnet, waren sich die Ausschussmitglieder einig. Dabei sei der Bedarf nur ein Teil einer umfangreichen Analyse, die für die Bewertung des Lehrschwimmbads notwendig sei. Um ein Gesamtbild zu bekommen, müssten weitere Bereiche einfließen. So stelle sich unter anderem die Frage, ob die Renovierungskosten tatsächlich wie immer kolportiert 880 000 Euro betragen müssten oder nicht doch geringer angesetzt werden könnten. Außerdem müsse die Gesamtsituation der Warendorfer Bäder betrachtet werden. Was passiere, wenn das Schwimmbad der Bundeswehr nicht mehr so großzügig wie bisher genutzt werden könnte? Welche Einschränkungen könnte es für den öffentlichen Badebetrieb geben, wenn das Schulschwimmen aus dem Freckenhorster Lehrschwimmbad in die Warendorfer Bäder verlagert würde?

Um eine sachgerechte Entscheidung zur Zukunft des Freckenhorster Lehrschwimmbads treffen zu können, müsse eine aussagekräftige Vorlage mit Pro- und Contra-Argumenten erarbeitet werden, forderten die Ausschussmitglieder.

Doch nicht nur der Inhalt des von Schwöppe vorlegten Zwischenberichts, auch die terminlichen Planungen stießen auf massive Kritik. Zum einen bei den Vertretern von „Pro Bad“. Sie hätten erst vor einigen Tagen, kurz nach der Gesellschafterversammlung, die Ergebnisse der Befragung bekommen. Bevor man nun öffentlich darüber diskutiere, habe der Förderverein eigentlich noch einmal mit den Verantwortlichen sprechen und mit seinen Argumenten Stellung nehmen wollen. „Dass das Thema heute so diskutiert wird, darf eigentlich nicht sein. Wir fühlen uns da ziemlich überrumpelt und veräppelt“, betonte Heinz Hanewinkel, der den in Urlaub befindlichen „Pro Bad“-Vorsitzenden Dieter Mevert vertrat.

Und auch die Ausschussmitglieder waren deutlich verärgert, als Schwöppe mitteilte, dass die WEV bei der nächsten Gesellschafterversammlung am 25. Juni Informationen zur den Auswirkungen der Befragungsergebnisse auf die Personal- und Betriebskosten sowie ein Alternativszenario für den Fall einer Schließung des Lehrschwimmbads vorlegen wolle. „Wenn wir am 17. Juni in der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien entscheiden sollen, brauchen wir frühzeitig seriös erarbeitete Informationen als Diskussionsgrundlage“, forderte Martin Richter (CDU). Auch Peter Marberg (SPD) hielt das zeitliche Konzept für nicht haltbar und sprach sich für eine Verschiebung der Entscheidung aus. Schließlich hätten sich auch beide Bürgermeisterkandidaten für einen Erhalt des Lehrschwimmbads ausgesprochen. „In dieser Situation sollte es keinen Schnellschuss geben“, stellte er klar.

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