Liebe zu Warendorf eint die Gäste
Bild: Tenbrock
Die Gäste der zweiten Talkrunde „Warendorfer Köpfe“ diskutierten am Donnerstag im Hotel „Im Engel“ in Warendorf viele Themen. Das Bild zeigt (v. l.) Reinhard Hesse, Dr. Olaf Gericke, Sandra Reimann, Christoph Hess, Thomas Oppermann, Professor Dr. Martin Richenhagen und Gerd Leve.
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Die Veranstaltung war mit hochkarätigen Gästen besetzt. Sie leben zwar nicht alle in Warendorf, haben aber dennoch einen besonderen Bezug zu „ihrer Stadt“. Auf dem Podium haben Sandra Reimann, Krankenschwester im Josephs-Hospital und Prädikantin in der Emsstadt, Dr. Olaf Gericke, Landrat des Kreises Warendorf, Professor Dr. Martin Richenhagen, Unternehmer in den USA, sowie Thomas Oppermann (SPD), Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Platz genommen. Gefragt war ihr Blick auf Warendorf – aus der Stadt selbst, von Berlin und den USA aus.

So unterschiedlich ihre Lebenswege bisher verlaufen sind, so ist eines allen vier Gästen gemeinsam: Ihr Herz schlägt für Warendorf. Warum, das haben sie während des zweieinhalbstündigen Gesprächs mit den drei Moderatoren – Christoph Hess, Ausbildungsbotschafter der FN, Reinhard Hesse, Inhaber der Buchhandlung Ebbeke, und Gerhard Leve, Inhaber des Hotels „Im Engel“ – hinreichend deutlich gemacht.

Krankenschwester aus Leidenschaft

Während es Oppermann und Richenhagen in die Welt zog, hatte Sandra Reimann „nie das Verlangen, in die große, weite Welt zu ziehen“. Die in Warendorf Geborene, mit Familie in Füchtorf, liebe ihre Familie sehr, sodass sie in deren Nähe habe bleiben wollen. Auch nach ihrer Ausbildung in Bielefeld habe sie nie das Fernweh gepackt. Nicht einmal im Urlaub: „Den verbringe ich im Sauerland und an der Nordsee“, gibt sie zu. Die Stadt Warendorf habe für sie die passende Größe – so wie für viele andere auch. So wenig wie ihren Wohnort hat Sandra Reimann auch nie ihre Berufswahl bereut: „Ich wusste schon in der Grundschule, dass ich Krankenschwester werden wollte“, erzählt sie. Damit sei sie in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten. Schattenseiten gibt es nur manchmal: „Das sind Tage, an denen ich zu wenig Zeit für Patienten habe.“

Ihre „Liebe zu den Menschen“ spiegelt sich noch in einer anderen Tätigkeit wider. Die 39-Jährige ist Prädikantin (Laienpredigerin) in der evangelischen Kirche. Der Glaube habe schon immer einen hohen Stellenwert in ihrem Leben gehabt.

Schlaflos nach Bombendrohung

Landrat Dr. Olaf Gericke (CDU), Jahrgang 1966, der sich im Herbst zur Wiederwahl stellt, ließ ebenfalls keinen Zweifel daran, dass er den richtigen Beruf gewählt hat. Obwohl, schränkt er ein, er eigentlich habe Lehrer werden wollen. Doch aus Vernunftsgründen habe er sich für das Jurastudium entschieden, denn bei der Berufsberatung hieß es damals: „Wir haben eine Lehrerschwemme, lass die Finger davon.“ Früh habe er sich schon kommunalpolitisch ehrenamtlich engagiert und darin letztlich seine Berufung gefunden.

Trotz der Vorgaben von Bund und Land an die Kreisverwaltungen, habe er genug persönlichen Spielraum, seinen Job zu gestalten, wie er gegenüber Moderator Reinhard Hesse versicherte. Drei Schwerpunkte lägen ihm dabei am Herzen: der Ausbau der Breitbandversorgung, die Integration der Flüchtlinge und die Förderung des Ehrenamts. Gleichwohl kennt Dr. Gericke auch Situationen, die ihn zwar nicht verzweifeln ließen, aber durchaus nachdenklich stimmten. Die Bombendrohung gegen das Bürgerschützenfest 2018 war eine solche: „Das war die schlafloseste Nacht, die ich je hatte“, gestand er mit Blick auf die zu treffende Entscheidung, das Fest aus Sicherheitsgründen abzusagen oder nicht. Nach gründlicher Abwägung der Situation und Absprache mit allen Beteiligten habe man sich entschieden, das Fest nicht abzusagen, was die richtige Entscheidung gewesen sei.

Persönlich fühle er sich sehr wohl in Warendorf: „Ich schätze die kurzen Wege, das Kino, die Architektur und die Natur.“ Dort finde er Entspannung nach der Arbeit: „Dann setze ich mich auf das Rad und fahre durch die Felder. Das ist Lebensqualität.“

Politik auf großer Bühne

Einen Einblick in das ausgefüllte Leben auf der großen politischen Bühne gab Thomas Oppermann. Dabei hat der Bundestagsvizepräsident und Sozialdemokrat seine Wurzeln aber nie vergessen: „Ich habe von meinen 65 Jahren zwar nur ein Jahr in Freckenhorst verbracht, aber es war das wichtigste Jahr meines Lebens“, meinte Oppermann unter viel Beifall auf die Frage von Gerd Leve, ob er sich denn bei seinem Rundgang am Nachmittag durch die Stiftsstadt noch an irgendetwas erinnert habe und noch Beziehungen dorthin pflege. Oppermann ist in Freckenhorst geboren worden, dann aber als Kleinkind mit seinen Eltern nach Südniedersachen gezogen. Heute lebt der vierfache Vater in Göttingen. Am Donnerstagnachmittag hatte er sich in das Goldene Buch der Stadt Warendorf eingetragen.

Der Politiker ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Wurzeln in Warendorf sieht: „Für mich ist das eine Frage der Identität, wo man geboren worden ist. Ich pflege bis heute gute Verbindungen hierher.“ Zur Feststellung von Gerd Leve, dass sich „die Volksparteien derzeit in der Krise befinden“, bezog Oppermann Stellung: „Es gibt zu viele Staatschefs, die die Demokratie verachten“, erläuterte er. Um die Krise zu überwinden, müssten die Voraussetzungen für Demokratie wieder hergestellt werden. Dazu bedürfe es der Fähigkeit, sich wieder über Fakten zu verständigen und nicht alles zu „Fake News“ zu erklären, wenn einem etwas nicht passe. Respekt anderen gegenüber müsse wieder oberste Priorität haben genauso wie die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen. „All das sind die Grundlagen für eine Demokratie, die wir uns nicht von Chaoten, Reichsbürgern und Neonazis nehmen lassen dürfen“, betonte Oppermann.

Für die AfD fand er deutliche Worte: „Das sind ungehobelte Zeitgenossen ohne Respekt“, gewährte er Einblick in das Verhalten der AfD-Abgeordneten im Bundestag. Darin seien sich alle Parteien trotz aller Uneinigkeiten einig – das sei das Gute daran.

Unterwegs zwischen den Welten

Als Brückenbauer zwischen Deutschland, Warendorf und den USA versteht sich Professor Dr. Martin Richenhagen. Der studierte Gymnasiallehrer und Unternehmer, in den USA Chef der AGCO Corporation, weltweit drittgrößter Landmaschinenhersteller, ist schon sehr lange mit Christoph Hess befreundet und dem Reitsport verbunden, arbeitete lange bei Claas in Harsewinkel und hat ein Haus in Ostbevern. Mit Warendorf verbinde er vor allem „die Menschen, die fleißig und ordentlich sind“. So erklärt sich dann wohl auch, dass er seinen „Traum, einmal ein Auto mit einem Warendorfer Kennzeichen zu fahren“, verwirklicht hat.

Doch wie stellt sich für Richenhagen die momentane Beziehung zwischen Deutschland und den USA dar? „Die Deutschen sind in allem sehr gründlich, auch im Pessimismus. Aber die Amerikaner sind Deutschland gegenüber extrem positiv eingestellt“, stellte er zunächst fest. Nur weil das Land gerade einen „falschen Präsidenten hat, sind nicht alle Amerikaner falsch“. Man könne durchaus etwas von den Amerikanern lernen wie zum Beispiel Bürokratieabbau und eine viel höhere Risikobereitschaft als in Deutschland, zu investieren. „In den USA sind ganz andere Karrieren möglich als hier“, weiß der Unternehmer. Gleichwohl müsse man sich darauf einstellen, dass Donald Trump vermutlich wiedergewählt werden würde.

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