Lieber Bienenstich statt Emsdurchstich
Foto: Wild
Trauerflor in Rot, Werbung für Grün: Für die „grüne Lunge“ Emsseepark, aber auch für Grün auf dem heute versiegelten Fabrikgelände Brinkhaus werben die Umwelt-Aktivisten vom Arbeitskreis „Neue Emsinsel“ und von „Fridays for Future“ gemeinsam. 
Foto: Wild

 Im Bereich des Brinkhausparks- und des Breuelwegs, durch den der sogenannte „Emsdurchstich“ führen soll, haben sie zahlreiche Bäume mit (allerdings rotem oder rot-weißem) Trauerflor bestückt.

So sollten Bäume markiert werden, die nach Einschätzung der Aktivisten allesamt der Umlegung der Ems vom jetzigen, kanalisierten Flussbett in den Emssee zum Opfer fallen sollen. „Lieber Bienenstich als Emsdurchstich“ steht auf einem der ergänzenden Protestplakate, um deutlich zu machen, dass auch die Obstbaumwiese im Brinkhauspark von den Planungen bedroht sei.

Ems besser über Fabrikgelände

Der Arbeitskreis „Neue Emsinsel“ spricht sich gegen eine Neubebauung der Industriebrache Brinkhaus aus. Den längst vor der kritisierten „Warendorfer Position“ vom Rat beschlossenen „Emsdurchstich“ hätten sie lieber über das jetzige versiegelte Fabrikgelände geführt anstatt durch den ökologisch wertvollen Brinkhauspark – auch allerdings, um die Bebauungsmöglichkeiten durch den Grundbesitzer und potenziellen Investor von vornherein zu beschneiden.

Der Rat hatte mehrheitlich anders entschieden, hauptsächlich mit der Argumentation, dass der Emsdurchstich östlich des ehemaligen Fabrikgeländes für die Überplanung der Brinkhausbrache alle Möglichkeiten offenlasse – sowohl in Richtung Neubebauung als auch für „grüne“ Gestaltung.

Arbeitskreis trifft sich mit FFF

In der auch mit Umwelt- und Klimaschutz begründeten Haltung treffen sich die Interessen des Arbeitskreises „Neue Emsinsel“ mit denjenigen der FFF-Bewegung, aber auch beim Schlagwort „Emsinsel für alle“ (Nutzungskonzept) sind sich die ansonsten schon altersmäßig völlig unterschiedlichen Gruppierungen in ihren Anliegen einig.

Die Stadt Warendorf weist dagegen darauf hin, dass mit dem vom Rat mehrheitlich beschlossenen Emsdurchstich durch den Park (etwa in Höhe des Pflanzbeets 8. Meridian) auch eine erhebliche ökologische Verbesserung einhergehen werde.

FDP: „So geht nun mal Demokratie“

Nicht unkommentiert stehenlassen will FDP-Fraktionssprecherin Dr. Beate Janinhoff die Guerilla-Aktion im Emsseepark. Mit Blick auf die Kommunalwahl am  Sonntag (13. September) weist die Liberale darauf hin, dass der Rat der Stadt aus parteilosen Bürgern und Parteimitgliedern bestehe, die „sich als Stimme der Wähler und der Bürger dieser Stadt verstehen“. Mit der Teilnahme an der Kommunalwahl habe jeder wahlberechtigte Einwohner die Möglichkeit, über die Ratsmitglieder Einfluss auf die kommende Politik seiner Kommune zu nehmen.

Wer aber „mit üblen Diffamierungen, die an Bäumen hängen, diesen gewählten Stadtrat verunglimpft, tritt die Demokratie mit Füßen“, sagt Dr. Janinhoff. Der Arbeitskreis „Neue Emsinsel“ sei 2016 bei allen Sitzungen anwesend gewesen und habe miterleben können, wie der Beschluss zur Verlegung der Ems im Rat mit 31 Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung gefasst worden sei. Janinhoff: „So geht nun mal Demokratie.“

Politische Entscheidungen verlangten häufig eine lange Vorlaufzeit, bis sie in die Tat umgesetzt werden können. Wenn nun darauf spekuliert werde, „alles auf Anfang zu setzen, die Ems über ein Areal zu legen, das einem nicht gehört, und -in der Hoffnung auf eventuell wechselnde Mehrheiten- bestehende, mit 84 Prozent gefasste Ratsbeschlüsse mal eben so zu kippen, der handelt willkürlich und hat das Wesen unserer Demokratie nicht verstanden“, sagt die Fraktionschefin.

SOCIAL BOOKMARKS