Lotsen durch die Flure des Krankenhauses
Bild: Bussieweke
Hereinspaziert ins Krankenhaus: (v. l.) Peter Goerdeler, Vorstandsvorsitzender des Josephs-Hospitals, Stefan Hölzle, Regionalleiter Nord der Volksbank, Patientenbegleiterin Gudrun Hild, Thomas Schmidt vom Vorstand der Volksbank, die Stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Doris Kaiser, Krankenhaus-Pressesprecher Tobias Dierker sowie Patientenbegleiterin Klara Knapheide.
Bild: Bussieweke

Ganz unauffällig, vor einem Aufzug, über den Besucher zur Sprechstunde gelangen, steht ein kleiner Tresen im Josephs-Hospital. Darauf steht ein frischer Strauß Blumen, daneben liegt ein Stapel mit Flyern. Auf der Vorderseite prangt in Großbuchstaben die Aufschrift „Patientenbegleitdienst“. Damit der Stand nicht unauffällig bleibt, stehen wahlweise Klara Knapheide oder Gudrun Hild dahinter.

„Wenn ein Mensch aus der Aufzugtür tritt, dann sehe ich ihm schon an den Augen an, wenn er Hilfe sucht“, sagt Gudrun Hild. „Ich gehe dann offen auf ihn zu, versuche, ihm den Weg zu weisen. Und, je nach Anliegen, will ich ihm auch die Angst nehmen.“

Nicht jeder findet sich auf Anhieb zurecht

Die Begleitung sei wörtlich zu nehmen. Denn statt mit dem Finger grob in eine Richtung zu zeigen, begleite sie den Patienten bis zu dem Raum, den er sucht. „Deswegen auch der Begriff ‚Lotse‘“, sagt Hild. Immerhin sei das Josephs-Hospital groß und habe viele Gänge, nicht jeder finde sich auf Anhieb zurecht.

Wie bei der Begegnung mit einer jungen Frau, die Klara Knapheide beschreibt. „Ihre Mutter wurde eingeliefert, sie wusste nicht, wohin. Dann habe ich sie erst einmal in den Arm genommen. Und dann haben wir gemeinsam ihr Ziel gefunden“, erinnert sich Knapheide. Die Berührung, der persönliche Kontakt sei ein zentraler Schritt, um Besucher des Krankenhauses zu beruhigen.

Im Mittelpunkt steht der Dienst am Menschen

Im Mittelpunkt, wie die beiden es nennen, steht der „Dienst am Menschen“. Darin erkennt Thomas Schmidt, Vorstandsmitglied der Volksbank, auch die Parallelität zur Arbeit seines Instituts. „Auch wir wollen für die Menschen da sein. Wie in einer Ehe, ‚in guten wie in schlechten Zeiten‘.“

Eine Tatsache, wegen der er sich sofort für die Spende für den Patientenbegleitdienst ausgesprochen habe, sobald die Idee aufkam. In der Spende sehe er keine Investition in eine „Sache“, sondern in das Zwischenmenschliche. Die Summe möchte er daher gar nicht erst nennen.

Auch, weil ihm die Übergabe des Geldes ein persönliches Anliegen ist. „Ich habe selbst die Bedeutung von Begleitung erfahren, als meine Eltern im Josephs-Hospital behandelt wurden. Gewissermaßen bin ich deswegen befangen“, sagt er.

Drei-Säulen-Modell in Arbeit

Dass der Patientenbegleitdienst jetzt für ein Jahr über eine Spende finanziert wird, ist zukunftsweisend, sagt Peter Goerdeler, Vorstandsvorsitzender des Josephs-Hospitals. Denn das Zwei-Säulen-Modell, das in Krankenhäusern derzeit praktiziert werde – Krankenkassen und eigene Investitionen halten den Betrieb aufrecht – reiche auf Dauer nicht aus. „Deswegen versuchen wir, schon jetzt, ein Drei-Säulen-Modell zu praktizieren“, erklärt Goerdeler. In diesem Modell werde ein Drittel der Kosten über „Fundraising“, also Spenden, finanziert. „Diesen Schritt wollen wir frühzeitig gehen und professionalisieren“, sagt Goerdeler.

„Jeder Bürger Warendorfs sollte sich einmal bewusst werden über die Bedeutung des Josephs-Hospitals. Und darüber, wie es wäre, wenn es dieses Krankenhaus nicht gebe“, sagt Doris Kaiser, Stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung. Um die Institution aufrechtzuerhalten, seien auch kleine Spendensummen immer willkommen.

Das Geld reicht nicht für alle Projekte

Der Patientenbegleitdienst sei eine willkommene Ergänzung etwa zu Seelsorge oder Sozialdienst, wie der Fundraising-Beauftragte und Pressesprecher des Krankenhauses Tobias Dierker sagt. Denn so würden die „herkömmlichen“ Bereiche dauerhaft entlastet.

Das Geld helfe, es gebe jedoch immer ein Jonglieren mit Krankenhaus-internen Projekten. „Denn für alle reicht das Geld nicht aus.“

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