Marienkirche findet ihre neue Mitte
Bild: von Stockum
Der Altar als Symbol für Jesus Christus rückt in die Mitte der Gläubigen. Der schlichte Holzblock und der dazugehörige Ambo werden sich im Lauf der kommenden Monate aber vermutlich auch noch an anderen Stellen in der Marienkirche wiederfinden.
Bild: von Stockum

Die Marienkirche aber wird in diesen Tagen zum Ausdruck dessen, wie sich insbesondere die Liturgie verändern muss, wenn die Glaubensgemeinschaft zukunftsfähig werden beziehungsweise bleiben möchte. „Die Heilige Messe als zentrale Feier der katholischen Gemeinde gibt dem Gebäude, in dem sie gefeiert wird, einen Inhalt vor, dem die äußere Form des Baus Folge zu leisten hat“, schreibt Thomas Frings in „Gestaltete Umbrüche“.

Ob es in der Marienkirche zu nachhaltigen Umbrüchen kommt, werden die nächsten Monate zeigen. Anlässlich des Jubiläums beweisen Pfarrer Peter Lenfers und der Arbeitskreis „100 plus“ Experimentierfreude. Allein der Wechsel von traditionellen Kirchenbänken hin zu einer Bestuhlung hat für viel Aufsehen gesorgt. Die Reaktionen reichten von Irritation bis Begeisterung. Plötzlich ließ sich der Raum anders nutzen, wurde flexibler, weil er einen Teil der Starre abwarf. Doch längst nicht jeder Kirchgänger ist bereit für neue Formen, hat er doch das gewohnte Bild verinnerlicht und liebgewonnen.

Ab Sonntag, 18. März, wird es für die Besucher der Messen die nächste Überraschung geben. Sowohl der Altar als auch der Ambo werden in den Raum rücken und eine neue Mitte definieren. Der Geistliche ist dann von drei Seiten und in greifbarer Nähe von Gläubigen umgeben. Der Pfarrer wird nicht mehr hoch und weit hinten im Altarraum die Messe zelebrieren, sondern auf Augenhöhe und inmitten der Gemeindemitglieder. Dafür hat man drei niedrige hölzerne Podeste, einen einfachen Altar und einen Ambo anfertigen lassen, die sich in den nächsten Monaten vermutlich auch an anderen Stellen der Marienkirche wiederfinden werden.

 „Wir werden im Lauf dieses Jahres ausprobieren, was im Kirchenraum geht“, sagt Peter Lenfers. Man wolle mit dem Raum arbeiten und nicht gegen ihn, betont der Pfarrer. Bei allen Experimenten stellen sich die Verantwortlichen die Frage, welche Möglichkeiten es für eine grundsätzliche Umgestaltung gibt. Schließlich könne man nicht alle paar Wochen die Möbel rücken. Es braucht auch Verlässlichkeit.

„Marienkirche 100 plus“ steht als Leitwort über dem Jubiläum. „Es geht uns vorrangig um das Plus, um den Mehrwert, den diese Kirche in der Gesamtlandschaft unserer Gemeinde entfaltet, um die Zukunft, die hier begonnen werden könnte“, hat Pfarrer Peter Lenfers zur Eröffnung der Feierlichkeiten vor wenigen Tagen in einer Predigt gesagt. Es gehe um die Zukunft nicht nur eines Gotteshauses, sondern vor allem eines Glaubens.

„Dafür setzen wir uns ein, dafür setzen wir uns auseinander – und hoffentlich auch wieder zusammen. Dafür streiten wir, danach suchen wir.“ Wo will die Kirche hin in Warendorf? Diese Frage stellen sich die Gemeindemitglieder unter anderem auch im Rahmen des Zukunftstags am Samstag, 10. März. Dort sollen gemeinsam Visionen und Wege für die Zukunft der fusionierten Pfarrei entwickelt werden. Beginn ist um 10 Uhr im Pfarrheim an der Marienkirche. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. Das Ende ist für 17 Uhr vorgesehen.

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