Mbali: Kind auf Zeit bei Familie Böning
Bilder: Detlef Peter Jotzeit
„Mama“ Kirsten Böning und ihr Kind auf Zeit, Mbali Mamonyane, sind ein Herz und eine Seele.
Bilder: Detlef Peter Jotzeit

Das größte Kompliment macht sie ihrer Gastmutter Kirsten Böning. „Sie sagt Mama zu mir“, ist die 57-jährige Warendorferin ein wenig stolz auf diese ganz besondere Auszeichnung.

Für ein Jahr in Deutschland

„Ein neues Kind im Haus auf Zeit“, schwärmt Kirsten Böning von Mbali, die im August 2019 für ein Jahr in das schmucke Heim an der Carl-Leopold-Straße eingezogen ist. Die Pädagogin, die an einem Berufskolleg in Beckum unterrichtet, und ihr Ehemann Frank (59) haben vier eigene Kinder (19, 25, 27 und 29 Jahre). „Doch die sind schon aus dem Haus“, sagt die Warendorferin.

Aber damit nicht genug. Mbali ist mittlerweile der 15. Gast (Schüler und Lehrer), den die Familie aufgenommen hat. Die Besucher stammten unter anderem aus Ecuador, Jakarta, Russland, Slowenien, Polen oder China. „Mal für zwei Wochen, mal für zwei Monate“, berichtet Kirsten Böning. Vermittelt worden seien die meisten Besucher über das Gymnasium Laurentianum Warendorf.

Bis heute Kontakt

Mit vielen Gästen steht die Lehrerin noch heute in Kontakt. „Einige haben schon eigene Kinder und schreiben mir noch immer“, sagt sie und ergänzt: „Wir haben noch nie Pech gehabt.“

Mbali ist der erste Langzeitgast. Die entsprechenden Weichen hat David Böning (25) gestellt, der während seines einjährigen Freiwilligendienstes für die Hilfsorganisation World Horizon in Südafrika gearbeitet hat. Dabei ging es um die Förderung von Schülern in Kliptown, dem ältesten Wohnviertel in Soweto und zugleich einem der ärmsten Stadtviertel von Johannesburg.

Deutschkenntnisse verbessern

Während seines Aufenthalts in Südafrika hat David Böning die junge Südafrikanerin kennengelernt. Sie besuchte dort die Schule, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Zudem half sie in der Küche ehrenamtlich mit bei der Verteilung der Mahlzeiten, die die bis zu 560 Kinder täglich bekommen.

Mbali lebt mit ihren Eltern und sechs Geschwistern in dem Nachbarort Dlamini. Ihr Vater und ihre Mutter sind beide selbstständig und haben ein eigenes Haus. „Durch eine Schulfreundin bin ich auf den Deutschkursus aufmerksam geworden“, berichtet Mbali. Schon seit längerem sei es ihr Wunsch gewesen, Deutschland kennenzulernen.

Neun Monate lernen

Dazu sei es notwendig gewesen, das Zertifikat A1 am Goethe-Institut in Johannesburg zu absolvieren. „Neun Monate lernen“, sagt sie. Das sei schon schwierig gewesen. Nicht nur die Grammatik, sondern auch das Sprechen der fremden Sprache.

Doch die Mühen hätten sich gelohnt, sagt sie. „Das merke ich täglich in der Kita.“ Die Kinder und sie lernten voneinander. Spiele, Gesang und Aktivitäten: alles mache richtig Spaß.

Afrikanische Namen beeindrucken Kinder

Beeindruckt sind die Kinder von den afrikanischen Namen, erzählt Mbali. So heiße ihr Bruder Sipho. Der Name bedeute „Geschenk“. Ihr eigener Vorname stehe für „Blume“. „Das finden die Kinder toll“, sagt sie und lacht.

Das Radfahren – „in Warendorf eigentlich Pflicht“ laut Kirsten Böning – fällt Mbali Mamonyane schwer. Aus diesem Grund läuft sie jeden Tag hin und zurück zur Kita Kunterbunt.
Während manches Kindergartenkind schon mit einem kleinen Rädchen eifrig Runden dreht, fällt Mbali das Fahrradfahren schwer. Sie hat es in Südafrika nie gelernt. „Fahrräder gibt es eigentlich nicht“, berichtet sie. Daher falle es ihr schwer, in Warendorf aufs Rad zu steigen. „Versucht habe ich es, aber es war nicht gut“, räumt sie ein. Daher bleibt es wie in den vergangenen Monaten. Sie ist zu Fuß unterwegs – auch zur Kita.

Etwas Heimweh

Im August geht ihr einjähriger Freiwilligendienst in Warendorf zu Ende. „Etwas Heimweh habe ich schon“, gesteht die 23-Jährige offen ein. Aber der Abschied von Warendorf und ihrer Gastfamilie werde ihr sicherlich auch schwer fallen. „Ich mag die Leute und die Stadt“, macht sie den Warendorfern ein großes Kompliment.

Pläne für ihre Zukunft hat sie auch schon. Mbali möchte Politikwissenschaften in Johannesburg studieren. Und danach? „Dann geht es in die Politik“, sagt sie ganz selbstbewusst. Denn sie möchte in ihrem Heimatland etwas verändern und verbessern für die Menschen.

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