Nach der Lehre droht die Abschiebung
Bild: Jeromin
Der 27-jährige Sumon Tarafder ist Stolz auf das, was er in Sachen Schulische Bildung in Deutschland bereits erreicht hat. Jetzt möchte er den nächsten Schritt zur Integration in die Gesellschaft gehen und eine Berufsausbildung beginnen.
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Als Sumon Tarafder vor drei Jahren nach Deutschland kam, sprach er kein Wort Deutsch. Mit viel Fleiß hat er es geschafft, die Sprache zu erlernen und zu beherrschen. Außerdem verfügt der 27-Jährige aus Bangladesch über hervorragende Englisch-Kenntnisse. In Verbindung mit den erworbenen Schulabschlüssen (Akademie Klausenhof in Hamminkeln / Hansa Berufskolleg Münster) öffnen ihm diese Türen zum heimischen Berufsmarkt. Die Mittlere Reife hat er mit einem Zweier-Notendurchschnitt bestanden. „Ich möchte mein Bestes geben, um meine Ausbildung gut abzuschließen“, sagt der 27-Jährige, der darauf hofft, in Kürze mit der Lehre bei einem namhaften Unternehmen in Münster starten zu können. Um diese Stelle  – wie geplant – zum 1. August antreten zu können, hat Tarafder eine Auflage zu erfüllen.

Sumon Tarafder ist aus Bangladesch geflüchtet, wo er sich als Hindu von radikalen Muslimen bedroht und verfolgt gefühlt hat. Seit Februar 2012 lebt er in Warendorf. Seinen Antrag auf Asyl hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mittlerweile abgelehnt. Da es allerdings keine Dokumente gibt, die die Identität des jungen Mannes zweifelsfrei belegen, wird sein Aufenthalt in der Bundesrepublik derzeit geduldet, was einer vorübergehenden Aussetzung der Abschiebung entspricht. Die Vorlage eines Identitätsnachweises, zum Beispiel Reisepass, Personalausweis, Führerschein oder eine entsprechende Bescheinigung der Botschaft des Heimatlandes, ist aber auch Grundvoraussetzung, um in Deutschland mit der Lehre beginnen zu können. Seitens der Ausländerbehörde des Kreises Warendorf wird ein solches Dokument verlangt, um für die Ausbildung „grünes Licht“ geben zu können. Das haben Kreisdirektor Dr. Heinz Börger und Ralf Holtstiege, Leiter des Kreisordnungsamts, gestern Nachmittag in einer Gesprächsrunde mit Vertretern von Bündnis 90 / Die Grünen erörtert, nachdem die Kreistagsfraktion der Partei um diesen Termin gebeten hatte.

Für Sumon Tarafder, der ehrenamtlich von der Warendorferin Gabi Farwick-Achterhold unterstützt und betreut wird, bedeutet dies: Will er die Chance zu einer qualifizierten Berufsausbildung in Deutschland nutzen, muss er ein Dokument beibringen, das seine Identität zweifelsfrei belegt. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass er damit die Basis für seine (spätere) Abschiebung schaffen würde. Aus dem Warendorfer Kreishaus war gestern auf Nachfrage der „Glocke“ zu erfahren, dass man Sumon Tarafder seitens der Behörde die Berufsausbildung auf jeden Fall ermöglichen wolle. Für die Zeit danach gebe es für den 27-Jährigen aus Bangladesch jedoch keine Garantien. Das könnte für ihn bedeuten, dass nach der Lehre die Abschiebung folgt.

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