Nicht gegen den Elternwillen

Im Warendorfer Rathaus-Echo äußern sich die fünf Ratsfraktionen wöchentlich zu aktuellen Themen. „Glocke“-Leser können die Beiträge online diskutieren und sich so mit den Politikern austauschen.

Die Situation an und um die Warendorfer Schulen beschäftigt erneut die politischen Gremien. Nachdem das Schulministerium NRW der Bezirksregierung Münster die Bildung einer Eingangsklasse für die Jahrgangstufe 7 am Augustin-Wibbelt-Gymnasium (AWG) untersagt hat und auch das AWG als reines Oberstufengymnasium in Frage stellt, ist nun Hektik entstanden.

In Tagesordnungspunkt 1 des jüngsten Schulausschusses wird die Verwaltung beauftragt, für die Bildung einer Eingangsklasse 7 im kommenden Schuljahr zu kämpfen. In TOP 3 soll über die Bildung einer zusätzlichen siebten Klasse an der Gesamtschule entschieden werden. In TOP 4 soll über die Anmietung von Klassenräumen im Gebäude der Kreishandwerkerschaft für die wachsende Oberstufe des AWG beraten werden. Was soll das?

Als die jüngsten Anmeldezahlen vom Mariengymnasium und Laurentianum deutlich zugunsten des MGW ausfielen, wurden Eltern überzeugt, sich für das Lau umzuentscheiden. Warum bemüht man nun nicht die gleiche Überzeugungskraft bei der Umverteilung von der Gesamtschule zum AWG? Dadurch wäre auch in Stufe 7 eine gerechtere Schülerverteilung möglich. Die Gesamtschule hat den Auftrag, sämtliche Schüler aufzunehmen. Damit sind die Raumkapazitäten an der Kapellenstraße überreizt. Warum will die Verwaltung das AWG schwächen, wenn für die einzig mögliche Alternative, nämlich in der Gesamtschule, die Kapazitäten räumlich längst ausgeschöpft sind?

Das AWG hat einen sehr guten Ruf, was sich in den stetig wachsenden Anmeldezahlen für seine Oberstufe widerspiegelt. Als wir vor einigen Jahren vor der Entscheidung „Sekundarschule oder Gesamtschule“ standen, hat die FDP vor einer zusätzlichen Schule mit einer gymnasialen Oberstufe gewarnt mit der Begründung, dass wir in Warendorf genügend gut arbeitende Oberstufen haben. Die gymnasiale Oberstufe einer Gesamtschule kann nur gebildet werden, wenn 30 Prozent der Schüler den Übergang in die Klasse 11 ereichen.

Ist hier schon in jüngeren Jahrgängen ein Kampf um potentielle Gymnasiasten im Gange und das auf Kosten der übrigen Schüler, die in viel zu großen Klassen ohne genügend individuelle Förderung unterrichtet werden? Will Rot /Grün und will die Verwaltung mit aller Gewalt den Elternwillen bei der Schulwahl für das AWG auf den Kopf stellen? Ein Aufbaugymnasium mit der größten gymnasialen Oberstufe (640 Schüler) darf man nicht gegen den erklärten Schüler- und Elternwillen auslaufen lassen.

SOCIAL BOOKMARKS