Ökologie steht auf dem Hof im Fokus
Bild: Kleigrewe
Näher dran am Tier sind jetzt Dorothee und Georg Schwienhorst, die die Schweineställe auf ihrem Hof für die ökologische Haltung von Sauen und Ferkeln umgerüstet haben.
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„Wir kochen viel selbst und legen Wert auf gesunde Ernährung und qualitativ gute Lebensmittel“, erzählt Dorothee Schwienhorst. „Da macht man sich natürlich auch Gedanken darüber, ob man nicht auf dem eigenen Hof ökologischer produzieren könnte.“ Eine ganze Weile hatte sich das Landwirts-Ehepaar schon mit dem Gedanken beschäftigt – nicht zuletzt auch deshalb, weil Georg Schwienhorsts Bruder Paul bereits vor drei Jahren seinen Betrieb umgestellt hatte. „Und dann hat uns das Bio-Virus komplett erwischt“, sagt der staatlich geprüfte Landwirt mit einem Schmunzeln. Bei einer Umstellertagung auf Haus Düsse holten sich die Hoetmarer weitere wichtige Tipps und Informationen und starteten endgültig durch in Richtung ökologische Landwirtschaft.

Eine weitreichende Entscheidung, denn der Hof, den Georg Schwienhorst 15 Jahre zuvor von seinen Eltern übernommen hatte, war komplett auf den konventionellen Betrieb zugeschnitten. „Es war noch gar nicht so lange her, dass wir die Stallungen für die Sauen erneuert hatten“, erinnert sich Schwienhorst. „Und die mussten jetzt noch einmal komplett umgebaut werden.“ Denn bei der ökologischen Haltung haben die Tiere etwa doppelt so viel Platz wie vorher, werden auf Stroh gehalten und bekommen Raum für Auslauf. Klar, dass vor diesem Hintergrund auch die Zahl der Schweine deutlich verkleinert werden musste. Statt der früheren 550 Sauen stehen heute nur noch 240 in den Schwienhorstschen Ställen. Das bedeutet aber nicht, dass sich auch automatisch die Arbeitszeit verringert hat. „Die Betreuungszeit pro Tier liegt deutlich höher als früher, und die Ferkel werden zwei Wochen länger gesäugt“, erklärt der Hoetmarer Landwirt.

Doch diese Zeit wendet er gern auf. „Man ist jetzt viel näher dran an den Tieren und merkt, dass sie ganz anders auf ihr Futter reagieren und sich richtig auf das Stroh freuen“, sagt er. Kein Wunder, dass auch die drei Töchter Greta (9), Thea (8) und Flora (6) begeistert auf dem Hof mithelfen.

Nicht nur die Haltung der Sauen hat sich auf dem Hof Schwienhorst verändert, sondern auch deren Ernährung. „Wir verwenden zu 100 Prozent Biofutter“, stellt Georg Schwienhorst klar. Im vorigen Jahr musste er dafür von der Mühle Curo in Ostenfelde zukaufen. In diesem Jahr kann er erstmals die eigene Ernte verfüttern, denn auch dabei musste natürlich zuerst umgestellt werden. Seine 80 Hektar Ackerland bestellt der Hoetmarer jetzt gemäß den ökologischen Richtlinien in fünfjähriger Fruchtfolge. „Dabei erreicht man zwar nicht solche Spitzenerträge wie vorher, aber das Getreide entwickelt sich auch mit anderen Pflegemaßnahmen gut“, betont Schwienhorst.

Er ist froh, dass er dem Wettlauf von ständig wachsenden landwirtschaftlichen Betrieben, die immer mehr Ausgleichsflächen brauchen, entronnen ist. „Man muss einfach hinterfragen, was man täglich tut. Wir haben daraus unsere Konsequenzen gezogen“, sagt er. „Wir machen es eben anders.“ Das heißt aber nicht, dass die Schwienhorsts nicht auch die ökonomische Seite ihrer Arbeit im Blick haben. „Natürlich muss sich das auch lohnen“, gibt der Landwirt freimütig zu. Und das tut es, weil er eine Nische gefunden hat. Nur 0,7 Prozent des deutschen Schweinefleisches stammt derzeit aus Bioproduktion. Da fällt es nicht schwer, Abnehmer zu einem guten Preis zu finden. Zumal der auf ökologischen Anbau spezialisierte Verband „Naturland“, dem sich Georg Schwienhorst angeschlossen hat, bei der Vermarktung hilft. Starke Preisschwankungen, wie sie derzeit den Milchbauern zusetzen, sind da nicht zu erwarten.

Außerdem haben zwei seiner bisherigen Abnehmer ebenfalls auf ökologische Produktion umgestellt. „So bleiben Sauen und Ferkel im Kreis Warendorf“, freut sich der Hoetmarer, der dabei ist, sich ein weiteres Standbein aufzubauen. In einem Hühnermobil, mit dem er problemlos zwischen verschiedenen Standorten mit frischem Grünfutter wechseln kann, hält er derzeit 80 Legehennen. Bis zum Herbst soll die Zahl auf 1000 wachsen. Die produzierten Freilandeier sollen dann über den Hof Lohmann in Freckenhorst vermarktet werden.

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