Offene Ganztagsschule braucht mehr Geld
Bild: „Glocke“-Archiv
Das Angebot der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) – hier ein Archivbild von einer Gruppe der Laurentiusschule Warendorf aus Juli 2017 – wird von immer mehr Eltern genutzt. Jetzt muss die Politik entscheiden, ob bei der Defizitfinanzierung zugelegt werden muss.
Bild: „Glocke“-Archiv

Sebastian von Hebel, Leiter des Offenen Ganztags der Overbergschule in Warendorf, schilderte dem Ausschuss die tägliche Praxis. „Mit dem jetzigen Personalschlüssel können wir gerade die Betreuung der Kinder leisten“, sagte er. Was dabei auf der Strecke bleibe: „Wir haben keine Zeit für zusätzliche Elterngespräche, für die Beratung in Erziehungsfragen zum Beispiel“, erklärte von Hebel. Auch die Vorbereitung von Aktionen sei im eng gestrickten Plan nicht machbar. „Das machen viele der engagierten Mitarbeiter momentan ehrenamtlich in ihrer Freizeit.“ Ebenso gebe es nicht genug Kapazitäten, um Einzelgespräche und -betreuungen für besonders pflegebedürftige Kinder anzubieten.

Gohl räumt ein: „OGS unterfinanziert“

Auch Udo Gohl, Schulexperte der Stadtverwaltung, räumte ein: „Der offene Ganztag ist unterfinanziert.“ Aktuell zahlt die Stadt Warendorf für die sieben offenen Ganztage schon freiwillig Zuschüsse. 360 Euro sind es für die ersten 25 Kinder, für jedes weitere Kind in der OGS gibt die Stadt 100 Euro. Die OGS-Träger Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Caritas haben beantragt, diesen freiwilligen Zuschuss auf 800 Euro für jedes Kind zu erhöhen.

Laut Herbert Kraft aus der Geschäftsführung des Caritasverbands im Kreis Warendorf ist Warendorf kein Einzelfall. „In ganz NRW treten aktuell Träger an die Kommunen heran und bitten um eine Erhöhung der Zuschüsse“ berichtete er von einer allgemeinen Problemlage.

Stadtverwaltung schlägt Kompromiss vor

Die Stadtverwaltung empfindet die genannte Summe als zu hoch, hat einen eigenen Kompromiss-Vorschlag erarbeitet. Der sieht vor, für die ersten 25 Kinder je 450 Euro zu geben, für jedes weitere Kind kämen 350 Euro hinzu. Damit würde die Stadt ihre freiwilligen Zuschüsse nahezu verdoppeln, würde sie konkret von knapp 95 000 Euro auf fast 190 000 Euro erhöhen.

„Mit dem Vorschlag der Stadt können wir voraussichtlich keine neue Kraft einstellen“, sagte von Hebel. Er hoffe aber, genug Geld zusammenzubekommen, um den Mitarbeitern der OGS so mehr Stunden zu zahlen. „Dann kommen sie nicht erst mit den Klassen, sondern können vorher schon Angebote für die Kinder vorbereiten und haben Zeit für Elterngespräche“, ist sein Plan.

Die Fraktionen wollen die Finanzierungspläne intern beraten und sich im nächsten Ausschuss dazu äußern. Alle signalisierten, dass die Stadt den Trägern der OGS helfen müsse.

Weitere Berichte rund um die verlässliche Betreuung der Grundschulkinder lesen Sie in der Warendorfer „Glocke“-Ausgabe am Donnerstag.

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