Pandemie: TUS-Familie zeigt Solidarität
Foto: Kleigrewe
Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Arbeit des TUS Freckenhorst haben Sportkoordinatorin Inga Hinkerode und Zweiter Vorsitzender Gerd Buller berichtet.
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„Es hat keine vermehrten Austritte gegeben, und der Verein steht auch wirtschaftlich gut da“, zieht der Zweite Vorsitzende Gerd Buller nach neun Monaten, in denen die Sportangebote über weite Strecken komplett eingestellt werden mussten, trotz allem eine positive Bilanz. „Da zeigt sich die Solidarität in der TUS-Familie“, freut er sich. 

Krise noch lange nicht überwunden

Doch Buller weiß auch, dass die Krise noch lange nicht überwunden ist. Gerade erst haben die von Bund und Ländern für den November verhängten Maßnahmen der Corona-Schutzverordnung den Sportvereinen den zweiten kompletten Lockdown beschert. Und das genau zu dem Zeitpunkt, als der TUS immer mehr zur Normalität zurückgefunden hatte. „Am 24. Oktober haben wir den Eltern in einer Informationsveranstaltung erklärt, wie wir unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen das Eltern-Kind-Turnen endlich wieder aufnehmen können. Drei Tage später haben die ersten Übungseinheiten stattgefunden und fünf Tage später war mit dem Sport-Lockdown wieder alles vorbei“, schildert Sport-Koordinatorin Inga Hinkerode den nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Organisatoren frustrierenden Ablauf. 

Übungsleiter werden kreativ

Schon seit dem ersten Sport-Stop am 18. März sind die hauptamtliche TUS-Mitarbeiterin und die Verantwortlichen des Vorstands im Ausnahmezustand. „Im ersten Moment waren wir ratlos“, räumt Hinkerode ein. „Aber dann sind wir das optimistisch angegangen“, sagt sie und freut sich, dass sie sich auf die Unterstützung der Ehrenamtlichen verlassen konnte. Während die Offiziellen Konzepte für den Neustart ausarbeiteten, wurden die Übungsleiter vieler Abteilungen kreativ und produzierten kleine Videos mit Bewegungstipps und Übungsstunden für alle Mitglieder. „Zwei Monate lang haben wir auf unserer Internetseite jede Woche um die fünf Videos hochgeladen“, berichtet die Sportkoordinatorin. „Da gab es viel positives Feedback – auch von den Senioren“, erklärt sie. „Denen haben bei Bedarf die Enkel mit der Technik geholfen, damit sie auch mitmachen konnten.“

Neustart sehnlich erwartet

Wie sehnlich die Sportler darauf gewartet hatten, wieder richtig zu starten, stellten die TUS-Verantwortlich fest, als es im Frühsommer endlich wieder losging. Einige Sportarten wie Tennis durften schon früher wieder betrieben werden als andere, in einigen Städten und Gemeinden wurden die Sporthallen früher geöffnet als in anderen. „Da gab es schon Unmut und Erklärungsbedarf“, berichtet Hinkerode. Der war aber schnell ausgeräumt, als die Sportkoordinatorin erklärte, dass der TUS die Hallen der Stadt nutzt und deshalb auf deren Vorgehen angewiesen ist, während beispielsweise der SC DJK Everswinkel eine eigene Halle hat und selbst bestimmen kann, wann diese geöffnet wird. „Alles in allem läuft die Zusammenarbeit mit der Stadt Warendorf aber wirklich gut“, betont Gerd Buller. „Wir sind vor allem sehr dankbar, dass wir die Hallen auch in den Ferien nutzen und unsere Übungsstunden in dieser Zeit ganz normal weiterführen können.“ 

Sport stärkt Physis und Psyche

Ein Angebot, das vor allem auch die Turnerinnen des TUS nach der coronabedingten Pause begeistert wahrnahmen. Sie hatten zwar auch zuhause fleißig weitertrainiert – „einige von den Mädchen sind leistungsstärker als vorher aus dem Lockdown zurückgekommen“, sagt Turntrainer Buller mit einem Lächeln –, doch das gemeinsame Training konnte das nicht ersetzen. 

Ohnehin sei der soziale Aspekt bei den Sportangeboten nicht zu unterschätzen, weiß Inga Hinkerode. So seien die meist älteren Teilnehmer des Reha-Sports nicht nur froh gewesen, dass sie nach dem Neustart wieder etwas für ihre Beweglichkeit und Fitness tun konnten, sondern vor allem auch, dass sie wieder aus dem Haus kamen und sich mit Gleichgesinnten treffen und unterhalten konnten. „Sport stärkt eben nicht nur die Physis, sondern auch die Psyche“, betont die Sportwissenschaftlerin. Deshalb wundert sie sich auch nicht, dass in den vergangenen Monaten die Teilnehmerzahlen bei Angeboten wie „Body Fitness“ und „Zumba“ gestiegen sind und auch die neue Abteilung „Judobasierte Selbstverteidigung“ boomt. „Nach der langen Zeit zu Hause wollten viele wieder aktiv werden – und das nicht allein, sondern gemeinsam mit anderen.“

Hygienemaßnahmen bringen hohe Kosten

Damit Sport im Verein trotz der Infektionsgefahr weiter durchgeführt werden kann, hat sich der TUS intensiv mit Hygienekonzepten beschäftigt. „In allen Abteilungen gelten strikte Richtlinien“, sagt Gerd Buller. So sind Händedesinfektion, ausreichender Abstand durch kleine Gruppen und Nachverfolgungslisten auch im Kinderbereich selbstverständlich. Bei den Turnerinnen tragen Sportlerinnen und Trainer durchgehend Mund-Nase-Schutz. Nur wer an einem Gerät turnt, ist davon befreit. Beim Gerätewechsel gibt es für die Gruppen ein Einbahnsystem. Alle Matten, Geräte und sonstigen Hilfsmittel werden vor jeder neuen Gruppe desinfiziert. 

Das führt dazu, dass der Verein nicht nur große Mengen an Desinfektionsmitteln einkaufen, sondern auch Schäden an den Sportgeräten einkalkulieren muss. „Die Mittel greifen die Oberflächen von Matten, Bällen und anderem Material an“, weiß Buller. Da zudem mit der Nachfrage die Preise steigen – ein festinstallierter Desinfektionsspender hat sich in nur einem Monat von 100 auf 180 Euro verteuert – kommen hohe Kosten auf den TUS zu. Und das in einer Zeit, in der die Einnahmen sinken. Die angebotene Rückerstattung von Beiträgen haben zwar nur wenige Mitglieder in Anspruch genommen, dafür ist mit dem Freckenhorster Herbst eine Veranstaltung ausgefallen, die dem Verein immer einiges an Geld eingebracht hat. Auch die Ausrichtung der Hallenkreismeisterschaft steht derzeit noch auf der Kippe.

Geschäfte laufen planmäßig weiter

Eigentlich sollte am 13. November die Mitgliederversammlung des TUS Freckenhorst stattfinden. „Wegen der Beschränkungen müssen wir sie leider erneut verschieben“, bedauert der zweite Vorsitzende Gerd Buller. Wegen der einzuhaltenden Fristen werde in diesem Jahr auch keine Versammlung mehr möglich sein, erklärt er. Der Geschäftsbericht sei aber bereits erstellt sowie vom Steuerberater geprüft und für korrekt befunden worden, stellt Buller klar, dass die Geschäfte des Vereins trotz der Pandemie in geregelten Bahnen laufen. 

Der besondere Dank des Zweiten Vorsitzenden geht an die Trainer und Übungsleiter. „Die Art und Weise, wie sie mit den Unwägbarkeiten und ständigen Änderungen umgehen, ist beeindruckend“, lobt er. Zudem hätten viele Trainer freiwillig auf das ihnen zustehende Gehalt verzichtet.

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