Platzverweis für Zirkus mit Wildtieren?
Archivbild: Bussieweke
Wildtiere auf dem Warendorfer Lohwall: Diesen weißen Tiger hatte der Moskauer Zirkus im April mitgebracht. Aber auch eine Greifvogelschau beim Mittelaltermarkt wäre von einem Wildtier-Verbot auf städtischen Flächen betroffen.
Archivbild: Bussieweke

„Der Zirkus ist in der Stadt!“ Dieser Ausruf, über Generationen Ausdruck freudiger Spannung nicht nur bei Kindern, könnte in der Zukunft verstummen. Denn „Menschen, Tiere, Sensationen“ werden heute längst nicht mehr so unkritisch beäugt wie anno dazumal. Und so könnte ein Gastspiel wie das des Moskauer Zirkus im April auf dem Lohwall das letzte in Warendorf gewesen sein – jedenfalls was Unternehmen mit Wildtiershow angeht.

Nicht nur das „Aktionsbündnis Tierschutz Warendorf“, das aus Anlass des Zirkusgastspiels im April zu einer Mahnwache aufgerufen hatte und auch mit Protesten gegen Ponykarussells auf der Kirmes Lobbyarbeit für den Tierschutz geleistet hat, sieht das Halten, Dressieren und Vorführen von Tieren im Zirkus kritisch.

Politik debattiert über Verbot

Das Thema hat jetzt auch die Stadtpolitik erreicht. Am Montag steht im Hauptausschuss des Rates ein SPD-Antrag zur Debatte, ein „kommunales Wildtierverbot für städtische Flächen“ zu verhängen. Dahinter steckt die Initiative, kommunale Flächen künftig nur noch Zirkusbetrieben oder Veranstaltern zu überlassen, die keine Tiere wildlebender Arten mitführen. Gemeint damit sind insbesondere Affen, Antilopenarten, Bären, Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Greifvögel, Großkatzen, Kängurus, Nashörner, Papageien, Reptilien (Krokodile, Schlagen, Echsen), Robben, Strauße, Wildformen von Rindern, Wölfe sowie Zebras.

Der Bürgermeister hat den Politikern eine entsprechende Beschlussempfehlung an die Hand gegeben, obwohl die Rechtmäßigkeit eines kommunalen Wildtierverbots umstritten ist. Es liegen teils widersprüchliche Gerichtsurteile vor. Gleichwohl würde Warendorf dem Beispiel von rund 80 anderen Städten folgen, die Ähnliches bereits beschlossen haben. Der klassische Zirkusplatz Lohwall wäre dann tabu, Zirkusunternehmen könnten höchstens auf Flächen in Privatbesitz ausweichen.

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