Rathaus-Echo: FDP-Fraktion
Im Warendorfer Rathaus-Echo äußern sich die fünf Ratsfraktionen wöchentlich zu aktuellen Themen. „Glocke“-Leser können die Beiträge online diskutieren und sich so mit den Politikern austauschen.

Jedes Jahr wird auch bei uns der Karneval gefeiert. Dabei geht es nicht immer nur um Party, Kostüme und Alkohol. Der Karneval wird auch oft genutzt, um Kritik an der Politik zu üben. Ob Parteien oder einzelne nationale wie internationale Politiker: An Karneval wird alles durch den Kakao gezogen, was Rang und Namen hat. Schon vor 200 Jahren machten sich die Karnevalisten über die Mächtigen lustig. Das hat sich bis heute nicht geändert. Karneval ist die gezielte spielerische Gefährdung der rationalen Ordnung, die reglementierte Störung des öffentlichen Lebens. Dabei haben Karneval und Politik grundlegende Gemeinsamkeiten: Gruppenbildung, kommunikativer Charakter, strukturelle Polarität und das auf Unterhaltung, Überzeugung und Zustimmung abzielende Sprechen coram publico in der Bütt oder am Rednerpult. In der Politik sind am „politischen Aschermittwoch“ derbe Sprüche nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht. Obgleich der Politik die Ernsthaftigkeit als Wesensmerkmal inhärent scheint, wird seit jeher über Politiker und politische Ereignisse gelacht – man denke nur an die zahllosen kursierenden politischen Witze, das politische Kabarett oder die Karikaturen in der politischen Presse. Politiker selbst machen sich in der politischen Auseinandersetzung über ihresgleichen lustig und überziehen ihre politischen Gegner mit Spott und Häme. In Aachen wird seit den 1950er-Jahren der Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst“ verliehen. Eine durchaus renommierte Auszeichnung. Menschlichkeit und Humor im Amt sollen damit gelobt werden. Unter den Preisträgern sind regelmäßig Spitzenpolitiker. Jedes Jahr am Rosenmontag ziehen Motivwagen durch die Straßen der Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz und werden von Tausenden von Menschen bejubelt. Wenn man sich so manche Motivwagen anschaut, kann man sich die Frage stellen, wann der Spaß die Grenze zum Geschmacklosen oder sogar zur eventuellen Strafbarkeit überschreitet. Das ist natürlich Ansichtssache. Auch in Warendorf haben wir (lokal-)politisch motivierte Karnevalswagen zum Rosenmontag. Wir haben im aktuellen Stadtrat viele engagierte Karnevalisten aus verschiedenen Formationen der Warendorfer Karnevalsgesellschaft, verteilt in unterschiedlichen politischen Lagern, darunter vier ehemalige Karnevalsprinzen. Politik ist freilich eine ernste Angelegenheit. Im politischen Alltagsgeschäft spielt aber - wie immer im Leben – auch der Humor eine nicht unerhebliche Rolle. Entgegen der landläufigen Meinung sind Politiker also durchaus zu Humor und Selbstironie fähig – auch in Warendorf. Und das ist auch gut so. Richard Stücklen (Präsident des Bundestages 1979 bis 1983) merkte zu Recht an: „Bei Politikern, die selbst nicht lachen können, hat das Volk auch nichts zu lachen.“ In diesem Sinne: Helau Warendorf.

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