Rathaus-Echo: FWG-Fraktion
Im Warendorfer Rathaus-Echo äußern sich die fünf Ratsfraktionen wöchentlich zu aktuellen Themen. „Glocke“-Leser können die Beiträge online diskutieren und sich so mit den Politikern austauschen.

Die Mitglieder der im Rat der Stadt Warendorf vertretenen Fraktionen kamen Anfang des Jahres 2009 zur ersten Arbeitskreissitzung Stromkonzession zusammen. Keiner der Beteiligten hätte geahnt, dass die Thematik so komplex sein würde. Der Termin für den auslaufenden Konzessionsvertrag mit der RWE am 30. November 2011 konnte nicht einmal annähernd gehalten werden. Nach vielen langen Sitzungen mit zum Teil kontroversen Diskussionen kann sich das Ergebnis jedoch sehen lassen: eine Rekommunalisierung zum 1. Januar kommenden Jahres.

Die Konzession wurde an die Warendorfer Energieversorgung (WEV) vergeben, die eine 74,9-prozentige Tochter der Stadtwerke Warendorf ist. Die FWG-Ratsfraktion und die CDU-Fraktion waren treibende Kräfte für diesen Erfolg. Mit der RWE, die 25,1 Prozent Anteile hält, können wir auf einen starken und erfahrenen Partner bauen. Der durch die Stadt Warendorf und deren Töchter zu finanzierende Kaufpreisanteil in Höhe von rund 13 Millionen Euro ist allerdings eine enorme Herausforderung, zumal rund 11,5 Millionen Euro als Fremdkapital aufgenommen werden müssen. Dennoch übertreffen die Ertragserwartungen diese Investitionsrisiken. Das Netzgeschäft ist ein durch die Bundesnetzagentur regulierter Markt. Auch das aktuelle Niedrigzinsniveau mit Rekordtiefe macht die Übernahme des Stromnetzes noch interessanter. Aktuell laufen die Verhandlungen mit potenziellen Kreditgebern.

Wir als FWG-Ratsfraktion hätten uns aber auch zumindest eine Teilfinanzierung über einen Bürgerfonds gewünscht. Den Antrag dazu hatten wir bereits Anfang des Jahres an die Verwaltung gerichtet. Ärgerlich nur, dass dieses Anliegen im Sande verlaufen ist, da diese Alternative günstiger gewesen wäre als zum Beispiel ein klassisches Bankdarlehen. Zur Verwirklichung dieser Idee bleibt nun nicht mehr genügend Zeit. Die Stromnetzgesellschaft hat eine weitere Chance, nämlich die langfristige Zinsersparnis, vertan. Den Warendorfer Bürgern ist es auf diesem Wege nicht mehr möglich, sich noch intensiver mit dem Stromnetz zu identifizieren und die Möglichkeit einer etwas höheren Rendite für ihr Erspartes zu erzielen. Ich bedauere sehr, dass diese Möglichkeit nun nicht mehr besteht.

Unterm Strich können alle Bürger dennoch stolz auf das Erreichte, ein eigenes Stromnetz, sein. Über die WEV als Hauptgesellschafterin haben wir als Warendorfer die Weichen für den zukünftigen Netzbetrieb gestellt. Von den zu erwartenden Renditen aus dieser Stromnetzbewirtschaftung profitieren alle Bürger – sei es auch nur über Umwege, nämlich über die Stärkung der WEV die uns schließlich allen, zumindest anteilig, gehört. Diese zusätzliche Liquidität könnte auch zur Mitfinanzierung der vor uns liegenden, herausfordernden Energiewende dienen.

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