Vorwürfe treffen die FN bis ins Mark
Bild: FN/Rohwedder
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat Alkoholprobleme im Nachwuchsbereich eingeräumt, will aber nichts von einem generellen Phänomen unter jungen Springreitern wissen. Den Fragen der Medien stellten sich am Samstag in Warendorf (v. l.) Jugend-Abteilungsleiterin Maria Schierhölter-Otte, Generalsekretär Soenke Lauterbach und Justiziarin Constanze Winter.
Bild: FN/Rohwedder

Über derartige Vorkommnisse berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner neuesten Ausgabe. Die Rede ist von einigen wenigen deutsche Nachwuchsreitern. Das Bild ist ebenso alarmierend wie beschämend für die FN und Reitsport in Deutschland. 

Namen der 18- bis 19-Jährigen Springer in der Szene seit langem bekannt

„Wir verurteilen sexualisierte Gewalt aufs Schärfste. Aus vollem Herzen können wir sagen, dass wir sexuellen Übergriffen und übermäßigem Alkoholkonsum den Kampf angesagt haben und klar durchgreifen“, versprach FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach am Samstag vor etwa 30 Journalisten während einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Warendorf. Einschränkend fügte er hinzu: „Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich hier um Einzelfälle.“

Einzelfälle, die den Ruf einer ganzen Sportart massiv beschädigen. Die Namen der drei 18- bis 19-jährigen Kader-Springreiter sind in der „Szene“ seit langem bekannt, genannt wurden sie aus persönlichkeitsrechtlichen Grünen am Samstag nicht. „Neu ist in diesem Prozess für uns, dass massiver Alkoholkonsum in den vergangenen zwei Jahren mit Sachbeschädigung und sexuellen Übergriffen einhergehen“, bestätigte Maria Schierhölter-Otte, Jugend-Abteilungsleiterin der FN und räumte ein: „Das ist eine neue Dimension.“

„Ein Gespräch an der Bar reicht nicht“

Wie schwierig es sei, Fälle sexualisierter Gewalt aufzudecken und zur Anklage zu bringen, erläuterte FN-Justiziarin Constanze Winter: „Ein Gespräch an der Bar reicht uns nicht. Ohne Aussagen können wir rechtlich kein Verfahren führen. Es braucht Täter und Opfer.“

In einem vom „Spiegel“ geschilderten Fall von Alkoholmissbrauch und sexuellem Übergriff konnte der Verband einschreiten. Ein junger Reiter wurde zu einer 18-monatigen Wettkampfsperre durch die FN-Disziplinarkommission verurteilt. Der betroffene Reiter bestreitet die Vorwürfe jedoch und legte Widerspruch beim Großen Schiedsgericht des Verbandes ein. Die Entscheidung steht noch aus und kann sich monatelang hinziehen. Die Sperre ist daher noch nicht rechtskräftig. Die Kader-Suspendierung hingegen schon. Die FN hat wegen der Vorwürfe auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

FN-Jugendleiterin nimmt Eltern mit in die Pflicht

Laut Generalsekretär Soenke Lauterbach stellt sich die FN bereits seit geraumer Zeit der Herausforderung, dass einige junge Springreiter dem Alkohol übermäßig zusprechen. Wie in dem „Spiegel“-Artikel beschrieben, sei der Verband in genau diesen Fällen auch tätig geworden und habe „Abmahnungen, Verwarnungen, Kadersuspendierungen und Geldstrafen ausgesprochen – sofern er ein Fehlverhalten nachweisen konnte“.

Mit einem Anflug von Ohnmacht appellierte Lauterbach an die „ultimative Verantwortung der Eltern“. Und auch FN-Jugendleiterin Maria Schierhölter-Otte nahm die Eltern der jungen Reiter in die Pflicht. Doch von vielen der Erziehungsberechtigten höre sie: „Ihr da vom Verband in Warendorf braucht nicht unsere Kinder zu erziehen. Wir wissen selber, was gut ist und was nicht“, berichtete sie. Wenn dann diese Eltern den Alkohol in ihren Lkw mitbringen zu den deutschen Jugend-Meisterschaften, „was sollen wir dann machen?“, fragte sie fast resignierend.

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