Renaturierung soll Fördergelder bringen
Proppenvoll war der Saal im Hotel Emshof am Dienstagabend. Viele interessierte Warendorfer wollten sich beim AK Emsinsel zum Thema Renaturierung informieren. Bilder: Feldhaus

Rund 140 Interessierte waren in den Emshof gekommen, um über den Vorschlag des AK zu diskutieren. Sein Wunsch: Die Insel, bis auf einige zu rettende Gebäude, grün werden lassen („Die Glocke“ berichtete). Wie das gehen und finanziert werden kann, das wollte der AK mit dem Abend zeigen.

Dazu hatten die Mitstreiter zwei Fachleute von der Bezirksregierung Münster geholt. Gerrit Grannemann erläuterte die EU-Wasserrahmenrichtlinie (siehe Stichwort), durch deren Realisierung wichtige Fördermittel nach Warendorf fließen sollen. Der Tenor: Warendorf müsse bis spätestens 2027 ohnehin Maßnahmen zur Renaturierung an der Ems durchführen, und zwar nicht unweit des Altstadtkerns. Das sei gesetzlich vorgeschrieben. Und einen Umsetzungsfahrplan gebe es auch schon.

Für die Maßnahmen, das erklärte im Anschluss Leo Grouisborn gebe es aus verschiedenen Töpfen von Land und Bund reichlich Mittel. „Landesweit sind 100 Millionen Euro für naturnahen Wasserbau vorgesehen.“ Von einer Mindestförderung von 80 Prozent bei Renaturierungsmaßnahmen sprach Grouisborn – auch für Warendorf. Er lieferte noch einige Beispiele aus Flora und Fauna, wie wichtig diese für den Artenerhalt seien. Filme und Bilder von Uferschwalben, Aalen und Lachse flimmerten über die Leinwand.

Die Emsinsel-Initiative und die Fachleute präsentierten die Maßnahmen am weiteren Uferbereich der jetzigen Industriebrache als unumgänglich – für die Natur, den Hochwasserschutz und die Richtlinienerfüllung. Doch ob sie das genau an dieser Stelle sind oder ob auch andernorts am Fluss die Auflagen erfüllt werden können, wurde nicht ganz klar. Auch nicht, weshalb wegen der Wasserrahmenrichtlinie die komplette Emsinsel unbebaut bleiben muss. Das zeigten mehrere Nachfragen aus dem Publikum: Inwiefern sind die Maßnahmen mit dem verknüpft, was auf der Emsinsel geschieht? Gibt es nicht flussauf- oder flussabwärts Möglichkeiten? Muss alles grün bleiben?

Peter Pesch, Warendorfs Baudirektor, wies den Vorwurf von sich, dass die Stadt beim Thema Wasserrahmenrichtlinie geschlafen habe. „Wir kennen die Vorgaben der EU und arbeiten dran, ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln. Und es geht dabei nicht nur um die Emsinsel. Sobald es Konkretes gibt, werden Sie es erfahren.“ Im Frühsommer will die Stadtverwaltung eine Vorlage zum Thema Emsinsel präsentieren. Auch Wohnbebauung könnte – schaut man sich bisherige Ideen an – dort vorkommen.

Fragen zu Hochwasser und Altlasten

„Wir freuen uns, dass so viele gekommen sind. Aber wir wissen auch, Sie sind ein kritisches Publikum“, sagte Sigfrid Krebse vom AK Emsinsel am Dienstagabend. Tatsächlich hatten die rund 140 Zuhörer, die sich bei der Veranstaltung unter dem Titel „Die Emsinsel für alle!“ über die Vorstellungen der Emsinsel-Initiative – bestehend vor allem aus Altstadtfreunden und Heimatverein – informierten, eine Menge Fragen.

Da ging es unter anderem um den Hochwasserschutz. Ein Zuschauer sorgte sich, ob bei einer Renaturierung Spundwände entfernt werden müssen: „Wer einmal Hochwasser in Warendorf erlebt hat, weiß, wie das aussieht.“ Franz Reinhard, er war bei der Bezirksregierung für das Emsauen-Schutzkonzept zuständig, versuchte zu beruhigen: „Renaturierung bedeutet immer auch die Verbesserung des Hochwasserschutzes.“ Andere Fragen drehten sich um mögliche Altlasten, die sich beim Abriss des Brinkhaus-Komplexes auftun, und um die Wirtschaftlichkeit einer grünen Vision für die Emsinsel.

Auch die Frage, was der Erwerb des Geländes überhaupt kosten würde, kam auf. Die Stadt hat das Vorkaufsrecht. Doch eine offizielle Summe für das Grundstück, das noch in der Hand des Insolvenzverwalters ist, gibt es bisher nicht.

Nicht thematisiert wurde am Dienstagabend, was mit dem größeren Teil der Emsinsel geschehen soll, auf dem noch die Firmengebäude stehen. Der AK wünscht sich auch dort möglichst viel Grün (fällt nicht unter die „Wasserrahmenrichtlinie“) und ein Veranstaltungszentrum, das den Bürgern dienen soll. Eine andere Idee ist eine kleinteilige Wohnbebauung. Welche Förderungsmöglichkeiten, etwa aus dem Städtebauförderprogramm des Landes, es für verschiedene Lösungen geben könnte, ist noch nicht klar. Die Gebäudenutzung soll im Mittelpunkt einer weiteren Veranstaltung des Arbeitskreises Emsinsel stehen.

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