Revolutionär der Warendorfer Jugendarbeit
Bild: Fox
Oliver Bokelmann ist seit 1. Januar hauptamtlich beim Offenen Jugendtreff “@ttic“ beschäftig. Seine Halbtagsstelle ist bis 2017 gesichert.
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Seit dem 1. Januar ist er dort halbtags hauptamtlicher Jugendarbeiter. Die Dekoration sieht beinahe wie in einem Möbelkatalog aus. Helle große Räume, eine gemütliche Ecke mit kuschligen samtroten Kissen und heimeliger Beleuchtung. „Die ist für Mädchen“, erklärt Oliver Bokelmann. Sofort taucht ein Bild vor Augen auf, wie sich 14-Jährige leise kichernd hinter dem bunten Vorhang zurückziehen und Heimlichkeiten über Jungs austauschen. Wer mag, kann auch direkt im Nebenraum Billard spielen oder an der Theke eine Limo schlürfen. Genau zehn Jahre ist der offene Jugendtreff nun alt.

Konfis haben die zündende Idee

Angefangen hat alles ganz klein. „Ein paar ehemalige Konfis (Konfirmanden) wollten die Gruppe erhalten“, erklärt Oliver Bokelmann den Ursprung. Der Name „@ttic“ verrät, was der eigentliche Zweck war. „Wir waren das erste Internetcafé Warendorfs.“ Während es anfangs darum ging – es gab drei Computer, inzwischen sind es zwölf – den Umgang mit dem Internet zu lernen, liegt heute der Schwerpunkt darauf, die Medienkompetenz der Jugendlichen zu schulen. Dabei werden sie zum Beispiel beraten, wie sie sich in Sozialen Netzwerken verhalten sollten.

Als Bokelmann 2008 als Honorarkraft für zehn Stunden anfing, die von der evangelischen Kirchengemeinde finanziert wurden, hatte er sofort neue Konzepte parat. Er schlug vor, die ganze obere Etage des Martin-Luther-Hauses an der Oststraße 58 zu nutzen und somit zum Jugendtreff zu werden, der offen für alle Nationalitäten und Religionen ist. Der 25-Jährige ist ein Mann der Tat und weiß zu planen. Nicht nur Pfarrer Herwig Behring und mit ihm das Presbyterium wusste er zu überzeugen, sondern auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter. In Eigenregie bauten sie eine Theke, verlegten neuen Boden, tapezierten und bauten die Kuschelecke zum „chillen“.

„Mal was ganz Verrücktes machen“

Mit Bokelmann brach auch eine Art Revolution in der Warendorfer Jugendarbeit aus. „Anfangs hatten wir ein wahnsinniges Regelwerk“, erinnert sich der Student für Psychologie und Religionspädagogik. Das habe nur zu Konflikten geführt. Für alles Mögliche musste Pfand bezahlt werden. Bokelmann beschloss: „Wir machen jetzt mal was ganz Verrücktes: Das ist jetzt alles umsonst.“ Außerdem stellte er Pflanzen auf. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter hatten ihre Zweifel: „Die hauen doch alles kaputt.“ Wie gesagt, vier Jahre danach, sieht es aus wie im Möbelkatalog.

Wie Oliver Bokelmann den Weg von Oldenburg ins „@ttic“ gefunden hat, lesen Sie in der Wochenendausgabe der „Glocke“.

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