Rheuma-Selbsthilfegruppe macht die Welle
Foto: Tenbrock
Engagieren sich für die Belange von Rheuma-Patienten: (v. l.) Gaby Hollmann, Martin Hietkamp und Brigitte Bloching von der Arbeitsgemeinschaft Warendorf der Deutschen Rheuma-Liga.
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Martin Hietkamp kann ein Lied davon singen, was das bedeutet. Der Warendorfer leidet an starker Arthrose und nimmt seit vier Jahren einmal die Woche am so genannten Funktionstraining, einer ärztlich verordneten Kassenleistung, teil. Organisiert wird das Angebot von der Rheuma-Liga NRW – Arbeitsgemeinschaft Warendorf. „Bis März war ich zu 90 Prozent ohne Beschwerden. Dann kam der Lockdown und die Angebote wurden eingestellt. Seitdem kann ich nicht zur Wassergymnastik gehen. Nur durch Osteopathie und Physiotherapie kann ich seither meine Beschwerden in Schach halten“, erzählt der 56-Jährige, der sich selbst ehrenamtlich in dem Verein engagiert.

So wie ihm geht es unzähligen Patienten, betonen seine Mitstreiterinnen Gaby Hollmann und Brigitte Bloching. „Immer mehr Betroffene berichten uns, dass sie immer steifer werden“, sagt Bloching. Eine zunehmende Anzahl habe inzwischen von der Trocken- zur Sitzgymnastik gewechselt, weil sie körperlich abgebaut habe. Deshalb sei die Online-Petition, die die Deutsche Rheuma-Liga im Juni gestartet hat, ein dringend notwendiger Schritt, um endlich auf die Anliegen der Patienten aufmerksam zu machen. „Es ist Zeit, dass wir dieses Problem an die Bundesregierung herantragen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat uns bisher total vernachlässigt“, stellt Hollmann fest.

Mit der Online-Petition „Mach die Welle für Menschen mit Rheuma“ setzt sich die Deutsche Rheuma-Liga nach eigenen Angaben bundesweit für die mehr als 200 000 Rheuma-Patienten ein, die wegen Corona auf „einen lebensnotwendigen Therapiebaustein“ verzichten mussten oder noch müssen: das funktionsbezogene Training im Wasser oder in der Turnhalle. Die durch Corona bedingten speziellen Hygienemaßnahmen verursachten erhebliche Mehrkosten, die Organisation werde ohne staatliche Unterstützung an den Rand der Leistungsfähigkeit getrieben. Die Krankenkassen seien nicht bereit, die Vergütungssätze für den Mehraufwand zu übernehmen. „Das muss geändert werden“, fordern auch die Warendorfer Bloching, Hollmann und Hietkamp.

Brigitte Bloching, Gaby Hollmann und Martin Hietkamp schildern die Probleme der Rheuma-Arbeitsgemeinschaft in Warendorf: Die Wassergymnastik wird ihnen zufolge für 336 Betroffene aus Warendorf, Telgte und einigen anderen Orten – das sind 75 Prozent derjenigen, denen das Funktionstraining verordnet wurde – im Schwimmbad der Sportschule der Bundeswehr, der Klinik Maria Frieden in Telgte sowie im Sole Vital in Bad Laer angeboten. Sie hoffen, dass das Training nach den Sommerferien wieder aufgenommen werden kann.

Wie vorher ist trotzdem nichts. „Wegen der Abstandsregeln müssen wir die Gruppen um die Hälfte reduzieren, sodass beispielsweise in der Klinik Maria Frieden statt acht bis zehn Patienten nur vier bis fünf und in der Bundeswehrsportschule nur zehn anstelle von 20 Betroffenen an der Wassergymnastik teilnehmen können“, legt Hollmann dar. Das bedeute geringere Einnahmen, weil nur die Hälfte an Verordnungen abgerechnet werden könnte. Die Zeit in der Schwimmhalle und die Therapeuten müssten aber wie gewohnt bezahlt werden. Gleichzeitig bekomme man in der Bundeswehrsportschule zum Beispiel aber nicht mehr Zeiten, die Kapazitäten dort seien beschränkt. Das führe nicht nur vor Augen, wie dringend ein neues Hallenbad gebraucht werde, sondern auch, dass es notwendig sei, bei der Umsetzung die Bedürfnisse der Rheuma-Liga an das Bad zu berücksichtigen, betont Hietkamp.

Die Rheuma-Selbsthilfegruppe in der Emsstadt hofft jetzt auf viele Unterstützer der Kampagne „Mach die Welle“ der Deutschen Rheuma-Liga. Am Mittwochnachmittag hatten bereits 3402 Menschen die Petition im Internet unterzeichnet. Im Büro der Arbeitsgemeinschaft am Münsterwall 2 liegen außerdem Unterschriften-Listen aus. Im September werden diese an den Landesverband NRW (Essen) übergeben.

Daneben läuft eine Social-Media-Challenge auf Facebook, Instagram & Co. Unter dem Hashtag #machdiewellechallenge ruft die Rheuma-Liga dazu auf, ein Video zu drehen, wie jemand in einem Eimer, Planschbecken, Bach oder einem anderen Behältnis mit Wasser Wellen macht. Jeder, der ein solches Video dreht, nominiert drei weitere Personen, die ebenfalls an der Challenge teilnehmen sollen.

Info: www.rheuma-liga.de/unser-einsatz/mach-die-welle-petition-und-challenge

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