Saisonstart für die Stadtführungen
Startpunkt einer der ersten Stadtführung des Jahres mit dem Titel „Hohe Giebel – Stolze Hengste“ war der historische Marktplatz. Werner Elpers (l.) führte von dort durch die Altstadt bis zum Landgestüt. Bild: Poschmann

Über unterschiedliche Baustile vom Klassizismus bis zur Renaissance sowie über Bürgerhäuser mit ihren Drachenköppen, die durch die Weltkriege erhalten geblieben sind, wusste er einiges zu berichten. Unter dem Titel „Hohe Giebel – Stolze Hengste“ bekamen die Zuhörer so manch interessante Erklärung, unter anderem zu Bauwerken und Straßennamen. Zunächst standen jedoch der Marktplatz und seine Häuser auf dem Plan. Elpers erklärte, wie die Fleischhauerstraße zu ihrem Namen kam: „Die Gilde der Fleischhauer hatte im Haus Düwel ihren Sitz und verkaufte Fleisch in der sogenannten Scharre“.

Auf der Ecke der Verbindungsstraße zur Krückemühle steht das Gebäude der ehemaligen Hirschapotheke, in dem sich heute das Gasthaus „In Mezzo“ befindet. Bei der Verklinkerung handele es sich allerdings nicht um echte Klinker, sondern um Fugenmalerei, machte der Stadtführer deutlich. In klassisch westfälischer Bauweise sei schließlich das Deelenhaus, in dem sich die Löwenapotheke befindet, gehalten. Wenig bekannt sein dürfte auch, dass das Haus, in dem früher der Optiker Bisping untergebracht war, das einzige Haus der Altstadt ist, das ganzjährig mit einem Weihnachtsbaum geschmückt ist. Elpers zeigte schmunzelnd auf die Wetterfahne des Gebäudes.

Ebenso wissen vermutlich wenige Warendorfer, dass der Laurentiuskirchplatz mit 54 Metern über Null der höchste Punkt der Altstadt ist. Im Jahre 785 wurde auf dieser sogenannten Sandinsel die erste kleine Holzkirche erbaut, der 1100 eine Steinkirche im romanischen Stil folgte. Den Stadtbrand von 1404 überlebte allerdings nur der alte Turm.

Doch nicht nur Straßen und Bauwerke waren Thema der Führung durch die Historie der Emsstadt. Auch zu den Bewohnern des alten Warendorf gab‘s so manche Erklärung. „Warintharpas“ Bevölkerung bestand in grauer Vorzeit nämlich zu 70 Prozent aus den eher armen Webern. Die reichen Tuchmacher, die den Rest stellten, sorgten seinerzeit letztlich für das Flair der Altstadt. Sie machten die gute Stube zu dem, was sie heute ist: einer der schönsten Marktplätze Ostwestfalens.

Außerdem zeigte Elpers den Besuchern pikante Details früherer Zeiten. Die Petersiliengasse sei das Rotlichtviertel der Emsstadt gewesen. „Die Petersilie galt als Aphrodisiakum, deren Ölsamen verwendeten die Frauen als Verhütungsmittel. Also hatten beide, Männer und Frauen, etwas davon.“

Zum Abschluss stand dann noch der Besuch des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts auf dem Programm. Hier erfuhren die Teilnehmer, dass das Landgestüt in der Emsstadt eines von zehn Gestüten Deutschlands ist und seinen Standort zuerst an der heutigen Volksbank hatte. Als erstes Preußisches Landgestüt im Westen Deutschlands wurde es auf Wunsch der Pferdezüchter Westfalens und der Rheinprovinz 1826 gegründet und der Sitz 50 Jahre später auf den Hohlenberg an die heutige Sassenberger Straße verlegt.

Die Teilnehmer der Führung durften auch einen Blick in die 100 Meter lange Stallgasse – den ältesten Teil des Landgestüts – werfen und dabei die Hengste in den Stallboxen in Augenschein nehmen.

Öffentliche Führungen

Die öffentliche Führung „Hohe Giebel – Stolze Hengste“ findet jeden Samstag, Sonn- und Feiertag ab 10 Uhr statt. Start ist am Marktplatz, die Teilnahme kostet drei Euro, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere öffentliche Führungen zu unterschiedlichen Themen finden an festgelegten Terminen statt, Dauer und Kosten variieren. Von der Führung im historischen Gewand bis hin zur GPS-Entdeckungstour ist für jeden etwas dabei. Auskunft gibt Warendorf Marketing, w 02581 / 545454.

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