Schließung fördert Geburtentourismus
Zum Jahreswechsel ist die Geburtshilfe Warendorf als medizinische Fraktion geschlossen worden. Werdende Mütter schauen sich im Umland nach einem Kreißsaal ihrer Wahl um.

Das gilt für werdende Mütter und Väter aus der Kreisstadt sowie aus dem Einzugsgebiet Warendorfs. Für viele Betroffene war das Josephs-Hospital die Anlaufstelle zur Entbindung. Der Kreißsaal ist in dieser Einrichtung seit Dezember vergangenen Jahres Geschichte, weil er nicht die für eine wirtschaftliche Betriebsführung notwendige Zahl von 600 Geburten pro Jahr vorweisen konnte. In diesem Zusammenhang stoßen die Krankenhäuser in der Umgebung ihre Türen weit auf.

Nicht ohne Grund: Die zuletzt innerhalb von zwölf Monaten in der Emsstadt registrierten 310 Geburten verteilen sich künftig auf andere Häuser. Liefert bei der Wahl des Geburtsorts die Erreichbarkeit das ausschlaggebende Argument, unterscheiden das St.-Franziskus-Hospital in Ahlen mit einer Distanz von 25 Kilometern, das St.-Franziskus-Hospital Münster (27 Kilometer) und das Marienhospital Oelde (22 Kilometer) nur wenige Fahrminuten.

Verstärkt um werdende Mütter und deren Kinder wirbt auch das Klinikum Osnabrücker Land in Dissen, das 29 Kilometer von Warendorf trennen. Die Geburtshilfe bringt sich verstärkt bei potenziellen Eltern durch Kurse ins Gespräch. „Das ist Folge einer offensiveren Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Christian Gutendorf. Der Verwaltungsdirektor versichert, dass die Klinik im Niedersächsischen mit jährlich 400 Geburten „gut aufgestellt“ sei. Ein Mehr an Entbindungen würde allerdings zur Wirtschaftlichkeit des Unternehmens beitragen. Das Osnabrücker Land wird ohnehin von Patienten aus NRW nachgefragt, stellt Gutendorf fest.

Ob und wie das jeweilige Krankenhaus von der Schließung der Geburtshilfe-Station in Warendorf profitiert, „kann die Geschäftsführung letztlich erst am Ende dieses Jahres feststellen“, berichtet Gabi Feldmann. Die Hebamme im Marienhospital Oelde hat immer wieder Kontakt zu werdenden Müttern aus Warendorf, die sich die Einrichtung anschauen. „Das ist in diesem Januar nichts Neues.“ Wie die konkurrierenden Geburtsstationen in Ahlen und Münster, registrierte das Krankenhaus in Oelde auch in der Vergangenheit Warendorferinnen auf der Wöchnerinnen-Station.

Der Hinweis von der Uni-Klinik Münster, im Joseph-Hospital Warendorf habe zur Schließung der Geburtshilfe auch der Umstand beigetragen, dass lediglich 47 Prozent aller Warendorferinnen, die ein Kind erwartet haben, sich für den Kreißsaal vor Ort entschieden hätten, ist ein Beleg für bestehenden Geburtentourismus.

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