Schmuddelwetter macht Kindern nichts aus
Bild: Engelbrecht
Warm angezogen und mit Rucksack und Isomatte ausgestattet, machten sich (v.l.) Matilda, Jayden, Lionel, Nick und Lewin mit ihren Erzieherinnen auf den Weg durch den Wald.
Bild: Engelbrecht

„Wenn man dann aber erst einmal im Kindergarten ist, ist alles schnell verflogen.“ Gleiches gilt scheinbar auch für die Mädchen und Jungen. 

Noch vor 9 Uhr trudeln die ersten auf dem Gelände des Naturkindergartens in Freckenhorst ein. Gesichter wie sieben Tage Regenwetter? Fehlanzeige. Auch wenn diese – mit Blick auf den Wetterbericht – gar nicht mal ungerechtfertigt wären.

Doch die Mädchen und Jungen kennen es nicht anders: Im Naturkindergarten sind sie das ganze Jahr über draußen. „Manchmal hat jemand keine Lust. Aber das hat meist andere Gründe. Jedes Kind hat mal einen schlechten Tag und so ein Wetter kann das verstärken“, sagt Leiterin Jutta Luhmeyer.

Bewegung ist das A und O

Bewegung ist zu dieser Jahreszeit das A und O. So bleiben die Kinder warm – und auch die Erziehrinnen. „Wir haben im Winter manchmal noch ein paar Schichten mehr an“, berichtet Jutta Luhmeyer. „Und wenn die Füße mal kalt sind, rennt man mit den Kindern eben eine Runde.“

Zwiebellook ist bei den Kleinen ebenfalls angesagt. So kann bei Bedarf immer etwas an- oder ausgezogen werden. Ist doch mal etwas durchgenässt, können die Kinder in ihre Ersatzkleidung schlüpfen.

Spaß auch bei Regen

Der Start in den Tag beginnt mit einem Morgenkreis. Die Kinder schnappen sich ihre Isomatten und nehmen auf den Baumstümpfen Platz. Jutta Luhmeyer macht noch schnell die Runde und zieht dem einen oder anderen die Kapuze über den Kopf.

Denn: Von oben tropft es weiterhin. Und macht euch der Regen gar nichts aus? „Nein, es macht genauso viel Spaß“, sagt die vierjährige Tess. „Wir gehen immer zu verschiedenen Plätzen im Wald.“ Wohin heute, das wird sie gleich erfahren.

Trampeln, Toben und ein Taschenwärmer

Bewegung ist schon beim gemeinsamen Morgenkreis angesagt. Die Erzieherinnen stimmen „Wir wollen uns begrüßen“ an und alle singen, klatschen und trampeln. Währenddessen prasselt der Regen weiter auf die Gruppe herab, um dann gleich wieder an der Kleidung abzuperlen.

Einer der Jungen holt einen Taschenwärmer hervor – auch eine gute Idee zum Warmbleiben. Mit einem Spiel geht‘s weiter: Janne macht den Anfang und schlüpft in die Rolle des Timpe-Tampe-Zaubermanns. „Ich mache aus euch Frösche“, verwandelt sie die anderen Kinder. Kurzerhand hüpft die Gruppe über den Boden, bis Janne den Zauber bricht und Stab und Hut weitergibt.

Nach und nach wird die Gruppe so zu Schlangen, Vögeln und Hasen. Dabei auch über den nassen Boden zu robben, ist kein Problem. Die Kinder sind schließlich gut eingepackt.

Neue Wege erkunden

Die Gruppe teilt sich an diesem Tag auf. Die älteren Kinder gehen in den Wald, um dort – wie Jutta Luhmeyer geheimnisvoll ankündigt – „neue Wege zu erkunden“ und einen gemütlichen Platz zum Frühstücken zu finden.

Die Jüngeren kommen zum Essen im Bauwagen zusammen. Er dient auch als Treffpunkt, ebenso als Unterschlupf zum Aufwärmen und um sich mit Spielmaterialien einzudecken. Bei Unwetter kann die Gruppe auf Räumlichkeiten im Pfarrheim der Katholischen Kirche ausweichen.

Schlittenfahren am Schneckenberg

In der vergangenen Woche war es mit Minusgraden sehr kalt, aber trocken. Ideale Bedingungen für Experimente mit Eis. Was passiert mit dem Wasser im Glas, wenn man es über Nacht draußen stehen lässt? Ist das Eis, das sich auf der Pfütze gebildet hat, schon fest genug, um den darauf geworfenen Steinen standzuhalten?

Die Mädchen und Jungen machten den Test. Bei Regen steht vor allem Matsch hoch im Kurs. „Wenn es schneit, gehen wir zum Schlittenfahren zum Schneckenberg“, berichtet Jutta Luhmeyer.

Jede Jahreszeit hat etwas Schönes

Erzieherin Inga Hoppe erlebt gern den Wechsel der Jahreszeiten. „Im Frühjahr gehen die Knospen auf, im Herbst riecht es im Wald nach Pilzen. Jede Jahreszeit hat etwas Schönes, und wir sind mittendrin.“ Wieder im Regelkindergarten zu arbeiten kann sich die Erzieherin nicht vorstellen, ebenso wenig Kollegin Saskia Eggstein.

Eine zentrale Rolle spiele der Geräuschpegel. In geschlossenen Räumen sei der deutlich höher. Zudem genießen es die beiden, dass sie im Wald nicht so oft eingreifen und regeln müssen, und den Kindern mehr Freiheiten geben können.

Zusammenhalt ist stark

Rennt eines mal oder ist lauter, stört das wenig. Und: „Der Zusammenhalt ist stark“, sagt Saskia Eggstein. „Wenn man nicht über den Graben rüber kommt, muss man sich helfen.“

Inga Hoppe ergänzt: „Im Wald ist nichts gleich. Dadurch spielen die Kinder intensiver. Wenn sie heute eine Hütte bauen, wird diese lange bespielt. Denn morgen steht sie vielleicht nicht mehr, weil jemand sie kaputt gemacht hat oder der Wind sie umgeweht hat.“

Kinder sind abgehärtet

 Den ganzen Tag über draußen zu sein, bekomme den Mädchen und Jungen sehr gut. „Sie sind abgehärtet, werden nicht so schnell krank“, weiß Jutta Luhmeyer aus Erfahrung. In geschlossen Räumen verteilten sich Erreger deutlich schneller.

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