Shary Reeves: Eine farbige Biografie
Bild: Tenbrock
Jung und weiblich waren die glühendsten Verehrerinnen der Shary Reeves: (v. l.) Die Autorin schrieb Anna, Anastasia und Katharina Fast Widmungen in ihr Buch „Ich bin nicht farbig“.
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Nicht nur ihre vielen jungen Fans im Publikum verstand die 39-Jährige, die viele aus der Kindersendung „Wissen macht Ah!“ kennen, zu unterhalten. Denn traurig war allenfalls der Anfang der Lesung. Als Tochter eines Philosophieprofessors und Diplomaten aus Kenia und einer Mutter aus Tansania kam sie 1975 in Köln zur Welt. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch nicht geboren war. Sie kam in eine Pflegefamilie. Ihr Glück: Ihre Pflegeeltern, die Shary Reeves Oma und Opa nennt, haben nie einen Unterschied zwischen den eigenen und den Pflegekindern gemacht.

Reeves wäre auch nie auf die Idee gekommen, dass sie – wegen ihrer Hautfarbe – anders sei. Bis zum Eintritt in die Schule. Von da an begleitet sie das Anderssein. Das größte Glück war wohl, dass die Pflegeeltern sie „mit Liebe aufgezogen haben“, wie die Autorin schildert. Die Beziehungen zu ihrer leiblichen Familie sind schwierig: „Erst kürzlich habe ich einen Halbbruder kennengelernt. Zum Vater habe sie praktisch keine Beziehung, auch wenn der immer wieder plötzlich in ihrem Leben auftaucht. Trotz allem hat sie nie den Mut verloren: „Von meinen Pflegeeltern habe ich gelernt, mich nie unterkriegen zu lassen.“

Wer ihren Lebenslauf kennt, staunt angesichts ihrer vielen Talente und Interessen. Diese Vielseitigkeit habe sie von ihrem Vater geerbt, sagt sie. Mit ihren Geschwistern feierte sie frühe musikalische Erfolge (Hip Hop, Soul) als die Gruppe „4 Reeves“. Sie machte eine Ausbildung zur Fotoassistentin, spielte in der Seifenoper Marienhof mit, moderierte die Sendung mit der Maus und pflegte zahlreiche Hobbys: In den 1990er-Jahren kickte sie Bundesliga beim SC 07 Bad Neuenahr und war Kandidatin für die deutsche U 16-Nationalelf. Sie ist Snowboard- und Inline-Skate-Lehrerin und läuft Marathon. Sozial engagiert ist sie unter anderem für die Deutsche Krebshilfe.

So bunt wie ihr Lebenslauf, so lebendig waren die Schilderungen ihrer Lebensabschnitte und Einstellungen: Offen, sympathisch und mit der Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, gewährte Reeves dem Publikum Einblick in ihr Leben. Am Ende irritierte der Buchtitel „Ich bin nicht farbig“. Doch diesen Widerspruch löst sie selbst auf: „Nicht das offensichtlich Äußere an mir ist farbig, sondern mein Leben. Es ist voller Paradoxe, lebendig, schrill und abwechslungsreich.„

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