Soll Agnes-Miegel-Weg umbenannt werden?
Bild: Wild
Kritischer Blick auf Agnes Miegel: Historiker und Kulturausschussmitglied Dr. Hermann Mesch hat an der Fachtagung in Münster teilgenommen und arbeitet an einer Entscheidungsgrundlage für eine Beschlussfassung in den Ratsgremien, die sich mit der umstrittenen Benennung „Agnes-Miegel-Weg“ befasst.
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Ist es angemessen, durch die Benennung einer Straße jemanden zu ehren, der während der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur nachweislich aus seiner Nähe zum Regime keinen Hehl gemacht hat? Der Historiker Dr. Hermann Mesch, für die Grünen im Kulturausschuss, hatte sich bereiterklärt, das Thema zu recherchieren und seine Erkenntnisse als Entscheidungsgrundlage für den Ausschuss einzubringen. Mesch, Vorsitzender des Heimatvereins Milte, gehörte jetzt zu den Teilnehmern einer Fachtagung, zu der der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nach Münster eingeladen hatte. Das spannende Thema: „Fragwürdige Ehrungen!? – Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur“.

Auch Wagenfeld belastet

In Fachreferaten ging unter anderem um zwei Namen, die für Warendorf relevant sind: Karl Wagenfeld (nach ihm ist eine Straße in Hoetmar benannt) und Agnes Miegel, nach der ein Weg in einem Wohngebiet im Warendorfer Nordosten benannt ist. Mesch möchte den Experten Dr. Steffen Stadthaus (LWL-Literaturkommission Westfalen) als Referenten gewinnen, um beim Kulturausschuss in seiner nächsten Sitzung über Miegel einen Vortrag zu halten.

Miegel nicht verteidigt

Agnes Miegel habe „bei den Nationalsozialisten in der ersten Liga der Schriftsteller gespielt“, fasst Mesch den Tenor des Fachvortrags von Dr. Stadthaus bei der LWL-Tagung zusammen. Und sie hätte nach dem Krieg alle Möglichkeiten gehabt, sich nachträglich von NS-Gedankengut zu distanzieren. Dass sie dies nicht oder nicht ausreichend getan habe, liegt für Mesch nach den Ergebnissen der Tagung auf der Hand: „Jedenfalls hat sich niemand gemeldet, der Frau Miegel verteidigt hätte.“

Späte Ehrung fragwürdig

Bemerkenswert findet Mesch, dass der Beschluss in Warendorf, eine Straße nach der als „Großmutter Ostpreußens“ Glorifizierten zu benennen, Anfang der 1980er-Jahre und damit zu einem Zeitpunkt erfolgt sei, als andernorts längst über Miegels zweifelhafte Rolle in der NS-Diktatur diskutiert worden war.

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