Sport-Szene empört über Lauf-Maut
Start, Ziel, zahlen: Zwischen 600 und 800 Läufer starten beim jährlichen Emsseelauf in Warendorf. Von 2016 an muss der Veranstalter für jeden erwachsenen Teilnehmer einen Euro Startgebühr an den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) abführen.

Mit Beginn des kommenden Jahres müssen Veranstalter, überwiegend sind das gemeinnützige Vereine, pro erwachsenen Teilnehmer, der die Ziellinie überquert (Finisher), bundesweit einheitlich einen Euro an den DLV berappen. Bislang waren es – je nach Landesverband – zwischen 30 und 50 Cent für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Der im Juli 2014 gefasste Beschluss der DLV-Oberen hat auch in der heimischen Region für Kopfschütteln, ja Empörung gesorgt. „Eine bodenlose Frechheit“, flucht Hermann-Josef Becker, Vorsitzender der Leichtathletik-Abteilung der Warendorfer SU und Mitorganisator des traditionsreichen Emssee-Laufes: „Wir müssen diesen einen Euro auf die Startgebühr draufschlagen, anders geht es nicht. Es ist wahrscheinlich, dass dadurch potenzielle Teilnehmer wegbleiben.“ Zudem ärgert Becker, das man vom Verband vor vollendete Tatsachen gestellt werde, ohne dass die Vereine vorher zurate gezogen worden seien: „Die Unterstützung des DLV vor allem bei kleineren, nicht kommerziellen Laufveranstaltungen ist gleich null. Unser Lauf funktioniert nur, weil wir mehr als 100 ehrenamtlich Helfer haben. Am Ende bleibt fast nichts übrig. Wir sind froh, wenn wir eine Helferparty finanzieren können.“

Keine Gegenleistung vom Verband

Martin Masjosthusmann von der LG Burg Wiedenbrück, die alljährlich den Christkindl-Lauf ausrichtet, ist ebenfalls „komplett gegen die Lauf-Maut“: „Es gibt keinerlei Gegenleistung vom DLV und den Landesverbänden dafür.“ Außerdem vermisst er ein „nachvollziehbares Konzept, wofür die Mehreinnahmen eingesetzt werden.“ Der DLV sei von Anfang an nicht ehrlich zu den Vereinen und anderen Veranstaltern gewesen und habe die Gebührenerhöhung über die Köpfe der Betroffenen hinweg beschlossen: „Erst jetzt, da sich massiver Widerstand regt, fangen sie an mit uns zu reden.“ Heute Abend nimmt Masjosthusmann in Duisburg an einer Diskussionsrunde mit Vertretern des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) und Laufveranstaltern teil (ausführliche Berichterstattung mit weiteren Hintergründen in der Mittwochausgabe der „Glocke“).

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