Stabile Kinderzahlen werden Problem
Bild: Kleigrewe
Ein Anbau an die benachbarte Grundschule könnte im Kindergarten Zwergenland in Einen den vom Landesjugendamt geforderten Platz für die überzähligen acht Kinder schaffen.
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Schon einmal hatte die Kindergartensituation in den drei Ortsteilen im Mittelpunkt einer hitzig geführten Diskussion gestanden. An deren Ende stand der Beschluss, den gesamten Bereich als einen Sozialraum mit jeweils einem zweigruppigen Kindergarten pro Ort zu sehen. „Und die Entwicklung hat gezeigt, dass diese Entscheidung gut war“, stellte Schulamtsleiter Udo Gohl am Mittwoch in der Bezirksausschusssitzung fest.

Schon fast zu gut, könnte man meinen, denn während damals die Schließung einer der Einrichtungen drohte und deutlich sinkende Kinderzahlen prognostiziert wurden, sind heute so viele Kinder da, dass sich ein neues Problem ergibt: Es fehlen Plätze in den Kitas. Dabei war ein vorübergehender Überhang an Kindern im 2012 neu errichteten Kindergarten Zwergenland in Einen sogar einkalkuliert. Er war für 37 Mädchen und Jungen geplant worden und startete mit 41 Kindern. Aufgrund der Prognosen sei man aber davon ausgegangen, dass die Zahlen schnell sinken würden und 37 Plätze auf Dauer bedarfsgerecht seien, erklärte Gohl. Doch entgegen der Erwartungen seien die Kinderzahlen stabil geblieben und würden es auch in den kommenden Jahren sein.

Vor diesem Hintergrund habe das Landesjugendamt nun die Reißleine gezogen und die bisher stets gewährte Ausnahmegenehmigung für den Betrieb mit mittlerweile acht überzähligen Kindern in Frage gestellt. Nur wenn das Platzangebot bis zum Kindergartenjahr 2017 / 18 angepasst werde, könne eine weitere Genehmigung erteilt werden.

Um das Problem zu lösen, schlug die Verwaltung einen 64 Quadratmeter großen Anbau an das benachbarte Gebäude der Grundschule in Einen vor, um das Raumangebot des Kindergartens Zwergenland um einen Gruppenraum und einen neuen Bewegungsraum zu erweitern. Die Kosten für diese Maßnahme wurden mit rund 253 000 Euro veranschlagt, wobei mit einem Zuschuss in Höhe von 80 000 Euro aus einem Förderprogramm des Landes zu rechnen sei.

Doch warum in Einen anbauen und nicht in Milte umbauen? Das war die Frage, die einige Milter Eltern stellten, die zur Bezirksausschusssitzung gekommen waren. Im St.-Johannes-Kindergarten sei es mit wenig Aufwand möglich, Platz für eine dritte Gruppe zu schaffen, erläuterte Christoph Schulze Heuling. Da die Sanitäreinrichtungen der ehemaligen dritten Gruppe noch komplett vorhanden seien, ließen sich die damaligen Raumverhältnisse durch einfache Baumaßnahmen, an denen sich die Milter Bürger und der Verein Familiendorf Milte in hohem Umfang durch Eigenleistungen beteiligen wollten, schnell und günstig wiederherstellen. „So schaffen wir rund 20 zusätzliche Kindergartenplätze für eine geringe Summe, statt mehr als 200 000 Euro an Steuergeldern für acht neue Plätze zu verschwenden“, brachte er den Vorschlag der Milter auf den Punkt.

Ohnehin zweifele seine Fraktion an, dass die vorgesehenen Kosten für die Maßnahme in Einen realistisch eingeschätzt worden seien, erklärte Markus Pletzing (CDU) und forderte, nicht nur eine belastbare Kostenschätzung vorzulegen, sondern auch Alternativen für den Anbau in Einen zu prüfen.

Bei den Vertretern der Verwaltung und des Kreisjugendamts traf der Vorschlag einer Erweiterung des Milter Kindergartens auf Skepsis. Ein Ausbau in Milte könne den rentablen Betrieb des Müssinger Kindergartens und damit das Gleichgewicht innerhalb des Sozialraums gefährden, gaben sie zu bedenken. Denn zur Sicherung des Bestands aller drei Kindergärten sei es notwendig, dass auch Kinder von einem Ortsteil in den anderen pendeln.

Das tun viele Milter Kinder schon seit einigen Jahren – zum Unwillen der Eltern. Es liege ihnen fern, den Sozialraum zerstören zu wollen, doch sie forderten eine kreative und flexible Lösung, die es auch ihren Kindern ermögliche, vor Ort einen Kindergarten zu besuchen, betonte Sascha Schmies.

Das konnten die Ausschussmitglieder durchaus nachvollziehen. Sie forderten deshalb, vor einer Entscheidung noch einmal Alternativen zu prüfen und erst dann abzustimmen. Wobei allerdings die Zeit drängt. Bis zum 30. August müsse ein kompletter Bauantrag beim Landesjugendamt vorliegen, ansonsten gebe es keine Förderung mehr, warnte Wolfgang Rüting vom Kreisjugendamt. So wird es wohl vor der Sommerpause noch eine weitere, außerplanmäßige Sitzung des Bezirksausschusses Einen-Müssingen / Milte zu diesem Thema geben müssen.

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