Storno 2014 auf Bühne des TaW Warendorf
Bild: Gabi Wild
Mit "Storno 2014" haben (v.l.) Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Harald Funke im Theater am Wall in Warendorf gastiert. Auch die AfD und ihr Vorsitzender Lucke waren Thema.
Bild: Gabi Wild

Im zehnten Jahr sind sie nun mit „Storno“ gemeinsam unterwegs, und obwohl sie in ihren ureigenen Rollen – Rüther, der Intellektuelle, Philipzen, der Wuselige, und Funke, der Komische – inzwischen wie gute alte Bekannte alle Jahre daherkommen, scheinen sie sich immer wieder neu zu erfinden. Selbst was sie in der Kontinuität ihrer Vorjahresprogramme frisch aufbrühen, ist nie kalter Kaffee, und spontane Reaktionen auf aktuelle Ereignisse gehören zu ihrer Masche, haben aber nie den Anschein, mit heißer Nadel gestrickt zu sein.

Mit faszinierendem Sprachwitz, urkomischer Mimik und vollem Körpereinsatz greifen sie auch diesmal die Themen des Jahres auf oder machen sie erst dazu. Ob Fußball-Weltmeisterschaft, die Konturlosigkeit des deutschen Politikbetriebs, die Steuersparmodelle der Großbanken oder die Umstrukturierung der Bundeswehr – sie gießen den Spott kübelweise aus.

Auf Putin und Erdogan haben sie sich diesmal eingeschossen, und auf den Klerus sowieso. Bei ihrer Version von einer katholischen Kirche im Jahr 2414, in der die Päpstin Kinder hat, Geschiedene und Schwule an den Tisch des Herrn zurückkommen dürfen, gerät selbst der trockene Rüther förmlich in Ekstase. Mit den eingestreuten Parodien eines Peter Scholl-Latour oder Udo Lindenberg zeigen die Protagonisten eine weitere Facette ihres Könnens.

Und wie immer gibt es am Ende eines Programms, bei dem die Gags Schlag auf Schlag kommen, ein „hochkulturelles“ Theaterspiel. Nachdem die Entscheidung zwischen Shakespeare und Rosamunde Pilcher zugunsten von „Macbeth“ gefallen ist, kommt es in einem flotten Dreier mit „Flinten-Uschi“ von der Leyen (mit Stahlhelm-Frisur), „Big-Mac“-Siegmar Gabriel und der unvermeidlichen Kanzlerin „Angie“ („Ein Hoch auf mich“) zum dramatischen Showdown.

Und wer sich bis dahin gefragt hatte, ob es den Stornisten wohl gelingen würde, den längst aus der aktiven Politik abgetretenen Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, lange Zeit ihre liebste Spottfigur, einzubinden, der hatte bei der Zugabe, als es um NSA und CIA ging, dann doch noch das sehnlich erwartete „Déjà vu“.

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