Straßen NRW zieht Krötensuche durch
 Bild: Wild
Ortstermin im Westbezirk: Projektleiter Bernhard Epmann (Straßen NRW) zusammen mit dem Biologen Benjamin Bernhardt (Büro Froelich & Sporbeck, Bochum), der sich mit einer Reuse  einem Biotop nähert. Empört zeigte sich der Gutachter, dass offenbar auf Anlass des Termin B64n-Gegner ausgerechnet dort, wo Amphibien vermutet werden, ein Protestschild in den Boden gerammt haben. 
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Das hat der Projektleiter des Planungsbetriebs Straßen NRW für die Ortsumgehungen Warendorf, Freckenhorst und Beelen sowie für den B 51-Ausbau Münster-Telgte, Bernhard Epmann, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Warendorfer Westbezirk unterstrichen. Die Bedenken der Mitglieder der B 64n-kritischen Bürgerinitiativen, die in der Corona-Krise die Gefahr sehen, dass sowohl die von Grundstück zu Grundstück laufenden Gutachter als auch die Hofbewohner verstärkter Ansteckungsgefahr ausgesetzt seien, wies er zurück.

Protest-Schilderwald am Schüttenteich

Von dem am Mittwoch für Donnerstagmorgen kurzfristig anberaumten Pressetermin hatte Straßen NRW auch die Sprecher der Grundeigentümerinitiative informiert. Und die nutzten am Vorabend die Chance, das als Treffpunkt im Westbezirk ausgewählte Gelände am sogenannten Schüttenteich mit Protestschildern zuzupflastern, weidlich aus – zum Missfallen nicht nur des Biologen Benjamin Bernhardt, der Projektleiter der „faunischen Kartierung“ durch das Büro Froelich & Sporbeck (Bochum) ist.

Es sei nicht auszuschließen, dass die Protestler, die ihre Schilder sogar in den Randbereichen des Tümpels in den Boden gerammt haben und dafür quer durch das Biotop getrampelt sein müssen, sogar lebendige Spuren vernichtet haben, die auf die Population schützenswerter Amphibien in diesem Bereich hinweisen.

Krötentunnel schon jetzt obligatorisch

Dabei könnte Bernhardt dort Vorkommen finden, die den geplanten Straßenbau im Sinne des Artenschutzes und womöglich sogar auch der B 64n-Kritiker beeinflussen könnten. Wenn auch der Nachweis bestandsgefährdeter Frösche und Kröten den Straßenbau nicht komplett verhindern dürften, so könnte es doch erhebliche Auflagen geben. Schon jetzt ist absehbar, dass zahlreiche „Krötentunnel“ als sichere Alternative zum Überqueren der gefährlichen Kraftfahrstraße in den Plan aufgenommen werden müssen.

Übrigens kann der Gutachter sogar schon am Quaken unterscheiden, ob ein Frosch, genetisch gesehen, von der Natur her dort lebt oder (womöglich von Straßenbaugegnern) aus eigener Zucht ausgesetzt worden ist.

Sorge um Gesundheit hat Biologe nicht

Die Sorge der protestierenden Grundeigentümer jedenfalls um seine Gesundheit versteht Biologe Benjamin Bernhardt nicht. Er gibt auf „Glocke“-Nachfrage an, in den besonders kritischen vergangenen zwei Wochen zu Hofbewohnern keine Kontakte gehabt zu haben, die ein erhöhtes Infektionsrisiko vermuten ließen. Sein Job ist überhaupt einer der einsamsten in diesen Tagen, der nahezu ohne Menschenkontakt reibungslos funktionieren kann. Er ist zumeist mutterseelenallein in der Landschaft, wenn man mal von Amphibien absieht.

Gleichwohl, betonen Straßen-NRW-Projektleiter Bernhard Epmann und Pressesprecherin Sandra Beermann gestern unisono beim Ortstermin, habe der „Krisenstab“ des auftraggebenden Landesbetriebs sich ernsthaft mit möglichen Risiken befasst und sei zu dem Ergebnis gekommen: Es gibt keine, die nicht verantwortbar wären. So sieht es jedenfalls Epmann, der deutlich macht, dass aktuell aus rein profilaktischer Vorsicht alle Untersuchungen direkt auf den bewohnten Grundstücken ausgesetzt seien. Die Suche nach Amphibien in der freien Landschaft könne aber ohne Einschränkung weitergehen.

Auftrag stornieren ist keine Alternative

Das sei nicht zuletzt vor dem Hintergrund der mit den Corona-Auflagen einhergehenden wirtschaftlichen Krise auch geradezu gegeben, sagt Sandra-Maria Beermann: „Wenn wir jetzt auch noch solche öffentlichen Aufträge ohne Notwenigkeit absagen oder aussetzen, wäre das kontraproduktiv angesichts der enormen Anstrengungen der öffentlichen Hand, die Wirtschaft so gut es geht am Laufen zu halten“.

Laut Epmann dient die aktuelle Recherche zur Aktualisierung der bereits 2008 und 2009 erhobenen Daten zur ´Tierpopulation. Weitere Kartierungen, so der Reptilien- und Vogelvorkommen, würden folgen. Mit dem Zählen und Katalogisieren von Amphibien hatte Bernhardt Anfang März angefangen. Im Juni will er durch sein.

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