Traum vom Westfalen-Airport zerplatzt
Auf dem Plan hat er vor 50 Jahren schon existiert, der Großflughafen Westfalen zwischen Albersloh, Sendenhorst, Drensteinfurt und Hoetmar.

„Damals sollte der Großflughafen Westfalen zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt gebaut werden“, erinnert sich Hoetmars langjähriger Ratsherr Ewald Drees: „Ein Ahlener Investor hat die Hochhäuser für Flughafenmitarbeiter gebaut.“

30 Millionen Fluggäste waren einkalkuliert 

Ein Schnellschuss, wie sich zeigen sollte. Eine Woche nachdem die Landesregierung am 13. März 1970 den Bau des dritten internationalen Airports in Nordrhein-Westfalen neben Köln-Bonn und Düsseldorf für die Sendenhorster Bauerschaft Alst angekündigt hatte, enthüllte ein neuer Generalverkehrsplan Details: So wurden der Flächenbedarf auf 2000 Hektar sowie die Baukosten bis zum Endausbau und ohne Grunderwerbskosten auf 1,1 Milliarden D-Mark beziffert. Ziel war es, das Münsterland und das nördliche Ruhrgebiet infrastrukturell zu stärken.

Nach Sachverständigengutachten sollten der erste und zweite Bauabschnitt zusammengelegt werden und zwei 4000 Meter lange Start- und Landebahnen, Rollbahnen von sieben Kilometer, Abfertigungseinheiten für den Fluggast- und Frachtbereich, eine Werkstatt, ein Verwaltungs- und Hotelgebäude sowie ein Kontrollturm entstehen. Kostenpunkt: 210 Millionen D-Mark.

Drittgrößter Airport Deutschlands

Der neue internationale Flughafen Westfalen sollte spätestens 1980 eröffnen und jährlich 30 Millionen Fluggäste haben, das entspricht 80 Starts oder Landungen pro Stunde – Tag und Nacht – sowie zwei Millionen Tonnen Fracht pro Jahr umschlagen. In weiteren Ausbaustufen sollten drei weitere 2500 Meter lange Start- und Landebahnen, davon eine Querwindbahn, entstehen. Damit hätte sich die Fluggastkapazität auf 40 Millionen Fluggäste erhöht.

Gemessen an den Passagierzahlen hätte der Kreis Warendorf heute nach Frankfurt (2019: 70 Millionen Fluggäste) und München (48 Millionen) den drittgrößten Flughafen der Republik gehabt. Hingegen vermeldete der Flughafen Düsseldorf als momentane Nummer drei für 2019 „nur“ 25,5 Millionen Fluggäste.

Im Dorf gab es zahlreiche Gegner

„Viele Hoetmarer hatten natürlich Angst vor dem Fluglärm“, erinnert sich Willi Tertilt. Zumindest für die Querwindbahn wäre das Golddorf zur direkten Einflugschneise geworden. Tertilt ging damals in Hamburg zur Schule, wo selbst sein Schulleiter von den Plänen aus Westfalen gehört hatte.

Im Dorf habe es aber nicht nur Flughafengegner gegeben. So hätten viele Mitbürger auf einen Aufschwung und neue Arbeitsplätze gehofft. Die Stimmung war also geteilt, wie der Heimatverein Sendenhorst in seinen „Sendenhorster Geschichten“ zu berichten weiß.

Folgen bis heute zu spüren

Das Großprojekt scheiterte letztlich am Veto der damaligen britischen Besatzungsmacht, weil durch das Münsterland zahlreiche Tiefflugschneisen für die unter anderem in Gütersloh stationierte Royal Air Force und für Nato-Jets verliefen.

In diesen Häusern an der Ahlener Straße sollten die Airport-Mitarbeiter wohnen.

Eine Umlegung des komplizierten Systems scheiterte, obwohl NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn einen engen Dialog mit Bundeskanzler Willi Brandt suchte. Nach einem Zwischenbescheid Ende September 1972 begrub die Landesregierung am 17. Januar 1973 endgültig den Traum vom internationalen Airport Westfalen.

Die Folgen aber sind bis heute zu spüren. „Zwischen 1968 und 1972 wurden nahezu sämtliche Straßenbauprojekte im Münsterland verschoben, da man auf eine überregionale Anbindung hoffte“, weiß Martin Schäpermeier. Der langjährige Vorsitzende der CDU-Ortsunion Warendorf ist überzeugt, dass „unsere Region heute infrastrukturell deutlich besser angeschlossen wäre“, hätte es keinen Planungsstopp gegeben.

Flughafen wäre eine Art Trostpflaster gewesen

Unter anderem wäre die B 64n wahrscheinlich längst Realität. Ebenso würde es heute keine Diskussionen über die Wiederbelebung der Westfälischen-Landeseisenbahn geben, sollte doch auf deren Trasse eine Schnellverbindung ab Münster zum Flughafen entstehen. Zudem gab es Überlegungen, Münster an das S-Bahn-Netz „Rhein-Ruhr“ anzuschließen.

Die Idee vom Flughafen Westfalen, der zwischen 1969 und 1973 als Lieblingsprojekt aller Parteien galt, entstand übrigens aus einer ähnlich abstrusen Geschichte: Er sollte als Trostpflaster für den geplatzten Bau eines europäischen Protonenbeschleunigers in der gleichen Gegend dienen. Der Teilchenbeschleuniger wurde erst 1989 in Genf, wo sich der Hauptsitz der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) befindet, gebaut.

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