Ukrainer zu Gast bei Musikertagung
Bild: J. Kleigrewe
Trotz der schwierigen Lage in der Ukraine durch die Musik vereint: (v. l.) Birgit Kramarcyk (Organisatorin der Musikertagung in der Freckenhorster LVHS), Alexander Kuslin, Galina Kuslina, Elisabeth Hollstegge, Wolga Sheyko und Heidrun Stirtzke.
Bild: J. Kleigrewe

Mit Alexander Kuslin, Galina Kuslina und Wolga Sheyko waren bei der am Sonntag beendeten Tagung gleich drei Teilnehmer aus der Ukraine zu Gast, die direkt im Konfliktgebiet, nämlich in der Großstadt Donezk wohnen. Doch diese Tatsache spielte während der Tagung eigentlich keine Rolle, denn die Partnerschaft besteht schon lange und sollte nicht durch die aktuelle Situation belastet werden.

Die Idee, auch Musiker aus der Ukraine in die Freckenhorster LVHS einzuladen, kam Birgit Kramarcyk, die den Austausch organisiert, bereits kurz nach dem Fall der Mauer im Jahr 1990. Über einen Freund bekam sie Kontakt in die Ukraine und lud einige Musiker ein. Dies sollte der Beginn einer langen und tiefen Freundschaft werden, denn seitdem kommen fast jedes Jahr einige Teilnehmer aus dem osteuropäischen Staat zur Musikertagung. Und die Beziehungen gehen noch weiter: „Wir waren auch schon drei Mal zu Gegenbesuchen in Donezk und haben sogar schon gemeinsam Urlaub gemacht“, erklärte Kramarcyk mit einem Lächeln.

In diesem Jahr allerdings drohte der Konflikt zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee einen Austausch zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Aber sowohl auf deutscher als auch auf ukrainischer Seite war man fest entschlossen, auch dieses Mal zueinander zu finden und allen möglichen Schwierigkeiten zu trotzen. Doch die Befürchtungen waren unnötig, denn obwohl im Osten der Ukraine Krieg herrscht, kamen die drei Reisenden ohne große Probleme aus Donezk heraus und zum Flughafen. Lediglich die deutsche Bürokratie brauchte etwas länger als sonst und sorgte für einige Verzögerungen.

Schon bevor die Ukrainer ihre Reise antraten, hielten ihre deutschen Musikerfreunde intensiven Kontakt, erkundigten sich immer wieder nach der Lage und möglichen Problemen. „Die Mails und Anrufe waren eine große Hilfe“, betont Alexander Kuslin. „Wenn man weiß, dass da Menschen auf einen warten, ist das eine sehr große Unterstützung“. Beim Aufenthalt in Freckenhorst war er vor allem froh, unter Freunden zu sein und das Geschehen in der Heimat für einige Zeit ausklammern zu können.

Wer den Konflikt in der Ukraine aus welchen Gründen angefangen hat, sei für ihn und seine Frau – genauso wie für viele seiner Landsleute – nicht entscheidend, so Alexander Kuslin. Das Wichtigste sei ihnen, dass er möglichst schnell wieder beendet werde und Normalität einziehe. Und um Normalität bemühen sich die Menschen in Donezk schon während der gesamten Kampfhandlungen. Alexander Kuslin und seine Frau Galina leiten das Musikkolleg dort und gaben auch weiter Konzerte, als es längst Kämpfe gab. „Die Konzerte waren immer voll, die Leute brauchen das einfach“, erklärt Kuslin. Deshalb gab es auch im Theater in Donezk den ganzen Sommer über Aufführungen – zwar nicht so oft wie zu normalen Spielzeiten, aber auch diese waren immer gut besucht.

Wolga Sheyko, die dritte ukrainische Musikerin, die die Tagung in Freckenhorst besuchte, musste allerdings kurz nach dem Ausbruch der Konflikte Donezk verlassen. Aufgrund ihres politischen Engagements wurde ihr die Lage zu gefährlich und sie packte eines Tages, direkt, nachdem sie von der Arbeit gekommen war, einen Koffer und fuhr nach Kiew. „Zuerst dachte ich, dass ich zwei oder drei Wochen bleiben muss, nach zwei Monaten wurde mir klar, dass der Konflikt noch viel länger dauern wird“, erzählt sie. Nach der Rückkehr aus Freckenhorst müsse sie sich ein komplett neues Leben in Kiew aufbauen, blickt sie in die Zukunft und hofft zusammen mit Alexander Kuslin und Galina Kuslina auf einen baldigen Frieden.

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