Versuchsballon schwebt durchs Kino
Bild: Bussieweke
Zum zweiten Teil der „Französischen Filmreihe“ im Warendorfer „Scala“-Filmtheater, bei dem der Film „Monsieur Claude und seine Töchter 2“ gezeigt wird, laden VHS-Leiter Rolf Zurbrüggen (l.) und Dr. Dietmar Kantrowitsch, Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft Warendorf, ein.
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„Für den Moment ist das ein Versuchsballon“, erklärt Rolf Zurbrüggen, der Leiter der VHS und gleichzeitig zweiter Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft ist. „Aber wir können uns gut vorstellen, pro VHS-Semester eine Reihe mit französischen Filmen anzubieten.

Die könnten jeweils thematisch zusammenpassen: Der gleiche Regisseur oder ähnliche Schauspieler könnten eine Verbindung sein“, sagt er.

In aktueller Reihe stehen humorvolle Filme im Vordergrund

Hintergrund

Bis zum Élysée-Vertrag 1963 dauerte die deutsch-französische Erbfeindschaft an – übrigens das gleiche Jahr, in dem sich die Deutsch-Französische Gesellschaft Warendorf gründete. Die Erbfeindschaft war ein Konflikt zwischen beiden Ländern, bei dem es unter anderem um die Zugehörigkeit von Ländereien ging. Wie bei Elsass-Lothringen, ein Gebiet, das lange Zeit Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland war. Seitdem hat sich viel getan in den deutsch-französischen Beziehungen. Beide Länder seien enger zusammengewachsen, sagt Rolf Zurbrüggen. „Ich fahr’ voll auf Frankreich ab. Aber man muss auch die Kritikpunkte sehen“, ergänzt er. Wie die eingeschworene Gemeinschaft der Franzosen, die kaum Raum für Menschen von außerhalb lässt. Und wie das Bildungssystem, das die Durchlässigkeit zwischen den Gesellschaftsschichten verschlechtert. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen sei trotzdem hervorragend, müsse aber gehegt und gepflegt werden. Das sei wie im Privatbereich. Freunde, die man nicht anrufe, seien auch irgendwann unzufrieden. Zurbrüggen: „Il ne faut pas laisser croitre l’herbe sur le chemin de l’amitié – Auf dem Weg der Freundschaft soll man kein Gras wachsen lassen.“

Im Kopf hat er dabei etwa die Schauspielerin Romy Schneider. Die Deutsch-Französin spielte unter anderem im Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ von 1982 mit. In der aktuellen Reihe stehen humorvolle Filme im Vordergrund. Und auch ein weiteres Merkmal eint die Produktionen. „‚Monsieur Claude und seine Töchter 2‘ sowie der für Ende November angesetzte Film ‚Ziemlich beste Freunde‘ beschäftigen sich mit Integration.

Ein Thema, mit dem Frankreich durchaus seine Schwierigkeiten hat“, sagt Zurbrüggen. Ethnische Minderheiten hätten nach wie vor große Probleme damit, anerkannt und respektiert zu werden. Außerdem besäßen viele Franzosen mangelhafte oder gar keine Englisch-Kenntnisse und blieben am Liebsten unter sich, unter Gleichsprachigen – ein Stück weit eine Form mangelnder Integrationswilligkeit, resümiert Zurbrüggen.

Wer Französisch kann, wird mit offenen Armen empfangen

„Wer aber zumindest französische Sprachbrocken beherrscht, der wird mit offenen Armen, wie ein alter Freund, empfangen“, weiß Dr. Dietmar Kantrowitsch, Präsident der Deutsch-Französischen Gesellschaft Warendorf.

Wichtig sei für ihn auch, eine Vergleichbarkeit zwischen deutscher und französischer Kultur herzustellen. „Gerade, weil beide Länder so unterschiedlich sind“, sagt er. Wie schon der erste Teil der Reihe – „Die Sch’tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen“ –, der im September gezeigt wurde, habe den kulturellen Unterschied gut dargestellt.

Kantrowitsch: „‘Scala‘ ist außergewöhnlich gemütlich“

Und warum ist die Wahl auf das „Scala“ gefallen? „Das Kino ist außergewöhnlich gemütlich“, findet Kantrowitsch. Außerdem schätze er die Offenheit, mit der Betreiber Johannes Austermann neuen Projekten begegne.

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