Verworrenes Verfahren wird eingestellt

„Das ist hier kein Kindergarten“, wies die Vorsitzende Richterin den Angeklagten gleich zu Beginn der Verhandlung zurecht. „Hören Sie auf zu lachen. Wir befinden uns immer noch in einem Strafverfahren.“ Und tatsächlich verstummte der junge Mann aus Osnabrück für die Dauer des Verfahrens.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfenen, einen Warendorfer Geschäftsmann erpresst und von diesem für die Herausgabe von gestohlenen sensiblen Kundendaten 10 000 Euro gefordert zu haben („Die Glocke“ berichtete). Weil sich der Warendorfer jedoch widersprüchlich vor Gericht geäußert und auch der Angeklagte keine weiterführenden Angaben machen konnte, wurden weitere Zeugen geladen. Unter anderem der Polizeibeamte, der die Strafanzeige des Geschäftsmanns aufgenommen hatte.  Der war von seinem mutmaßlichen Erpresser aufgefordert worden, 10 000 Euro auf ein Konto zu überweisen, wenn er die sensiblen Kundendaten zurückhaben wollte. Zwei Gespräche habe der Polizist mit angehört, der Warendorfer Geschäftsmann habe an seinem Handy den Lautsprecher eingeschaltet gehabt. „Er machte einen glaubwürdigen Eindruck“, schilderte der Beamte die Situation. Er habe keinen Zweifel daran gehabt, dass sich der Sachverhalt anders zugetragen haben könnte.

Ein anderes Bild des mutmaßlichen Opfers schilderte ein weiterer Zeuge, ein ehemaliger Konkurrent des Warendorfers. „Der hat die merkwürdige Angewohnheit, alle sensiblen Daten auf USB-Sticks zu speichern und dann herumliegen zu lassen“, plauderte der Zeuge vor Gericht aus dem Nähkästchen. Unter anderem habe das mutmaßliche Opfer einen Stick in dem Wagen des Konkurrenten aus Sassenberg liegen gelassen. Den habe der Warendorfer aber zurückbekommen. Eine Erpressung habe es nicht gegeben, versicherte er.

„Ich glaube hier niemanden auch nur ein Wort, auch nicht den Zeugen“, erklärte die Vorsitzende Richterin. Und weil nicht lückenlos nachgewiesen werden konnte, dass es tatsächlich eine Erpressung gegeben hat, wurde das Verfahren aufgrund von Geringfügigkeit eingestellt.

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