Viel Kommunikation im Josephs-Hospital
Möchten das Josephs-Hospital im Sinne des Stifters Franz-Joseph Zumloh (Gemälde) voranbringen: (v. l.) Oliver Lohmann (stellvertretender Vorstandsvorsitzender), Doris Kaiser (stellvertretende Kuratorin), Rainer Budde (Kurator) und Peter Goerdeler (Vorstandsvorsitzender).

„Der Stifterwille schließt auch Transparenz ein“, sagte am Freitag der Kuratoriumsvorsitzende Rainer Budde bei einem Pressegespräch. Das Gremium treffe sich zehnmal pro Jahr zu Tagungen; hinzu kämen Sondersitzungen, etwa wenn Personalentscheidungen getroffen werden müssten. Alle 14 Tage kommen Budde und seine Stellvertreterin Doris Kaiser mit dem Vorstand zusammen, um sich auszutauschen. „Fast täglich gibt es zudem Telefonate oder persönliche Besuche“, erläuterte Budde. Der stete Austausch bringe das Krankenhaus nach vorne: „Man verrennt sich nicht, denn man merkt, dass man Dinge auch anders sehen kann.“

Doris Kaiser erinnerte daran, dass vor drei Jahren erstmals Frauen in das Kuratorium berufen worden seien. Das belebe die Zusammenarbeit sehr. „Als wir unsere Ämter angetreten sind, haben wir festgestellt, dass es wahnsinnig viel war, das wir auffangen mussten.“ Das neue Kuratorium habe eine „große Verunsicherung in der Mitarbeiterschaft“ wahrgenommen. „Das hat uns betroffen gemacht.“ Zweimal im Jahr besuchten Rainer Budde und sie alle Chefärzte. Aus diesen Gesprächen könnten die Kuratoren vieles mitnehmen und in den Austausch mit dem Vorstand einbringen. „Wir haben hoffentlich den Mitarbeitern das Gefühl geben können, dass wir bei und neben ihnen stehen und mit ihnen das Haus nach vorn bringen wollen.“ S

owohl die beiden Kuratoren als auch der Vorstandsvorsitzende Peter Goerdeler erklärten, dass man sich bei den Gesprächen nicht immer einig sei. Doch man diskutiere die Fragen und finde letztendlich einen Konsens. Goerdeler sagte, er habe die „relativ vielen Kuratoriumssitzungen“ schätzen gelernt. Denn dadurch könnten Veränderungen schneller vonstattengehen. „Das ist gut fürs Unternehmen.“

Das Ziel sei, die Eigenständigkeit des Krankenhauses zu bewahren, sagten Budde und Kaiser. Kooperationen mit anderen Häusern – oder mit einem bestimmten Haus – seien jedoch erwünscht. Das Kuratorium ist noch ein weiteres Jahr im Amt. Sowohl Budde als auch Kaiser würden danach weitermachen.

Risikomanagement soll Fehler vermeiden

Zahlreiche Neuerungen hat es in den vergangenen drei Jahren am Josephs-Hospital gegeben. Grundlage dafür ist ein Strategie- und Businessplan. Vorstandsvorsitzender Peter Goerdeler stellte die Veränderungen und Weiterentwicklungen vor:

Leistungsangebot: Ziel war und ist, die Kernkompetenzen der Fachabteilungen herauszuarbeiten und zu schärfen. Dazu zählen etwa die Herzinfarkt-Behandlung in der Kardiologie, die Krebstherapie im Darmzentrum und die Inkontinenz-Behandlung in der Gynäkologie. Drei neue Chefärzte sind eingestellt worden, darunter mit Dr. Tim Kleffner erstmals einer für die Zentrale Notaufnahme. Auch die Pflegedirektion ist neu besetzt. Zu neuen Leistungsfeldern gehören die stationäre Schmerztherapie, die Palliativmedizin, die Plastische Chirurgie, die Adipositas-Chirurgie und die ultraschallgestützte Myomtherapie in der Gynäkologie.

Qualitäts- und Risikomanagement: Das Josephs-Hospital strebt die Zertifizierung verschiedener Angebote an. Medizinisch zertifiziert sind das Darmzentrum, das Kompetenzzentrum Hernien und das Beckenbodenzentrum in der Gynäkologie. Im November soll das Endoprothesenzentrum in der Unfallchirurgie hinzukommen. Ein Risikomanagement ist eingeführt worden. Dafür wurden allgemeine Risiken in deutschen Krankenhäusern erarbeitet und nach Eintrittswahrscheinlichkeit sowie Schadenshöhe (für den Patienten) kategorisiert. Unter anderem wird als Folge nun eine Stations-Apothekerin eingestellt, da ein Risiko ist, dass Medikamente vertauscht werden.

Josephs-Hospital als Arbeitgeber: Seit 2014 sind 30 neue Arbeitsplätze entstanden, eine Steigerung um fast zehn Prozent. Insgesamt arbeiten 500 Beschäftigte auf 360 Vollzeitstellen. Ärzte und Pfleger sollen entlastet werden – dafür wurden unter anderem ein Patienten-Hol- und Bringdienst, Stationssekretariate und Blutabnahmedienste eingerichtet. Dennoch ist die Personaldecke dünn.

Infrastruktur: Die im April 2016 eingerichtete Komfortstation ist laut Goerdeler sehr gut ausgelastet. Mehrere sechsstellige Summen habe man in Medizintechnik investiert, Auch für die IT griff das Krankenhaus tief in die Tasche.

Wirtschaftlichkeit: Seit 2015 sind sowohl die Zahl der Patienten (von zirka 11 000 auf 12 700) als auch der Umsatz um etwa 15 Prozent gestiegen. „Das ist eine erhebliche Steigerung“, sagte Goerdeler. Ein „großer Wermutstropfen“ sei jedoch das Finanzierungssystem, da das Krankenhaus einen Teil der Mehreinnahmen an die Krankenkassen zurückgeben müsse.

SOCIAL BOOKMARKS