WM-Orakel Hugo sagt spätes 1:0 voraus
Bild: Austrup
Der entscheidende Moment. Um 17.34 Uhr und 50 Sekunden verließ „Hugo“ seinen Beobachterposten hinter dem Kaktus und sprintete in die rechte Spielhälfte: Eins zu Null für Deutschland.
Bild: Austrup

Mit Steinen werfen würde „Hugo“ nie. Schließlich sitzt er ständig im Glashaus. Fußballspiele vorherzusagen sind hingegen genau sein Ding. Hat die Rotknie-Vogelspinne doch, Traum jedes Profi-Kickers, acht Beine. Auch das Deutschlandspiel am Samstag hat „Hugo“ schon durchgespielt. Da langfristige Prognosen nicht sein Ding sind, wurde die Versuchsanordnung kurzfristig am Freitagnachmittag aufgebaut.

Genau hat „Hugo“ zunächst beobachtet, wie sein Terrarium in einem Sassenberger Einfamilienhaus in ein Fußballfeld verwandelt wurde. Links die Fahne Ghanas, rechts schwarz-rot-gold. In der Mitte, hinter dem Kaktus, neutrale Zone. Genau da nahm Hugo um 16 Uhr (Anstoß-Ortszeit in Brasilien) Aufstellung. Die Spielregeln waren dem Orakel zuvor vom Schiedsrichter bekanntgegeben worden. Jedes Mal, wenn er die neutrale Zone verlassen und eine der beiden Spielhälften aufsuchen würde, sollte für das heimgesuchte Team ein Tor verbucht werden.

So weit, so klar. Doch in der ersten Halbzeit wollte sich die Spinne partout nicht vom Fleck bewegen. Dabei kommen ihr, anders als Jogis Jungs, die schwül-warmen Temperaturen im feucht-heißen Nordosten Brasiliens eigentlich entgegen. Gerecht verteilt waren die Hälften allemal. In der deutschen Ecke lockte die kuschelige Höhle, in die sich „Hugo“ gern zurückzieht, wenn es um ihn herum im Partykeller hektisch wird. In „Ghana“ wiederum befand sich der stets gut gefüllte Wassertrog; ein oft und gern besuchtes Ausflugsziel.

Doch auch nach der Halbzeitpause bewegte sich das Orakel zunächst nicht. Um 17.34 Uhr wurde erwogen, die Partie wegen Inaktivität zu unterbrechen, da geschah es. „Hugo“ wurde flott. So flott wie nur selten. In der 79. Minute sprintete er regelrecht in die deutsche Hälfte und – blieb dort bis 17.45 Uhr stehen. Szenen, die eine Nachspielzeit gerechtfertigt hätten, gab es nicht. Abpfiff.

Womit der Fall klar sein dürfte. „Hugo“ sagt voraus, dass es in der ersten Halbzeit kaum nennenswerte Aktionen auf dem Spielfeld geben wird. Eigentlich braucht sich das niemand anzuschauen. Die Teams werden sich geschlagene 79 Minuten lang beschnuppern. Dann aber sollten die Fernseher eingeschaltet sein. Denn das entscheidende und erlösende Tor fällt zwar spät, aber es wird ein echter Kracher.

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