Warendorfer Ärztin radelt für Ghana
Bild: Wild
Dr. Marta Binder, Botschafterin von Opportunity international Deutschland aus Warendorf, startet am 31. Juli wieder zu ihrer Spendenradtour durch Deutschland
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Bereits im vorigen Jahr war sie bei einer Spendentour genau 954,4 Kilometer gefahren und hatte gut 11 000 Euro Spenden gesammelt. Sie tut das für die Kinder in Ghana, weil dort mit relativ wenig Geld viel für die Bildung der Menschen erreicht werden kann. Sie tut es aber auch für ihren Sohn Jan, der vor drei Jahren bei einer Journalistenreise im Alter von nur 31 Jahren in Afrika ums Leben gekommen ist.

Erinnerung an Jan Binder

Jan Binder, der im Jahr 2000 am Gymnasium Laurentianum Abitur gemacht hatte, war Pressesprecher der Hilfsorganisation „Opportunity international“, deren deutsche Sektion in Köln sitzt. Es war für ihn Beruf, aber auch Berufung, Menschen in ärmeren Ländern der Welt zu helfen. Als Dr. Marta Binder, die als Ärztin auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik Münster gearbeitet hatte, in Ruhestand ging, wurde sie Botschafterin von „Opportunity“, um die Mission ihres verstorbenen Sohns fortzusetzen.

Dazu gehört auch ihre jährliche Spendentour mit dem Fahrrad. Am 31. Juli geht es in Warendorf los, und 18 Tage lang wird sie quer durch Deutschland fahren, um Kilometergeld zu erradeln und Einzelspenden persönlich abzuholen. Erste Termine hat sie in Herford, Halle und Bielefeld. Die Spendenzusagen hat sie vorher eingeworben, sie ist aber dankbar für jeden, der sich noch zusätzlich meldet. Ein Spender, der anonym bleiben will, zahlt vier Euro für jeden geradelten Kilometer, eine Familie aus Bielefeld 50 Cent. Größere Einzelbeträge stellen ihr zumeist Banken in Aussicht. Aus dem heimischen Bereich aber hat sich bislang nur die Volksbank Beckum gemeldet.

Dabei können auch kleinere Beträge Großes in Bewegung setzen, weiß Binder aus ihren Besuchen in Ghana. Ihre Enkelin Roja hat das begriffen. Sie spendet einen Cent pro Kilometer. „Das ist viel für ein Kind, das einen Euro Taschengeld bekommt“, sagt Dr. Marta Binder, und ist stolz auf die Achtjährige – so wie auf deren verstorbenen Vater Jan.

Kleinkredite für Privat-Schulen

Das Geld stellt „Opportunity“ über Partner-Banken in Ghana als Kleinkredite für Privatinitiativen zur Verfügung, die Schulen gründen und unterhalten. Von den 400 „Microschools“ in dem Land sind 250 mit Hilfe der Kölner Organisation entstanden. Laut Binder ist für weitere 400 der Bedarf da. Trotz allgemeiner Schulpflicht soll es rund 1,2 Millionen Kinder in Ghana geben, die nicht oder nur sporadisch die Schule besuchen können. Insbesondere Mädchen werden lieber in die Mikro-Schulen geschickt als in die staatlichen, in denen nur ein Lehrer für 70 Kinder zuständig ist. Privatschulen gelten als „geschützter Raum“, es gibt dort im Verhältnis mehr Lehrer für die bis zu 350 Kinder im Alter ab vier Jahren, die Ganztagsunterricht und regelmäßig Essen erhalten. Und weil Bildung der beste Weg aus der Armut ist, seien die Eltern auch bereit, das (geringe) Schulgeld für die privaten Träger aufzubringen, sagt Dr. Marta Binder.

Die Warendorferin hat nahe des Küstenorts Accra selbst schon solche Schulen aufgesucht, die in einfachsten Gebäuden untergebracht sind, aber funktionieren. Als Anreiz für die Schulen, auf Sauberkeit und Umweltschutz zu achten, hat die Ärztin den „Jan-Binder-Award“ ausgelobt.

Im Oktober „Bildungsrallye für Ghana“

Im Oktober wird Dr. Marta Binder wieder den schwarzen Kontinent bereisen. Sie nimmt an der  „Bildungsrallye für Ghana“ teil. Dann fährt sie aber nicht mit ihrem Fahrrad, sondern 3500 Kilometer von  Dakar (Senegal) über Mali und Burkina Faso nach Kumasi in Ghana in einem Rallye-Pickup vom Typ Amarok. VW-Nutzfahrzeuge stellt „Opportunity“ mehr als ein Dutzend Boliden, die schon bei der Rallye Dakar im Einsatz waren, zur Verfügung. Am Zielort werden die Offroad-Autos dann meistbietend verkauft. Auch dieses Geld kommt Opportunity für Microschool-Projekte zu.

Wer die Spenden-Fahrradtour von Dr. Marta Binder aus Warendorf unterstützen will, kann sich über Opportunity international in Köln an sie wenden. Über deren Homepage gibt es auch Informationen über die Teilnahmebedingungen für die „Bildungsrallye für Ghana“ vom 1. bis 14. Oktober.

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