Weiterführung des AWG ist das Ziel
Bild: Edelkötter
Mit Buttons Flagge zeigen: Schüler, Lehrer, Eltern und Ehemalige treten für den Erhalt des AWG ein.
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Aufgrund eines Erlasses des NRW-Schulministeriums ist zunächst einmal die Sekundarstufe I des Warendorfer Aufbaugymnasiums akut gefährdet. Denn: Für den Fortbestand eines Gymnasiums schreibt das Schulgesetz zwingend eine durchgehende Zweizügigkeit (mindestens 50 Schüler pro Jahrgang) vor. Mit 28 Anmeldungen für das Schuljahr 2015 / 16 ist das AWG von dieser Marke weit entfernt. Das ist allerdings in den vergangenen 30 Jahren nie anders gewesen. Beigeordneter Dr. Martin Thormann, in der Stadtverwaltung für Schulfragen zuständig, hat in den Akten Hinweise darauf gefunden, dass es eine ähnliche Diskussion bereits zum Schuljahr 1987 / 88 gegeben haben. Sie sei damals aber im Sande verlaufen.

In einem ersten Schritt zur Rettung des AWG haben sich die Fraktionen im Rat der Stadt Warendorf und die Verwaltung darauf verständigt, bei der Bezirksregierung Münster, dem verlängerten Arm des Schulministeriums in Düsseldorf, die Einrichtung der Jahrgangsstufe 7 im Sommer dieses Jahres trotz fehlender Rechtsgrundlage erwirken zu wollen. Ein entsprechendes Antragsschreiben der Verwaltung ist im Rahmen der Sitzung erörtert sowie in Nuancen überarbeitet worden und dürfte inzwischen auf dem Postweg in die Domstadt sein. Kernaussage: Das Vertrauen der Eltern, die ihr Kind am AWG angemeldet haben, sei schützenswert. Die Chancen, dass die Bezirksregierung dem Ansinnen der Stadt entsprechen wird, wurden in der Sitzung des Schulausschusses als „gut“ bezeichnet. „Die Bildung einer Eingangsklasse zum Schuljahr 2015 / 16 zu untersagen, wäre unverhältnismäßig“, heißt es in dem verabschiedeten Papier. Besondere Umstände für die Fortführung der Schule mit nur einer Eingangsklasse seien gegeben. Eine Untersagung würde seitens der Stadt als Verstoß gegen das Rechtsstaatsprinzip angesehen und sei in letzter Konsequenz sogar verfassungswidrig, heißt es in dem Schreiben an die Bezirksregierung weiter. Die Mitglieder des Schulausschusses votierten einstimmig für das Versenden des Papiers.

Mit dem Schreiben an die Bezirksregierung sind langfristige Perspektiven für das Augustin-Wibbelt-Gymnasium (noch) nicht geschaffen worden. Andrea Blacha (CDU) und Günter Belt (FDP) befürchten, dass es diese möglicherweise gar nicht geben wird. Dem Vorschlag der Stadtverwaltung, sich beim Schulministerium dafür einzusetzen, die Schule als reines Oberstufengymnasium fortzuführen, erteilten sie eine Absage. Sie fordern den Erhalt der Schule – ab Klasse sieben. Und im Idealfall gesetzeskonform, nämlich zweizügig. Andrea Blacha wies darauf hin, dass das Schulgesetz in NRW ein reines Oberstufengymnasium gar nicht vorsehe und die Variante ebenso wenig genehmigungsfähig sei wie die einzügige Eingangsklasse. Außerdem prophezeite sie einer solchen Oberstufe sinkende Schülerzahlen, da die Schule ohne Sekundarstufe I keine eigenen Schüler mehr heranziehen würde. Anders als von Haupt- und Realschulen werde es künftig auch keine Schüler mehr geben, die von der Gesamtschule ans AWG wechselten. Mit rückläufigen Schülerzahlen, so Blacha, gehe ein Qualitätsverlust einher, da viele Angebote – Fächervielfalt, Projekte, Austauschprogramme – nicht mehr unterbreitet werden könnten. „Die Schule verliert für Eltern und Schüler an Attraktivität“, so die Sprecherin der CDU-Fraktion.

Sachlich nüchtern sieht Beigeordneter Dr. Martin Thormann die Lage: „Die Schule hat in den vergangenen 30 Jahren in der Klasse sieben nie die Zweizügigkeit erreicht. Und das wird auch in Zukunft nicht der Fall sein. Sie ist Wunschdenken.“ Man dürfe nicht nur die Belange einer Schule in den Mittelpunkt stellen. Allen Schulen in der Stadt müsse es gut gehen, erklärte Dr. Thormann und verwies auf die für Gesamt- und Sekundarschulen als notwendig erachtete Heterogenität der Schülerschaft. Konkret bedeutet das: Der Gesamtschule oder auch der Bischöflichen Realschule in Warendorf nach Klasse sechs die leistungsstarken Schüler zu entziehen, um sie im AWG zum Abitur zu führen, ist für eben diese Bildungseinrichtungen von erheblichem Nachteil.

Ein vom Ausschussvorsitzenden Peter Marberg (SPD) angeregter „Runder Tisch“ zur Lösung der AWG-Problematik wurde von CDU und FDP nicht als der Weisheit letzter Schluss angesehen. „CDU und FDP sind einer Meinung, Eltern und Schüler haben eindeutig demonstriert, dass sie hinter der Schule stehen. Das ist ein klarer politischer Auftrag für die Verwaltung“, meinte Blacha und erntete in dem aus allen Nähten platzenden Rathaus-Saal dafür tosenden Applaus. Außerdem wolle sie zunächst wissen, mit wem die Verwaltung gedenkt, den „Runden Tisch“ zu bestücken. Laura Ströker und Marcel Homölle, Sprecher der AWG-Schülerschaft, erklärten direkt: „Wenn es den ‚Runden Tisch‘ gibt, dann wollen wir dabei sein. Über den Vorschlag der Verwaltung, sich beim Ministerium in Düsseldorf für eine Fortführung des AWG als reines Oberstufengymnasium einzusetzen, wurde nicht abgestimmt. Er wäre mit der Mehrheit der Stimmen von CDU und FDP wohl auch abgelehnt worden.

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