Wenn Abwasser ins Regenwasser fließt

Regenwasser fließt in Gewässer wie die Ems. Ist ihm Abwasser beigemischt, hat das negative Folgen.

Das kann eine Ursache für Fehleinleitungen in Regenwasserkanäle sein, wie Professor Helmut Grüning von der Fachhochschule Münster am Mittwoch im Betriebsausschuss erläuterte. Er hat in Warendorf und Wuppertal im Auftrag des NRW-Umweltministeriums zum Problem „Fehleinleitungen“ geforscht. Wie groß ist das Problem? Und was kann man dagegen tun? Diese Fragen standen dabei im Mittelpunkt – und auch für Warendorf haben die Wissenschaftler interessante Antworten gefunden.

Sie untersuchten zwischen März und Juli dieses Jahres die Kanäle im Wohngebiet „Östlich Heustraße“. Grüning betonte, dass andere Kommunen im Gegensatz zu Warendorf nicht an dem Forschungsvorhaben hatten teilnehmen wollen. Die Forscher wandten bei ihren Untersuchungen erstmals neue Techniken an: Mithilfe von Glasfaserkabeln, die sie in die Regenwasserkanäle legten, maßen sie die Temperatur des Wassers. Stieg diese zu einem bestimmten Zeitpunkt über den normalen Wert, wussten sie, dass Abwasser eingeleitet worden sein musste. Die Messungen waren dabei so exakt, dass die Forscher Temperaturabweichungen von 0,01 Grad ermitteln und den Ort der Einleitung auf 20 Zentimeter lokalisieren konnten. Somit konnten sie jede Fehleinleitung einer bestimmten Adresse zuordnen und fanden heraus, wo regelmäßig Abwasser ins Regenwasser fließt und es sich somit um einen Fehlanschluss handeln muss oder wo dies nur einmal während des Messzeitraums geschah, weil vielleicht jemand lediglich einen Putzeimer in den Kanal entleerte.

Die Wissenschaftler überprüften 2,8 Kilometer Kanal und 396 Hausanschlüsse mit 1420 Anwohnern. Dabei stellten sie 36 Fehleinleiter fest, was einer Quote von neun Prozent entspricht. Dies beinhaltet allerdings auch die einmaligen Fehleinleitungen, sodass der Anteil der tatsächlichen Fehlanschlüsse geringer ist.

Klar ist: „Die Adressen werden nicht publiziert“, betonte Grüning. Durchaus aber können die betroffenen Haushalte damit rechnen, dass sie kontaktiert werden und den Fehlanschluss korrigieren müssen.

Negative Folgen durch Keime, Schad- und Nährstoffe

Diese Kontaktaufnahme durch den Abwasserbetrieb soll „moderat und kooperativ“ erfolgen. Willi Schöning (CDU) gab zu bedenken, dass einige Betroffene es kritisch sehen könnten, da sie nun zufällig kontrolliert und erwischt worden seien.

Dem stimmte Ralf Bücker, Leiter des Abwasserbetriebs, zu. Er wies jedoch auch darauf hin, dass man eine solche Kontrolle aus praktischen Gründen nicht zeitgleich flächendeckend durchführen könne. Und jeder Eigentümer sei nun einmal verpflichtet, Abwasser in den dafür vorgesehenen Kanal abzuleiten. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Fehlanschlüsse beabsichtigt waren, sondern dass die irgendwann entstanden sind.“ Er vermute auch, dass das Umweltbewusstsein der Bevölkerung so ausgeprägt sei, dass es dafür Verständnis gebe, dass man – wie gesetzlich vorgesehen – nicht „seine Toilette in Gewässer einleiten“ könne.

Der Abwasserbetrieb werde nun weitere Einleitungsstellen zunächst durch Inaugenscheinnahme grob kontrollieren und dann priorisieren, wo die detaillierteren Untersuchungen weiter ausgeführt werden sollten.

Wenn Abwasser in Regenwasserkanäle eingeleitet wird, hat dies laut Grüning mehrere negative Folgen. Durch Hygieneartikel gebe es eine optische Beeinträchtigung – etwa, wenn sich Papier im Schilf eines Flusses verfängt, in den das Regenwasser eingeleitet wird. Durch Nährstoffe im Wasser komme es zu Sauerstoffmangel in den aufnehmenden Gewässern. Keime bedeuteten eine hygienische Beeinträchtigung. Die Folgen der Anreicherung von Mikroschadstoffen wie etwa Arzneimittelrückständen oder Chemikalien seien noch weitgehend unbekannt, betonte der Professor zudem.

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