Wenn der Ort der Stille stillgelegt wird
Foto: Kleigrewe
Auf eine langjährige Geschichte blickt das Kloster Vinnenberg, das im Jahr 1252 gegründet wurde, zurück. Bis zum Jahr 2005 lebten dort Benediktinerinnen.
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Doch nun hat die Corona-Pandemie den Ort der Stille komplett stillgelegt. „Für uns war es ein sehr schwieriges Jahr“, blickt Dr. Möller auf 2020 zurück. Dabei sollte es eigentlich eine besonders freudvolle Zeit werden, denn im August 2010 war das Exerzitien- und Bildungshaus für geistliche Erfahrungen, das in den Gebäuden des ehemaligen Zisterzienserinnen- und Benediktinerinnenkloster entstanden ist, offiziell eingeweiht worden.

 „Das Zehnjährige wollten wir groß feiern“, bedauert Dr. Möller, dass er aus bekannten Gründen alle Festlichkeiten absagen musste. Doch das war für den Hausleiter das kleinere Problem. Viel schwerer wog die Tatsache, dass wegen der beiden Lockdowns zeitweise alle Seminare, Kurse und sonstigen Angebote des Klosters Vinnenberg ausfallen mussten. „Wir bekommen keine Zuschüsse, sondern finanzieren uns privatwirtschaftlich und aus Spenden“, betont Dr. Möller. Da riss der Wegfall der Einnahmen aus Seminargebühren und Übernachtungsentgelt ein großes Loch in die Kasse.

Waren es im Jahr 2019 noch fast 500 Übernachtungen gewesen, ging diese Zahl im Coronajahr 2020 auf gut 80 zurück. „Dabei haben wir noch Glück gehabt, dass der Seminarbetrieb nach dem ersten Lockdown im Frühjahr ziemlich schnell wieder anlaufen konnte“, sagt der Diplom-Psychoanalytiker und katholische Priester. Viele der Angebote wie Exerzitien oder Yoga gelten als Selbsthilfekurse, für die die Beschränkungen frühzeitig aufgehoben wurden.

Selbstverständlich sei sofort ein strenges Hygienekonzept ausgearbeitet worden, betont Dr. Möller. Trennwände und Desinfektionsmittelspender wurden aufgestellt, die Abläufe beim Essen geändert, Laufwege in den Treppenhäusern festgelegt und Doppelzimmer nur noch einfach belegt. „Glücklicherweise haben wir hier viel Platz, da ist es leichter, die Abstände einzuhalten. Außerdem konnten wir im Frühjahr und im Sommer viele Veranstaltungen im Freien an der frischen Luft stattfinden lassen“, erzählt der Hausleiter und lobt die Disziplin der Seminarteilnehmer. „Das hat mich sehr positiv überrascht.“

Doch alle Vorsichtsmaßnahmen waren vergebens, als im November der zweite Lockdown kam. „Seitdem laufe ich wieder durch ein leeres Haus“, sagt Dr. Möller, der ebenso wie zwei indische Ordensschwestern eine Unterkunft im Klostergebäude hat.

Insgesamt 18 Mitarbeiter sind im Kloster Vinnenberg beschäftigt. Sie kümmern sich unter anderem um die Organisation, den hauswirtschaftlichen Bereich und die Küche. Viele von ihnen mussten im vergangenen Jahr in Kurzarbeit gehen. Für Dr. Möller keine einfache, aber eine unausweichliche Entscheidung, die von den Betroffenen mitgetragen wurde. „Da war eine große Solidarität bei den Mitarbeitern, das hat mich sehr bewegt“, freut sich der Hausleiter, dass es für viele eben immer noch „unser aller Kloster Vinnenberg“ sei, das es zu erhalten gelte.

Welche Bedeutung das Kloster Vinnenberg auch in seiner neuen Form als Ort geistlicher Begegnung habe, zeige sich an den stetig wachsenden Buchungen, erläutert Dr. Carl Möller. Nicht nur die Seminare, Kurse und Tagungen würden stark nachgefragt, sondern auch die Möglichkeit, sich zu Oasentagen oder Einzelexerzitien ins Kloster zurückzuziehen. Dafür stehe unter anderem die „Einsiedelei“, eine kleine Wohnung im direkt an das Klostergebäude angrenzenden Kardinal-von-Galen-Haus, zur Verfügung. „Das ist ein ganz bewusster Ort der Stille“, erklärt Dr. Möller.

„Und die Sehnsucht danach ist ungebremst.“ Gerade in diesem Sommer habe es viele Anfragen von Einzelgästen gegeben, die in einer Zeit mit außergewöhnlichen Belastungen die spirituelle Stille gesucht hätten, um zu regenerieren. Das könnten sie entweder allein tun oder eine geistliche Begleitung in Anspruch nehmen, die er als Diplom-Psychoanalytiker und Theologe auf Wunsch anbiete.

Aber auch wenn viele Gäste gesagt hätten, dass sie sich in Coronazeiten im Kloster Vinnenberg sicherer fühlten als zuhause, seien auch diese Angebote zunächst bis zum 31. Januar nicht mehr möglich, bedauert der Hausleiter. Nach dem ersten Lockdown seien nun auch die Rücklagen weitgehend aufgebraucht. „Wir versuchen jetzt, Landesmittel zu bekommen“, sagt Dr. Möller. „Ansonsten sind wir für jede Spende dankbar.“

„Unser Vinnenberg“, das ist aber nicht nur das Kloster selbst, sondern vor allem auch die Klosterkirche mit dem Vinnenberger Gnadenbild, das in jedem Jahr zahlreiche Gläubige anlockt. Nicht umsonst gilt das Kloster Vinnenberg als der älteste Marienwallfahrtsort im Bistum Münster. Viele Wallfahrten konnten in diesem Jahr nicht oder nur in abgewandelter Form – wie die der KFD – stattfinden.

Dafür stand die Kirche fast durchgehend offen. Nur während des ersten Lockdowns durften auch dort keine Gottesdienste stattfinden. „Danach haben wir wieder geöffnet und auch die sonntäglichen Gottesdienste durchgeführt“, berichtet Dr. Möller, der auch Rektor der Wallfahrtskirche ist. An den zurückliegenden Festtagen hatte Dr. Möller mehrere Gottesdienste angeboten, um zu verhindern, dass zu viele Gläubige auf einmal in die Kirche kommen. „Das hat gut funktioniert. Die Besucherzahl hat sich gut verteilt, sodass wir in allen Gottesdiensten die Abstände einhalten konnten“, freut er sich.

Während für die Gottesdienste an den Feiertagen eine Anmeldung vorgenommen werden musste, ist das für dieses Wochenende nicht nötig. „Wir schauen mal, wie das läuft“, sagt der Rektor der Klosterkirche und setzt auf eine behutsame Rückkehr zur Normalität. Doch bis dahin dürfte es noch etwas dauern, denn „die Gesundheit aller geht auf jeden Fall vor“, stellt Dr. Carl Möller klar.

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