Wie weit dürfen Warendorfer Wirte gehen?
Bild: von Stockum
Sitzprobe in Warendorfs guter Stube: (v. l.) Service-Mitarbeiterin Pia Menzel serviert den „Anno 1670“-Betreibern Thomas Wörmann und Ronald Hüsemann Kaffee.
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Lange Jahre lief diese auf Sparflamme – jetzt aber fordern gleich vier Unternehmen ihr Stück vom Kuchen ein. Insbesondere Hüsemann und Wörmann trieb bis zuletzt die Sorge um, sie könnten entgegen offenbar gemachter Zusagen seitens der Verwaltung zu massiv eingeschränkt werden. Sowohl das „Anno 1670“, das „In Mezzo“ und das ehemalige Café Schütte, wo immer noch nicht klar ist, was damit passieren soll, beanspruchen Platz auf dem Markt. Nummer vier im Bund der Wirtsleute ist Veli Firtina. Zwar ist auch in seinem Haus am Marktsträßchen von gastronomischer Nutzung noch nichts zu sehen, mindestens 20 Quadratmeter aber möchte er den Plänen zufolge dennoch schon einmal sicherstellen.

Vier Vorschläge zur Einteilung des Marktplatzes hinsichtlich der Außengastronomie haben dem Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Stadt Warendorf zuletzt vorgelegen. Drei stammen von den Architekten der Familie Pisanelli (Café Schütte und „In Mezzo) und dem „Anno 1670“, einer von der Verwaltung. Letzterer aber ging zumindest Thomas Wörmann und Ronald Hüsemann in Sachen Einschränkungen entschieden zu weit. Von den von ihnen ursprünglich angestrebten 200 Quadratmetern Nutzfläche auf dem Markt waren urplötzlich nur noch 66 übriggeblieben. Als „wirtschaftlich gefährdend“ stufte Hüsemann diese Variante ein.

 Welcher der vier Pläne soll also umgesetzt werden? Ist eine Entscheidung über Form und Umfang nicht eigentlich Aufgabe der Verwaltung? Soll ein Fachausschuss jetzt an der Stelle Fakten schaffen, worüber sich Mitarbeiter im Rathaus mit Gastronomen streiten? Nach einer ausführlichen Debatte war sich die Mehrheit einig darüber, zumindest dem „Anno 1670“ deutlich mehr Platz zuzugestehen als von der Verwaltung vorgeschlagen. „Wir sollten nicht gleich mit einer großen Beschneidung anfangen. Ich empfehle dringend, Einvernehmen mit den Betreibern herzustellen“, sprach Ralph Perlewitz (CDU) das aus, was viele seiner Ausschusskollegen dachten.

Thomas Wörmann und Ronald Hüsemann gingen am Morgen nach der Sitzung davon aus, dass sie 125 Quadratmeter des Marktplatzes für ihre Außengastronomie nutzen dürfen. Und die Zeit drängt: Anfang April ist Frühlingserwachen in Warendorf. Bis dahin sollen Tische und Stühle in der guten Stube stehen.

Die gastronomische Nutzung des Marktplatzes wirft – mal abgesehen von der Aufteilung der Fläche an die Interessenten – noch eine ganze Reihe anderer Fragen auf. So gibt es Stimmen – darunter auch Dr. Hans Günther Schöler (FDP) –, die Probleme mit dem Radverkehr erwarten, sofern keine anderen Regelungen getroffen werden. Gleichzeitig stellt Martin Schulte (CDU) die Frage nach Stellplätzen für die Fahrräder. Üblicherweise hat man seinen Untersatz gern im Blick – die Kaufleute am Markt aber werden sich bedanken, wenn ihre Schaufenster mit Stahlrössern verbarrikadiert sind.

 Der Grüne Gerd Nergert indes kann sich kaum vorstellen, dass die Anwohner eine Bewirtung bis Mitternacht an sieben Tagen in der Woche widerspruchslos hinnehmen werden. Trotz allem aber will man jetzt erst einmal anfangen und Erfahrungen sammeln. In einem Jahr dann, wenn die Genehmigung zur Sondernutzung neu beantragt wird, wird man klarer sehen. Dann hat die Verwaltung – so ist es zumindest vorgesehen – auch einen Schlüssel zur gerechten Verteilung der Flächen an alle Interessenten zur Hand.

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