Kündigung wegen Putzjobs bei Tönnies



Rheda-Wiedenbrück (gl) - Weil ihr gekündigt worden ist, hat eine Arbeitskraft gegen einen Betrieb der Automobilzulieferung in Bielefeld geklagt. Grund für die Kündigung war eine berufliche Verbindung zum Fleischhersteller Tönnies in Rheda-Wiedenbrück.

Mit einem besonders kuriosen Fall muss sich das Bielefelder Arbeitsgericht beschäftigen: Im Kern geht es um die Kündigung wegen eines Nebenjobs als Reinigungskraft bei Tönnies durch einen Bielefelder Automobilzulieferer..

Das Bielefelder Unternehmen hatte der Person als Hauptarbeitgeber die Entlassungspapiere zugestellt, weil es ihr vorwirft, durch ihre nicht beantragte Nebentätigkeit als Reinigungskraft bei Tönnies in Rheda während des dortigen Corona-Ausbruchs den Betrieb in Bielefeld gefährdet zu haben.

Gericht verhandelt ab Mittwoch

Mehrere Kammern des Arbeitsgerichts werden sich ab Mittwoch, 2. Dezember, mit dem Fall beschäftigen. Dem Gericht zufolge war die klagende Partei über eine Drittfirma jeweils am Wochenende bei Tönnies zur Reinigung eingesetzt, ohne die Nebentätigkeitsgenehmigung beantragt zu haben. Sie habe auch nach Verhängung der Quarantäneverfügung für Mitarbeiter bei Tönnies in Bielefeld tätig sein wollen.

Die Bielefelder Firma habe die Kündigung nach Hinzuziehung ihres Betriebsrats ausgesprochen. Im Raum steht der Vorwurf einer arbeitsvertraglichen Pflichtverletzung: Eine mögliche Corona-Infektion der Arbeitskraft hätte laut Unternehmen dazu führen können, dass sich in dem Betrieb mit mehreren hundert Arbeitnehmern das Virus ebenfalls ausbreitet. Das hätte weitreichende wirtschaftliche Schäden für die Firma und die gesundheitliche Gefährdung von Arbeitskollegen zur Folge gehabt.

Hauptarbeitgeber nicht informiert

Die gekündigte Person sei aufgrund ihrer Reinigungstätigkeit bei Tönnies dazu verpflichtet gewesen, sich 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Sie habe ihren Hauptarbeitgeber zudem bewusst nicht darüber informiert, zu einem Corona-Test aufgefordert gewesen zu sein.

In einer ersten Verhandlung wird laut Arbeitsgericht nun zu prüfen sein, ob die Kündigung womöglich aus formalen Gründen unwirksam ist. So sei die Kündigung zwar nach einer Stellungnahme des Betriebsrats der Bielefelder Firma erfolgt, allerdings sei die einwöchige Frist, die den Gremium dafür eingeräumt worden war, nicht komplett eingehalten worden.

Im Raum steht laut Gericht auch die Frage, ob im Fall einer arbeitsvertraglichen Pflichtverletzung diese noch abmahnfähig gewesen wäre, bevor es zu der dann ausgestellten Kündigung kam.

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