Kurze Rast auf einer langen Flucht



Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Am Ende sind es nur noch einige Kleinigkeiten gewesen, die den Helfern und Mitarbeitern vom Deutschem Roten Kreuz (DRK) und der Stadtverwaltung die Schweißperlen auf die Stirn trieben. Die Beschilderung von Rettungswegen beispielsweise zählte dazu.

Am späten Nachmittag meldeten die Aktiven am Burgweg dann aber Einsatzbereitschaft. Das heißt: Die Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt haben für die nächsten Tage einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können. Die jüngste Etappe auf der Flucht der Menschen vor Gewalt, Not und Verfolgung ist im Vergleich zu den Distanzen, die sie bereits hinter sich haben, ein Katzensprung gewesen.

Mit Bussen wurden die Gäste – als solche möchten die Verantwortlichen sie aufgenommen wissen – am Dienstagnachmittag von der Erstaufnahmeeinrichtung in Bielefeld nach Wiedenbrück gebracht. Kurz zuvor hatte die Bezirksregierung in Detmold der Stadtverwaltung in Rheda-Wiedenbrück deren Ankunft angekündigt. Die Reise ist damit für die Schutzsuchenden immer noch nicht zu Ende, gilt die Turnhalle der Osterrath-Realschule doch lediglich als Notunterkunft für wenige Tage.

Bevor überhaupt jemand einen der Busse verließ, betrat ein Arzt das Fahrzeug und erkundigte sich nach dem Wohlbefinden der Insassen. Auch wenn das alles andere als eine gründliche Anamnese war, konnte man so zumindest ausschließen, dass jemand ernsthaft krank oder verletzt ist.

Gründlicher gingen die weiteren Mediziner im Bereich der Umkleidekabinen in der Sportstätte vor. Sie unterzogen die Menschen einem Screening, einer viele Aspekte umfassenden Untersuchung. Nach einem öffentlichen Aufruf des Deutschen Roten Kreuzes hatten sich in der vergangenen Woche vier Ärzte bereiterklärt, ehrenamtlich den Kollegen vom DRK bei dieser Aufgabe zu unterstützen. „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft“ – dieser Satz zog sich am gestrigen Dienstag wie ein roter Faden durch die Gespräche mit den Verantwortlichen.

Die Flüchtlinge hatten es nach dem Screening beinahe geschafft. Nach der Erfassung ihrer Personalien und der Verknüpfung mit einer Nummer, die ein jeder von ihnen nun auf ein Armband gedruckt am Körper trägt, wurden die Betten zugewiesen. Das Begrüßungspaket, wenn man es denn so nennen möchte, war ähnlich pragmatisch gestaltet wie die Unterkunft selbst: Im Wesentlichen bestand es aus Einwegbettwäsche und Hygieneartikeln.

Am Abend, nachdem der größte Aufruhr vorbei war, lieferte ein Cateringunternehmen aus Gütersloh warme Mahlzeiten, ehe die annähernd 200 Gäste versuchten, in der ungewohnten Umgebung zumindest ansatzweise so etwas wie Ruhe zu finden.

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