Lange Gefängnisstrafe für Vergewaltiger



Gütersloh (eff) - Wegen Vergewaltigung in drei Fällen und Körperverletzung ist ein 29-jähriger Gütersloher gestern am Landgericht Bielefeld zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das sind zwei Jahre und zwei Monate mehr, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Revision angekündigt: Rechtsanwalt Georg Schulze (hier bei einem früheren Termin) reagierte empört auf die Höhe der Strafe. Sein Mandant eher gelassen.

Allerdings war der Staatsanwalt in seinem Plädoyer am Donnerstag voriger Woche davon ausgegangen, dass der Beschuldigte wegen der zwei Vergewaltigungen seiner ehemaligen Lebensgefährtin nicht verurteilt werden könne, weil es in der Aussage des Opfers zu viele Widersprüche gegeben habe. Das sah die zweite Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Dr. Thomas Hartmann anders. Fünf Jahre und drei Jahre lautete das Urteil für die beiden Vergewaltigungen, wofür wegen eines möglichen Drogenkonsums des Angeklagten ein geminderter Strafrahmen festgesetzt wurde. „Meine Mandantin ist erleichtert“, sagte ihr Rechtsbeistand Andreas Trylla (Gütersloh). Er begrüßte es, dass der Beschuldigte in sämtlichen Anklagepunkten für schuldig befunden wurde. So auch der Vergewaltigung einer 49-jährigen Bäckereifachverkäuferin unter Bedrohung mit einem Messer in einem Geschäft an der Kahlerststraße im Februar dieses Jahres. Dafür erhielt der 29-Jährige eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten. „Damit sind wir voll zufrieden“, sagte die Rechtsanwältin des Opfers, Gabriele Martens (Rheda-Wiedenbrück). Während der einstündigen Urteilsbegründung habe ihre Mandantin weinen müssen. „Er hat mir meine kleine Welt kaputt gemacht“, zitierte Martens einen Kernsatz ihrer Klientin. Für die Faustschläge und Tritte gegen den Ex-Mann der früheren Lebensgefährtin mitten auf der Straße setzte das Gericht eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten fest. Zusammengezogen wurden die Einzelstrafen schließlich zu zehn Jahren und sechs Monaten. Außerdem muss sich der Verurteilte wegen seiner Rauschmittelsucht drei Jahre und drei Monate einer Therapie in einer Entziehungsanstalt unterziehen.

Keine Sicherungsverwahrung

Von einer Sicherungsverwahrung, für die „die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben waren“, so Trylla, sei abgesehen worden – zum einen wegen des jugendlichen Alters des Verurteilten, zum anderen wegen einer möglichen positiven Wirkung der Therapie. „Erschrocken und verärgert über die Höhe der Strafe“ reagierte der Verteidiger des Verurteilten, Georg Schulze (Bielefeld). Wegen eines Termins in Essen ließ er sich vom Kanzlei-Kollegen Ulrich Kraft vertreten. „Die Frau hat doch in jeder Verhandlung etwas anderes erzählt“, konnte er nicht nachvollziehen, dass die zwei Fälle zum Nachteil der Ex-Lebensgefährtin seines Mandanten vom Gericht „geglättet“ worden seien. „Darauf darf man doch kein Urteil gründen“, sagte Schulze und kündigte an: „Ich werde noch in der Nacht Revision einlegen, und das erfolgreich.“

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