Laumann verkündet regionalen Lockdown



Kreis Gütersloh/Kreis Warendorf (kio/the/osi) -  Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies hat die NRW-Landesregierung einen einwöchigen Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf verfügt. Zudem werden auch im Kreis Warendorf ab Donnerstag Schulen und Kindergärten geschlossen.

In Oelde schließen Schulen und Kitas bereits an diesem Mittwoch.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und später Gesundheitsminister Karl Josef Laumann (beide CDU) erläuterten die Maßnahmen am Dienstag in Düsseldorf. Zunächst bis zum 30. Juni sind demnach wieder die Schutzmaßnahmen in Kraft, die bereits bis vor einigen Wochen gegolten hatten. Unter anderem ist nur noch erlaubt, mit Personen des eigenen Hausstands zusammen zu sein, im Freien dürfen sich höchstens zwei Personen aus zwei Haushalten treffen. 

Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen werden untersagt. Kinos und Bars müssen schließen. Auch Picknick und Grillen im öffentlichen Raum ist verboten. Reisebusfahrten werden untersagt.

Kein Ausreiseverbot

Ein Ausreiseverbot aus den Kreisgebieten gebe es nicht, sagte Laschet. Er forderte die betroffenen Bürger aber auf, die Kreise nicht zu verlassen. Zugleich müssen Reisende aus Corona-Schwerpunktgebieten in Schleswig-Holstein nun in Quarantäne. In Bayern dürfen sie ohne aktuelles negatives Testergebnis nicht beherbergt werden. Auch deswegen rief Laumann dazu auf, sich testen zu lassen. 

Laschet hatte am Vormittag noch angekündigt, die Einschränkungen für den Kreis Warendorf würden „nicht flächendeckend“, sondern nur für Oelde, Beckum und Wadersloh gelten. Laumann hingegen sagte, es sei zwar so, dass es im Kreis Warendorf auch Orte ohne neue Infektionsfälle gebe. Aber: „Kreisgrenzen sind Kreisgrenzen“, und die Maßnahmen ließen sich nicht „dorfscharf“ verhängen.

Tests werden deutlich ausgeweitet

Die Corona-Tests in den Kreisen Gütersloh und Warendorf werden deutlich ausgeweitet. So sollen Bewohner und Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen, Mitarbeiter von Krankenhäusern und Supermärkten sowie Kioskpersonal in den kommenden Tagen durchgetestet werden, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) weiter mit. 

Es habe sich zudem herausgestellt, dass in einigen Gemeinschaftsunterkünften Werkvertragsmitarbeiter nicht nur von Tönnies leben, sagte Laumann. Daher sollen auch die entsprechenden Arbeitnehmer anderer Firmen getestet werden. Zudem sollen alle Bürger der beiden Kreise die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen. 

Ab Mittwoch Corona-Tests beim Hausarzt

Wie der Kreis Gütersloh am Dienstagabend mitteilte, können sich alle Bürgerinnen und Bürger des Kreises , die keine Symptome haben, ab diesem Mittwoch auch bei ihrem Hausarzt auf das Coronavirus testen lassen. Das sehe eine Vereinbarung vor, die die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWK) auf den Weg gebracht habe. 

Bisher musste man ohne Symptome ein Diagnosezentrum ansteuern. Das erste dieser Zentren hatte die KVWL am Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh am Dienstag in Betrieb genommen. Dort kann man ohne Anmeldung Abstriche machen. Der Kreis wies allerdings in seiner Mitteilung darauf hin, dass mit Wartezeiten zu rechnen sei. Wer daher lieber seinen Hausarzt aufsuchen wolle, sollte diesen vorher telefonisch kontaktieren, um unnötige Wartezeiten in der Praxis zu vermeiden.

Tönnies will radikalen Kurswechsel

Schlachthof-Inhaber Clemens Tönnies hat derweil einen radikalen Kurswechsel in Sachen Beschäftigungspolitik angekündigt: Möglichst bis zum 1. Januar sollen alle Arbeiter direkt beim Unternehmen angestellt sein und nicht mehr bei Dienstleistern in Lohn und Brot stehen. Außerdem werde man zügig angemessenen und ausreichenden Wohnraum für das Personal an allen Standorten schaffen. Überdies will er Integrationsprogramme und eine digitale Arbeitszeiterfassung etablieren.

„Menschen nicht unter Generalverdacht stellen“

Ministerpräsident Armin Lascht bezeichnete den Lockdown als „beschränkte Maßnahmen“, die wieder zurückgenommen werden sollen, wenn Sicherheit über das Infektionsgeschehen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf bestehe. Zugleich sei es möglich, dass es über den 30. Juni hinaus eine Verlängerung der Beschränkungen gebe.

„Was übrigens nicht geht, ist, dass man Menschen aus dem Kreis Gütersloh jetzt unter Generalverdacht stellt“, betonte Laschet. Die Menschen dürften nicht stigmatisiert und ihnen beispielsweise Urlaub untersagt oder Buchungen storniert werden. 

Laschet: Mangelnde Kooperationsbereitschaft bei Tönnies

Dem Fleischverarbeiter Tönnies warf Laschet mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkvertragsarbeiter von Tönnies durchgesetzt. „Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt“, sagte der Ministerpräsident. Die Kooperationsbereitschaft bei Tönnies „hätte größer sein können“. 

Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten der Beschäftigten zu übermitteln, betonte Laschet.

Tönnies-Mitarbeiter nach Bulgarien zurückgekehrt

In Bulgarien sind unterdessen drei aus Deutschland heimgekehrte Tönnies-Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt worden. Das sagte der Bürgermeister des südwestbulgarischen Beliza, Radoslaw Rewanski, am Dienstagabend dem Fernsehsender bTV. Es handelt sich um den mutmaßlich ersten Bericht in Bulgarien über Heimkehrer nach dem massiven Corona-Ausbruch bei Tönnies. 

Die drei Tönnies-Mitarbeiter seien in Deutschland auf das Coronavirus getestet worden, wüssten aber nicht, wie die Tests ausgefallen seien, hieß es. Die Bulgaren sollen nach den Worten des Bürgermeisters bereits am Mittwoch erneut auf das Virus getestet werden. „Uns geht es gut“, sagte einer der Männer. „Wir sind zurückgekehrt, weil wir Angst hatten“, erklärte er weiter.

Stadt Münster verhängt Maskenpflicht für Besucher

Der Lockdown in den beiden Landkreisen hat Auswirkungen auch in Münster. Die Domstadt reagierte mit neuen Regeln zur Maskenpflicht. „Wer aus dem Großraum Gütersloh und Warendorf kommend Münster besucht, ist ab Mittwoch, 24. Juni, im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz im gesamten Stadtgebiet zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet“, teilte die Stadtverwaltung am Dienstagabend mit. Jedenfalls dann, wenn man den Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Menschen nicht sicher und durchgehend gewährleisten könne. 

Adenauer: Schutz der Bevölkerung „wichtigste Aufgabe“

Am Dienstagvormittag hatte Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer die Bürger des Landkreises bereits auf den Lockdown eingestimmt. „Wir haben durch die positiven Befunde im häuslichen Umgebung der Beschäftigten eine neue Situation“, hieß es in einer Mitteilung des Landrats. „Unsere wichtigste Aufgabe ist der Schutz der Bevölkerung und tun wir alles dafür, was notwendig ist. Deswegen werden jetzt auch die Tests erheblich ausgeweitet.“

Die Einschränkungen seien weniger umfangreich als im März, erklärte Adenauer. „Das war mir besonders wichtig. Ich bin froh, dass zum Beispiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben dürfen. Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten. Ich appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger im Kreis Gütersloh sich an die allgemeinen Hygieneregeln zu halten und an die neuerlichen Regeln wie etwa Abstandsbeschränkungen. Dann kommen wir da zusammen durch.“

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