Lintel überzeugt mit Ökobilanz



Rheda-Wiedenbrück (peng) - Während es draußen winterlich kalt ist, herrscht im Haus von Familie Oesterdiek wohlige Wärme. Bis Oktober 2016 kam eine konventionelle Ölheizung zum Einsatz. Inzwischen liefern Holzpellets die benötigte Energie. Eine Umstellung, die sich nicht nur für die Familie gelohnt hat, sondern auch für Lintel: Denn damit kommt der Ortsteil seinem Ziel, bis 2035 energieautark zu sein, ein Stück näher.

David Oesterdiek aus Lintel hat seine Heizung von Öl auf Holzpellets umgestellt. Damit leistet er einen Beitrag für einen energieautarken Stadtteil bis zum Jahr 2035. Spätestens dann soll alle Energie, die vor Ort benötigt wird, auch im Dorf produziert werden.

2017 hat Lintel zum achten Mal am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilgenommen – mit Erfolg. Der Ortsteil ging als Sieger hervor. Mit zwei Biogasanlagen, einer Kleinwasserkraftanlage, vielen Solarenergieanlagen sowie etlichen Hackschnitzel-, Pellet- und Wärmepumpenheizungen kann er bereits jetzt eine gute Infrastruktur erneuerbarer Energien vorweisen.

Öl ein Rohstoff der Vergangenheit

Dazu trägt auch David Oesterdiek bei. Im vergangenen Jahr stellte er seine Anlage auf Holzpellets um. Der Grund: Er wollte weg von der Ölheizung. „Für mich ist Öl ein Rohstoff der Vergangenheit“, sagt der 41-Jährige. Besonders die Wirtschaftskrise 2008/2009, durch die die Preise enorm in die Höhe schossen, war für ihn ein Anlass, sich von diesem „Spekulationsobjekt“ zu verabschieden und auf einen nachwachsenden Rohstoff zu setzen. Ein Schritt, den er und seine Frau bisher nicht bereuen. Im Gegenteil: Die Energierechnung hat sich halbiert, die Stimmung umso mehr gesteigert.

Nützliche Tipps von der Energieberatung

Welches Konzept passt zu uns? Wie können wir den Umstieg finanzieren? Diese und weitere Fragen wurden vorab im Rahmen einer Energieberatung geklärt. Eine Holzpelletheizung stellte sich bei den Überlegungen als beste Lösung heraus. Die Anlage hat mit knapp fünf Tonnen Fassungsvermögen ein großes Lager. Nachgefeuert werden muss lediglich ein Mal im Jahr.

Pufferspeicher immer gut gefüllt

Die produzierte Wärme geht in den Pufferspeicher. „Im Sommer oder auch an sonnenreichen Wintertagen können wir auf die Kesselanlage ganz verzichten“, berichtet Oesterdiek. Denn die Familie setzt auch auf Solarenergie, mit der es ebenfalls möglich ist, den Pufferspeicher zu füllen.

Darüber hinaus haben die Oesterdieks noch andere Maßnahmen zur Verbesserung der Ökobilanz umgesetzt: Die obere Geschossdecke wurde gedämmt, die Heizkörpernischen in den Haupträumen des Hauses geschlossen sowie ein hydraulischer Abgleich durchgeführt. Dadurch gelangt nur so viel Wasser in jedes Zimmer, wie zum Heizen benötigt wird. In Zukunft sollen noch ein Teil der Fenster und die Rollläden ersetzt werden.

Ortsteil ist kreisweit spitze

Sieben Orte aus dem Kreis Gütersloh haben sich in diesem Jahr dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gestellt. Dieser findet alle drei Jahre statt und soll dazu motivieren, Perspektiven für Dorf und Region gemeinschaftlich aufzubauen sowie nachhaltig umzusetzen.

Landeswettbewerb das nächste Ziel

Lintel ging 2017 als Kreissieger hervor. Das Motto: „Lintel gewinnt – Unser Ortsteil wird energieautark bis zum Jahr 2035“. Damit hat sich der Ort, neben 43 weiteren aus ganz Nordrhein-Westfalen, für den Landeswettbewerb im kommenden Jahr qualifiziert. Im Juni und Juli 2018 werden die Bewertungskommissionen die einzelnen Dörfer bereisen und bewerten. Die Sieger werden am 9. September verkündet. Nächstes Ziel ist dann der Wettbewerb auf Bundesebene.

Auch im Kleinen viel erreichen

Die Ortsbegehung für den Kreisentscheid fand im September statt. Eineinhalb Stunden lang fuhren die Juroren durch Lintel und steuerten verschiedene Stationen an. Dazu gehörten Photovoltaik- und Solaranlagen von Bürgern sowie Unternehmen, eine Ladestation für E-Bikes und ein Besuch bei der Imker-AG der Grundschule. Gepunktet hat Lintel zudem mit zahlreichen Aktionen wie einem Klimastammtisch, einem Thermografie-Spaziergang, einem klimafreundlichen Kochabend oder auch mit kostenlosen Energieberatungen. „Manche Bürger ziehen daraus ihre Schlüsse und lassen sich ein Konzept für ihr Haus erarbeiten“, sagt Reinhard Prinz, Sprecher der Initiative „Energieautarker Ortsteil Lintel“. Und selbst im Kleinen sei einiges möglich: „Man kann im ersten Schritt zum Beispiel den Stromanbieter wechseln und so auf Windkraft- oder Photovoltaik umsteigen“, rät Prinz.

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