Afrika-Reise fasziniert Severins
Im Fokus der Medien und der Fans: Schiedsrichter Tobias Severins aus Rheda-Wiedenbrück war in Namibia ein geschätzter Gesprächspartner.

Während des elftägigen Aufenthalts leitete er mit zwei weiteren Unparteiischen aus Ostwestfalen sowie afrikanischen Kollegen die Testspiele des U20-Namibian Newspaper Cups, dem prestigeträchtigsten Jugendturnier des Landes. „Das war eine überragende Erfahrung“, blickt Severins, der seit seinem Aufstieg im DFB-Förderkader in die Regionalliga für Grün-Weiß Langenberg pfeift, gerne an die aufregenden Tage zurück.

Anfeuerung mit Pauken und Trompeten

Ein echtes Erlebnis war für den gelernten Bankkaufmann die Stimmung im Stadion. Viele junge Anhänger verbreiteten auf den Tribünen lautstark Stimmung und feuerten ihre Mannschaften im wahrsten Wortsinne mit Pauken und Trompeten an. Auch die Akteure selbst faszinierten die deutschen Unparteiischen. „Die Fußballer in Afrika leben den Fußball“, berichtet Severins.

Fast noch wichtiger als das Spiel schien den Nachwuchskickern die Atmosphäre vor dem Anpfiff zu sein. „Die haben lautstark in der Kabine gesungen und getanzt“, erinnert sich der erstaunte Severins. Wenn Trainer in Deutschland über die Passkontrolle stöhnen, sollten sie einmal nach Afrika kommen. In Namibia kam noch eine ganz besondere Inspektion hinzu. „Vor jedem Spiel gab es eine Fingernagelkontrolle“, berichtet der Rheda-Wiedenbrücker.

Vorzeitiges Aus wegen langer Fingernägel

Was zunächst lustig klingt, scheint für die Afrikaner sehr wichtig zu sein. „Zu lange Fingernägel bedeuteten gleichzeitig, keine Spielberechtigung zu haben.“ In den Spielen selbst ging es nicht zimperlich zu. Weniger Taktik, deutlich mehr Leidenschaft, hohe Einsatzbereitschaft: So fasst Severins die afrikanische Art des Fußballs zusammen. Das zeigte sich auch in den Zweikämpfen. „Bei einigen Aktionen, die in Europa eine dunkelgelbe Karte nach sich ziehen würden, waren die afrikanischen Spieler überrascht, dass wir überhaupt pfeifen.“

Gewöhnungsbedürftig war für ihn auch die oftmals chaotische Organisation. An einem Tag leitete er ein Spiel, das ursprünglich für 20 Uhr angesetzt war, dessen Beginn sich aber immer weiter verzögerte. Als Severins endlich um 0.45 Uhr abpfeifen konnte, war er fix und fertig: „Ich habe zum ersten Mal in meiner Karriere ein Spiel über zwei Tage hinweg gepfiffen.“

Roter Teppich für deutsche Schiris

Den deutschen Schiedsrichtern wurde bei ihrem elftägigen Besuch in Namibia sprichwörtlich der rote Teppich ausgerollt. Das Fernsehen übertrug die Spiele live – und Tobias Severins gab sogar ein TV-Interview. Die restliche Zeit bot die Chance, Land und Leute kennenzulernen. So unternahmen die Deutschen einige Safaris und sammelten zahlreiche Eindrücke von Flora und Fauna. Zusätzlich zur Hauptstadt Windhoek besuchten die Gäste die Orte Gobabis und Mariental.

Letztgenannter erhielt seinen Namen übrigens von dem aus Porta Westfalica stammenden Landwirt Hermann Brandt, der als erster weißer Siedler die Farm nach dem Vornamen seiner Ehefrau Anna Maria umbenannte.

Menschen aufgeschlossen und herzlich

„Ein wunderschönes Land“, betont Severins. „Die Menschen waren sehr aufgeschlossen und herzlich. Die ein oder andere Dame kokettierte recht offen damit, ob sie uns nicht nach Europa begleiten könne.“ Der Kontakt zu den Schiedsrichtern vor Ort hält bis heute an.

Heiß begehrt waren auch die Gastgeschenke, die die deutschen Schiedsrichter mitgebracht hatten. Obwohl die Trikots, Hosen und Stutzen aus einer älteren Kollektion stammten, rissen sich die afrikanischen Unparteiischen darum. Ein Erlebnis, das Severins nachdenklich stimmt: „Es fördert die Demut, wenn man sieht, wie wenig die Menschen dort teilweise haben. Trotzdem sind sie fröhlich und glücklich.“

„Fußball verbindet“ keine Plattitüde

Die Reise wird er nicht so schnell vergessen: „Es war total interessant, hautnah zu erleben, wie der Fußball in Afrika gespielt und gelebt wird. Die Erkenntnis, dass Fußball verbindet, ist nicht bloß eine Plattitüde.“

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