Ahlener SG: „Ein Schlag ins Gesicht!“
Rumsitzen und Warten: Philipp Lemke von der Ahlener SG mag ebenso gespannt sein wie alle, wie es wohl in der Dritten Liga weitergeht.

Die Mannschaft von Trainer Sascha Bertow feierte den Punktgewinn wie einen Sieg. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt. Dem weitere folgen sollten. Doch daraus wurde nichts. Das Coronavirus hat dem Sport – neben vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens – den Stecker gezogen.

 „Das ist für uns ein Schlag ins Kontor“, sagt Klaus Jäger, Geschäftsführer des Ahlener Handball-Leistungszentrums. „Die Leistungskurve der Mannschaft hat mit dem Punktgewinn beim Tabellendritten klar nach oben gezeigt. Und dann war auf einmal Schluss. Wir wissen bis heute nicht, wie es weitergehen wird.“

Ob die Saison noch zu Ende gespielt werden kann, ist unklar. Genauso wie die Frage, ob es Auf- oder Absteiger geben wird. Der Deutsche-Handball-Bund (DHB) hat sich dazu noch nicht geäußert (siehe nebenstehenden Text). Das bringt die Vereine in Deutschlands dritthöchster Spielklasse in arge Schwierigkeiten - und zwar alle, vom Ersten bis zum Letzten. Jäger hat die Hoffnung, dass es in außergewöhnlichen Zeiten auch zu außergewöhnlichen Entscheidungen kommt.

 Im Klartext: „Ich gehe davon aus, dass wir in der Dritten Liga verbleiben“, erklärt er. „Wir müssen ja ein Szenario annehmen, denn wir müssen für die kommende Saison planen.“ Der Geschäftsführer, der zusammen mit Andreas Bartscher die Geschicke der Ahlener Handballer lenkt, hat schon viele sportliche Höhen und Tiefen durchlebt. Aber so eine Situation wie diese noch nie. Anfang April wissen die Verantwortlichen noch nicht, wohin die Reise gehen wird.

 „Planen wir für Liga drei oder müssen wir uns auf eine Saison in der Oberliga einrichten. Ich weiß es nicht“, ist Jäger ratlos. Klar ist, dass die Verantwortlichen eine schlagkräftige Mannschaft für die kommende Spielzeit auf die Beine stellen müssen. Wie diese aussehen wird, davon haben Bartscher und Jäger eine Vorstellung, doch ob die auch umzusetzen ist, kann derzeit keiner sagen, denn neben der sportlichen Entscheidung ist auch die Finanzierung durch die Sponsoren nicht sicher. „

Die Mannschaft ist uns finanziell entgegengekommen. Die haben auf einiges an Geld verzichtet. Davor ziehe ich den Hut“, zollt der Geschäftsführer seinen Spielern Respekt. „Andreas und ich werden nun mit jedem Sponsor persönlich über sein Engagement reden. Klar ist, dass es in Zeiten von Kurzarbeit nicht leicht wird, Geld für den Sport zu akquirieren. Aber wir arbeiten daran.“

Warten auf klare Signale

Wilhelmshaven (hh). Sechs Punkte Vorsprung hat der Wilhelmshavener Handball Verein (WHV) auf den Tabellenzweiten VfL Eintracht Hagen. Damit ist den Männern vom Jadebusen die Meisterschaft in der Nord-West-Staffel der Dritten Handball Liga nicht mehr zu nehmen. Aber ob der Nord-West-Meister sein Ziel – den direkten Wiederaufstieg – erreicht, das weiß WHV-Manager Dieter Koopmann noch lange nicht.

 „Wir haben 24 von 28 Spielen ausgetragen. Aber jetzt geht nichts mehr“, sagt er. „Werden wir Erster, dann müssten wir gegen den Südmeister Fürstenfeldbruck antreten. Der Sieger steigt dann in die Zweite Liga auf. Doch ob und wann wir spielen, kann keiner sagen.“ Derzeit ist die Mannschaft in Kurzarbeit, die Sporthallen sind zu. Der Wilhelmshavener HV sitze nach Meinung Koopmanns zwischen den Stühlen.

 Auf der einen Seite ist der Deutsche Handball-Bund (DHB), der für die Dritte Liga verantwortlich ist, auf der anderen die Handball-Bundesliga (HBL), in deren Verantwortung die Erste und Zweite Liga fallen. „Beide Verbände haben sich bis heute noch nicht geäußert“, erklärt der WHV-Manager. „Uns sind also die Hände gebunden. Wir warten auf klare Signale von denen, die dafür zuständig sind. Wenn das in die richtige Richtung läuft, ist es gut. Wenn nicht, dann werden wir mal sehen.“

Alles offen nach dem 19. April

Dortmund (hh). Der Deutsche-Handball-Bund hat noch keine Entscheidung über Abbruch oder Fortsetzung der Drittliga-Saison getroffen, das erklärte Pressesprecher Tim Oliver Kalle auf Nachfrage der „Glocke“. „Die Saison bleibt bis einschließlich 19. April ausgesetzt“, erklärt er. „Das hat das DHB-Präsidium am 13. März beschlossen. Derzeit analysiert eine Arbeitsgruppe die Situation und berät die spieltechnischen Konsequenzen.“ Da es bei einer wie auch immer gearteten Entscheidung bei vielen Vereinen auch ums Überleben geht, lassen sich die Verbands-Experten nicht unter Druck setzen. Es gilt, das Für und Wider in Ruhe abzuwägen. Bis zum 19. April ist ja noch Zeit.

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