Alles, nur keine Majestätsbeleidigung
Ahlens Helden vergangener Tage: Zwei muntere Truppen aus TuS-, LR-, und RW Zeiten zeigten ihr Können beim Legendenspiel.

Ahlen (gl). Wo soll das nur alles hinführen? Erst der Fallrückzieher ins Leere, dann der völlig versemmelte Pass auf Yilmaz. „Nimm endlich den Pino runter“, ruft Musemestre Bamba Trainer Andreas Zimmermann zu. Und der gerade noch genatzte Canale kontert frech: „Bambi, die Leute sagen es doch: ‚Mach `mal ein bisschen mehr fürs Spiel.“

Was sich liebt, das neckt sich. „Ist wie früher“, sagt Guiseppe „Pino“ Canale, der zu LR-Zeiten gemeinsam mit Bamba die Gegenspieler schwindelig spielte, und der seit dem Aufstieg im Jahre 2000 in die Zweite Bundesliga unvergessen ist. Kein Wunder, dass Canale selbst die vierstündige Fahrt aus dem belgischen Genk auf sich genommen hat, um am Mittwochabend beim Spiel der Legenden endlich mal wieder mit seinen alten Weggefährten hinter dem Leder herzukicken.

„Das macht echt Spaß“, sagt der 39-Jährige, der mit den Leuten scherzt, über alte Zeiten redet und später vom Schiedsrichter dabei erwischt wird, als er mit Güvenisik das Trikot tauscht. „Für mich ist das hier eine schöne Abwechslung.“ 

Canales Akzent ist unüberhörbar. Seit Jahren lebt der Ex-Profi LR Ahlens in Genk, betreibt in seiner Heimatstadt unter anderem ein Restaurant und ist Teilbesitzer einer Fußballschule, in der Belgiens Talente geschmiedet werden. „Da ist so ein Tag in Ahlen eine willkommene Pause“, meint der prominente Rückkehrer. Das Fußballspiel läuft nicht gerade sehr erfolgreich für Canale, der mit seiner Traditionsmannschaft 6:12 gegen das „All Star-Team“ verliert.

„Guckt mal, wie der Brinkmann den Taverna stehen lässt“

„Kein Wunder bei dieser Einstellung. Statt sich umzuziehen und sich warmzumachen, haut sich der Pino lieber ein Stück Kuchen und `ne Tasse Kaffee rein“, ahnt Trainer Uwe Holz schon vor der Partie, dass der Auftritt ein Flop wird. „Ich wollte in der Pause die Brocken hin schmeißen“, wettert Holz mit einem Augenzwinkern und beendet seine Trainerkarriere, bevor sie begonnen hat.

Schuld sind unter anderem Erhan Albayrak, René Lewejohann und Ansgar Brinkmann, der sich nicht lumpen lässt und mächtig zu Werke geht: Ein Kunststück hier, eine Grätsche da, und dann der saftige Rempler gegen Jungspund Justin Perschmann, der am „weißen Brasilianer“ vorbei will, aber robust gebremst wird. Majestätsbeleidigung? Nicht mit Brinkmann!

„Saucooler Typ, der Ansgar“, meint RW Ahlens Ex-Trainer Carlos Castilla, der sich schlapp lacht, als Brinkmann unaufhaltsam aufs Tor des Traditionsteams zuläuft: „Guckt mal, wie der den Taverna stehen lässt.“ Torwart Sebastian Völzow kann einem leid tun. „Ich habe hier ja immer schlecht ausgesehen“, flachst der Schlussmann, der froh wäre, wenn er einen Tomasz Waldoch im Team hätte.

Nur rund 200 Zuschauer kommen ins Stadion

Der Ex-Schalker pflügt und grätscht über den Platz, als wenn wieder Derby im Parkstadion wäre, den Erzrivalen vor der Flinte und 60.000 Königsblaue im Rücken. Stattdessen aber nieselt der Regen auf die Legenden, der frische Wind fegt durch Brinkmanns zotteliges Haar. Nur rund 200 Zuschauer schauen sich das muntere Spielchen an, lassen die Laola schwappen, klatschen mit, stimmen Wechselgesänge mit Stadionsprecher Ralf Bosse an.

„Schade, die Veranstaltung hätte einen größeren Rahmen verdient“, sagt der Sport1-Kommentator, als die Akteure das Feld verlassen. Canale scheint das egal zu sein. „War echt super. Jetzt noch ein bisschen in der Kabine quatschen und dann ab nach Hause.“ Der Italiener winkt einem Mann auf der Tribüne zu.

„Ist mein Kumpel. Er hat mich gefahren“, sagt Canale, der für den Tag nach dem Legendenspiel schon Böses ahnt. „Morgen tun mir die Knochen weh.“ So ist das eben mit den tapferen Helden von damals. Weiß auch Völzow: „Die Erinnerungen bleiben. Aber wir werden älter.“

Mehr zum Spiel lesen Sie in der „Glocke“ am Freitag.

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