Als Zehner im Emsland die klare Eins
Daumen hoch für die Fans: Torfreude bei Luka Tankulic, der beim Drittligisten SV Meppen seinen Profitraum weiterlebt.

  Ist die Frage, ob Tankulic in Zeiten der Virus-Krise wirklich gemeinsam mit seinem Freund, Kollegen und Osnabrücker Zweitliga-Torwart Philipp Kühn, genannt „Pippo“, durch die Ahlener Langst oder Bauerschaften traben wird. Aber denkbar: Beide Fußball-Profis haben in Jugend und Senioren bei RW Ahlen gespielt, beide wohnen immer noch erd- und heimatverwachsen an der Werse. Und wo man lebt, das versteht sich, da hält man sich jetzt auch fit.

 „Ahlen ist doch toll“, hat sich Tankulic gerade mit seiner Verlobten Lisanne gemütlich eingerichtet. „Und es liegt gut“, klemmte sich der 28-Jährige bis Anfang März noch für 75 Minuten hinters Lenkrad, um zum Training oder Spiel des SV Meppen zu kommen. Der Rest ist: seit drei Wochen hoffen, dass es auch in der Dritten Liga bald weitergeht.

Tankulic belässt es natürlich nicht beim Daumendrücken als Trimm-Dich-Hausaufgabe von Trainer Christian Neidhart. „Laufen, zuhause an den Fitness-Geräten, ansonsten gehe ich höchstens mal einkaufen. Wir beschränken alles aufs Mindeste“, plaudert Tankulic aus dem Quarantäne-Nähkästchen. „Pippo“ Kühn muss wohl noch etwas auf Dauerlauf-Gesellschaft warten – verständlich.

Denn man hat schließlich noch einiges vor. „Die Dritte Liga ist nun mal höchst professionell. Und es macht großen Spaß in Meppen“, sagt der Deutsch-Kroate, der mit seinen über 100 Drittliga-Partien immer noch vom Aufstieg träumt. Immerhin: Falls Corona nicht dazwischen grätscht, stehen Meppens Chancen als Liga-Vierter nicht so schlecht. „Ich will einfach das Beste aus meiner Karriere machen“, sagt er und hat – vorsichtshalber schon mal – den Kaufmann für Büromanagement abgeschlossen. Wer weiß, denn dass es für Liga eins langsam – auch altersmäßig – eng wird, weiß er auch. Aber: „Man hat schon die wildesten Geschichten erlebt“, gibt Tankulic die Hoffnung auf den nächsten Karrieresprung nie auf.

Wer etwa hätte gedacht, dass der geborene Stürmer im Emsland plötzlich zum offensiven Regisseur heranreift? „Ich war ja nie so der große Goalgetter“, schmunzelt er und ist stolz, dass er mit der „Zehn“ auf dem blauweißen Leibchen nun deutlich mehr Verantwortung trägt. Für fünf Tore bis zum Abbruch hat es in dieser Saison trotzdem noch gereicht.

 „Tja, technisch bin ich ganz gut“, lächelt Luka Tankulic, glücklich, da zu sein, wo er jetzt ist. Alles richtig gemacht. Jetzt fehlt nur noch – bitte, bitte! – endlich wieder Fußballspielen. Und vielleicht ein „Pippo“ zum Joggen.

Harte Ahlener Schule ist gut für starke Nerven

Ahlen (uwe). Wenn Tankulic auch immer auf der Walz ist, um sein Profigeld zu verdienen, so bleibt Ahlen doch „meine Homebase“, sagt er. Kein Wunder, denn die Erinnerungen an den Anfang der Karriere prickeln immer noch.

 „Das vergisst man niemals“, denkt Tankulic etwa an den 22. September 2009, als RW Ahlen zwar im DFB-Pokal gegen die SpVgg Greuther Fürth mit 2:3 nach Verlängerung ausscheidet, aber mit einem eingewechselten A-Jugendlichen beinahe gewonnen hätte. Na, mit wem wohl? Tankulic traf zehn Minuten nach seiner Einwechslung zum 1:1 (87.) und noch zum 2:2 (93.).

„Den ersten spielt Ole Book mir in den freien Raum, der andere zu meinem Flugkopfball kommt von Cihan Özkara“, weiß es Tankulic wie gestern. Dass Fürth später noch gewann – geschenkt. Was bleibt, ist die Erinnerung.

 „Andreas Zimmermann hat gesagt: Ich bring dich auf jeden Fall“, klingelt dem Offensiven auch nach 20 Jahren immer noch die Verheißung des Trainers im Ohr. Es war um ihn geschehen. „Da wusste ich, da will ich rein!“

Pokal, das kann er. Ebenso wie mit den SF Lotte mit Trainer Ismail Atalan. 2017 bis zum Viertelfinal-Aus gegen Dortmund, mal eben Bremen, Leverkusen und 1860 München rausgeschossen. Erfolgreich beim Elfmeterschießen gegen Leverkusen: Tankulic als erster Schütze. „In Ahlen hab ich morgens in der A-Jugend-Bundesliga, nachmittags Zweite Liga Senioren gespielt“, so Tankulic. „Da lernt man, mit Druck umzugehen“, nickt er und lächelt versonnen. „War geil!“

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