Aus Fußball-Lust wird Ahlener Frust
Auch die eigenen Fans tragen Verantwortung, dass das Duell gegen Wattenscheid zu einem teuren "Sicherheitsspiel" wird.

 Statt Lust nur Frust, aber der „im Quadrat“, wie Manager Joachim Krug wütend und deprimiert feststellt. Weil die Stadt Ahlen und Polizei gegen den Willen des Vereines die Partie als „Sicherheitsspiel“ eingestuft haben und dafür rund 72 Ordner eines kommerziellen Sicherheitsdienstes einfordern, schätzt Krug die Kosten für RW Ahlen auf rund 5000 Euro.

 Aus den erhofften Einnahmen, um die Spielergehälter für Mai und Juni zahlen zu können wird also jetzt ein Minusgeschäft. Aus Not hatte man dem Staffelleiter vorgeschlagen, das Heimrecht zu tauschen – abgelehnt wegen Wettbewerbsverzerrung. „Das trifft uns ins Mark“, sagt der Manager, der tief enttäuscht ist: „Ich sage nur: aufhören, Schluss machen, liquidieren“, hat ihn der erneute Rückschlag im Kampf ums fehlende Geld marode gemacht.

Natürlich weiß auch er, dass auch wegen der Ahlener Chaoten, die man einfach nicht in den Griff bekommt, die Sicherheitsauflagen so sensibel sind. Dennoch ist ihm dieser Aufwand übertrieben, bei etwa nur 300 bis 400 Wattenscheider Fans, die er erwartet. „Wahrscheinlich will uns die Stadt einfach loswerden“, sitzt die Verbitterung tief, selbst in der Heimatstadt keine Rückendeckung im Kampf gegen die Insolvenz zu bekommen. Ebenso resigniert ist Trainer Marco Antwerpen, der auch am liebsten zuhause bliebe.

Ohne Dahlhoff (Außenband), Czichowski (Zerrung), deren Saison also beendet ist, ohne Achenbach (Urlaub!), Venker, Niemeier und Richter hat er keine konkurrenzfähige Mannschaft, die auch nur annähernd mithalten könnte. Mangels Innenverteidiger muss wahrscheinlich auch noch Khmiri in die Abwehrkette rücken.  „Gerald Stoffers ist im Probetraining durchgefallen, vielleicht aktiviere ich jetzt noch meinen alten Spielerpass„, findet das  Marco Antwerpen, mit ironischem Seitenblick zum sportlichen Leiter, gar nicht lustig.

So schlägt eben die erwartete Fußball-Freude in Trostlosigkeit um vor einem Spiel, das jetzt keiner mehr will. Außer Wattenscheid. Die SG könnte in Ahlen nämlich den Aufstieg perfekt machen. Voraussetzung: Dafür muss man selbst gewinnen und gleichzeitig Arminia Bielefelds U 23 beim SV Schermbeck verlieren. Schon der letzte Regionalligaaufstieg 2005 wurde seinerzeit in Ahlen dingfest gemacht. Schön, wenn die Ahlener zuschauen dürfen, wenn die anderen feiern.

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