„Autorität darf nicht untergraben werden“
Bild: Inderlied
Kartenspiele: Kreis-Schiedsrichterobmann Juan de Cruz Pujades erklärt das Regelwerk für einen Spielabbruch.
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„Die Glocke“: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, bevor ein Schiedsrichter ein Fußballspiel abbrechen darf?

De Cruz Pujades: Er muss eine bestimmte Reihe an Punkten ausgeschöpft haben. Wenn es zu Tumulten oder Schlägereien zwischen Spielern oder Betreuern kommt, muss der Unparteiische zuerst die Platzordner rufen. Sie sollen versuchen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, während das Spiel für diese Zeit unterbrochen ist. Außerdem sollte er mit den Kapitänen beider Mannschaften sprechen, die auf ihre Mannschaften eingehen sollten, um die Lage zu beruhigen. Gelingt dies nicht, hat der Schiedsrichter alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft und er ist berechtigt, die Partie abzubrechen.

„Die Glocke“: Offensichtlich hat dies der Schiedsrichter bei dem Bezirksligaspiel zwischen Friedrichsdorf und Schloß Holte nicht getan?

De Cruz Pujades: Es ist schwierig zu beurteilen, weil ich nicht vor Ort war. Wenn ich der Presse Glauben schenke, dann bin ich der Meinung, dass das Spiel auch abgebrochen worden wäre, wenn der Schiedsrichter alle aufgeführten Punkte befolgt hätte. Es war zu dem Zeitpunkt schon recht dunkel. Bis sich die Lage beruhigt und die Spielführer mit den Mannschaften gesprochen hätten, wären bestimmt 10 bis 15 Minuten vergangen. Da es in Friedrichsdorf auf dem Rasenplatz kein Flutlicht gibt, wäre das Spiel wegen Dunkelheit abgebrochen worden.

„Die Glocke“: In welchen Fällen hat der Schiedsrichter keinen Spielraum, wenn es um einen Abbruch geht?

De Cruz Pujades: Da haben wir im Kreis-Schiedsrichterausschuss eine klare Meinung. Sobald ein Schiedsrichter tätlich angegriffen wird, egal ob von Spieler, Betreuer oder Trainer, ist das Spiel sofort abzubrechen. In diesem Moment wird die Autorität des Unparteiischen untergraben, das können wir nicht zulassen.

Die Glocke“: Nicht jede Berührung ist gleich auch eine Tätlichkeit. Gibt es auch einen Mittelweg, bei dem der Schiedsrichter den Spieler vom Platz stellen und das Spiel trotzdem fortgesetzt werden kann?

De Cruz Pujades: Rein satzungstechnisch wäre es möglich, wenn ein Schiedsrichter tätlich angegriffen wird, das Spiel trotzdem fortzusetzen. Wir sprechen aber die klare Empfehlung aus, dass er sofort das Spiel abbrechen soll, um sich selbst zu schützen und zu dokumentieren, dass eine Grenze überschritten wurde. Man darf einen Schiedsrichter nicht tätlich angreifen.

„Die Glocke“: Ist es in dieser Saison schon zu Gewalt gegenüber Schiedsrichtern gekommen?

De Cruz Pujades: Wir hatten bislang einen Fall. In einem Spiel der Kreisliga B wurde ein Schiedsrichter kurz vor Schluss angegangen.

„Die Glocke“: Wie steht denn der Kreis Gütersloh im Vergleich zu anderen Fußballkreisen beim Thema Gewalt auf dem Rasen überhaupt da?

De Cruz Pujades: Wenn ich nach Kamen-Kaiserau zu unserer jährlichen Sitzung komme, dann werde ich von manchen Schiedsrichterobmännern der anderen Fußballkreise belächelt, dass unsere Quote an Abbrüchen, Angriffen gegen Schiedsrichter und Tätlichkeiten verhältnismäßig niedrig ist. In anderen Kreisen im Ruhrgebiet gibt es bis zu sechs Spielabbrüche pro Wochenende. Da sind wir zum Glück noch weit von entfernt. Trotzdem ist auch hier im Kreis Gütersloh jeder Fall ein Fall zu viel. Und dieser eine Fall hätte auch vermieden werden müssen.

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